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Proteste im Südosten des Iran werden erneut gewaltsam niedergeschlagen.


Die Vereinten Nationen haben „zunehmende Besorgnis“ über Berichte über Todesfälle bei den Protesten im Iran gezeigt. „Wir verurteilen alle Vorfälle, die zum Tod oder zu schweren Verletzungen von Demonstranten führen, und wiederholen, dass die Sicherheitskräfte von jeder unnötigen oder unangemessenen Anwendung von Gewalt gegen friedliche Demonstranten absehen müssen“, sagte ein UN-Sprecher gestern in New York. Die Verantwortlichen müssen zur Rechenschaft gezogen werden.

Die iranische Regierung forderte die Vereinten Nationen auf, die Menschenrechte zu respektieren und sich um die Probleme der Menschen zu kümmern. Die Krise kann und sollte durch Dialog unter Kontrolle gebracht werden.

Videos zeigen blutige Szenen

Unterdessen gingen die Sicherheitskräfte Berichten zufolge weiterhin mit Gewalt gegen Demonstranten im Südosten des Iran vor. Augenzeugen berichteten, dass nach dem Freitagsgebet in weiten Teilen der Stadt Sahedan Schüsse zu hören waren. Die Stadtbewohner befürchteten viele Todesfälle.

In den sozialen Medien wurden Videos von blutigen Szenen geteilt, deren Echtheit zunächst nicht unabhängig verifiziert werden konnte. Vor vier Wochen gingen Sicherheitskräfte in der Stadt gewaltsam gegen Proteste vor.

Polizeichef Sahedan feuerte

Der Polizeichef Sahedan war zuvor nach Kritik entlassen worden. Medien sagten, die Entlassung sei das Ergebnis einer Untersuchung der Proteste vom 30. September in der Stadt. Nach Freitagsgebeten vor vier Wochen sollen in Sahedan Dutzende Menschen von Sicherheitskräften getötet worden sein. Offiziell sprachen die Behörden von einem Angriff auf eine Polizeistation und bezeichneten die Teilnehmer der Proteste als „Terroristen“. Der Polizeichef habe den Angriff nicht verhindern können, lautete die Kritik.

Allerdings hatte die ungewöhnliche Entlassung auch Spekulationen ausgelöst, dass die Polizeiführung die harte Linie abgelehnt haben könnte. Auch ein einflussreicher sunnitischer Geistlicher in Sahedan, Maulawi Abdulhamid, kritisierte kürzlich den Kurs der politischen Führung in dem überwiegend schiitischen Land. Andere lokale Geistliche sollen sich seiner Kritik angeschlossen haben.

Auslöser der systemkritischen Massenproteste im Iran im vergangenen Monat war der Tod des 22-jährigen iranischen Kurden Mahsa Amini. Die Sittenpolizei verhaftete sie wegen angeblicher Verletzung der islamischen Kleiderordnung. Die Frau starb am 16. September in Polizeigewahrsam. Seit ihrem Tod demonstrieren Tausende im ganzen Land gegen den Repressionskurs der Regierung und das islamische Herrschaftssystem.

Demonstration von Regierungsanhängern

Unterdessen demonstrierten Anhänger der Regierung bei staatlich organisierten Protesten nach dem Angriff am Mittwoch in der Stadt Shiraz. Bei dem Anschlag, für den sich die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) verantwortlich machte, wurden 13 Menschen getötet und Dutzende verletzt.

Teheran macht seine Erzfeinde USA und Israel sowie die Demonstranten für den Anschlag verantwortlich und kündigte Rache an. Viele Iraner befürchten, dass die Sicherheitskräfte nach dem Angriff noch stärker gegen Demonstrationen vorgehen werden.

Wo ist der spanische Fußballfan?

Das spanische Außenministerium hat gestern eine Erklärung zum Fall eines vermissten Fußballfans abgegeben, der von seinem Heimatland zur Weltmeisterschaft in Katar zu Fuß unterwegs war und vermutlich im Iran verschwunden ist. Santiago Sánchez Cogedor hat zuletzt am 1. Oktober aus dem Nordirak an der iranischen Grenze auf Instagram gepostet. Wo sich der Spanier aufhält, sei nicht bekannt, sagte eine Sprecherin des Ministeriums. Die spanische Botschaft in Teheran steht in Kontakt mit den iranischen Behörden und Angehörigen in Spanien.

Sie dementierte damit Medienberichte, wonach ihr Zuhause die Festnahme des 40-Jährigen im Iran bestätigt habe. Die Nachrichtenagentur Europa Press und andere spanische Medien berichteten jedoch unter Berufung auf die Mutter des Vermissten, dass ihr Sohn im Iran inhaftiert sei. Es geht ihm gut und der spanische Botschafter in Teheran will ihn im Gefängnis besuchen. Die Botschaft versucht, sie freizulassen. Vor einigen Wochen meldeten die Sicherheitsbehörden die Festnahme mehrerer europäischer Bürger im Zusammenhang mit den Protesten.

In der Hauptstadt Teheran waren in der Nacht zum Freitag erneut zahlreiche Menschen auf der Straße. Vielerorts solidarisierten sich Anwohner auch von den Balkonen aus mit den Demonstranten, wie Augenzeugen berichteten. Berichten zufolge haben Sicherheitskräfte deshalb auch auf Wohnungen geschossen. Neben Protestparolen forderten einige auch ein Referendum. Viele Menschen fordern jedoch weiterhin den Sturz des Systems. Es gilt als äußerst unwahrscheinlich, dass die iranische Führung Zugeständnisse machen und soziale Lockerungen beschließen wird.



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