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Panzer-Talk mit Markus Lanz: „Schnelligkeitsfrage ist entscheidend“

Panzergespräch mit Markus Lanz
„Frage der Geschwindigkeit ist entscheidend“

Von Marko Schlichting

Die Entscheidung ist der Bundeskanzlerin nicht leichtgefallen, nun ist sie da: Deutschland liefert Kampfpanzer Leopard 2 an die Ukraine. Hätte das nicht schneller gehen können? Ob der lange Kampf Deutschland geschadet hat, will Markus Lanz von seinen Gästen wissen.

Kurz vor 19 Uhr kam die Eilmeldung. Bundeskanzler Olaf Scholz hat seine Entscheidung getroffen: Deutschland liefert Kampfpanzer an die Ukraine. Deshalb stellt ZDF-Talker Markus Lanz am Dienstagabend in seiner Sendung die Frage: Und jetzt? Wie sehr leidet Deutschlands Ansehen unter dem Zögern der Kanzlerin?

Er wisse eigentlich nichts, habe aber gespürt, dass die Entscheidung fallen werde, sagt Michael Roth von der SPD. Das Präsidium der Partei hat sich am Montag mit dem Thema befasst. Die Bundeskanzlerin wird am heutigen Mittwoch im Bundestag sprechen. „Ich habe auf die Lieferungen gehofft“, sagt der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, „weil die Ukraine diese Panzer dringend braucht, aber auch, weil ich den Eindruck habe, dass es eine große Zahl europäischer Länder gibt, die bereit sind, Panzer zu kaufen im Team verfügbar.“ Dass Bundeskanzler Scholz seine Entscheidung bis Dienstagabend verschoben hat, hält Roth für nachvollziehbar. „Ich hatte den Eindruck, dass mit einigen Partnern noch ein gewisser Abstimmungsbedarf besteht.“ Roth selbst hatte bereits im vergangenen September die Lieferung von Leopard-2-Panzern vorgeschlagen. Aber er musste erkennen, dass es damals nicht die Zeit dafür war.

Christian Mölling kann das Zögern der Kanzlerin überhaupt nicht rechtfertigen. Er leitet das Programm „Sicherheit, Verteidigung, Rüstung“ der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP), einer 1955 gegründeten Denkfabrik, deren Mitglieder vor allem aus Wirtschaft und Politik kommen. Dass die Entscheidung nun zugunsten der Tanklieferungen gefallen sei, freut ihn natürlich, sagt Mölling. Aber er hätte es gerne schneller gehabt und kritisiert die Art und Weise, wie die Bundesregierung kommuniziert. Der Schaden für die Zukunft ist da, fürchtet Mölling. „Ab sofort müssen Sie für die Politik einen Risikozuschlag zahlen, denn künftig werden Ihre Partner sagen: Naja, wenn ich mich in existenziellen Fragen auf Deutschland verlasse, muss ich dann den gleichen Eiertanz durchmachen wie beim Leoparden Frage?“ , sagt er und sieht Michael Roth an.

„Am Ende stimmen die Ergebnisse“

Vom Koalitionsstreit der letzten Tage ist er nicht besonders begeistert. Er freut sich aber über die Zusagen von Großbritannien, Frankreich und vor allem den USA, die eigene Kampfpanzer ins Kriegsgebiet liefern wollen. „Am Ende stimmt das Ergebnis, auch wenn ich mir einiges früher gewünscht hätte.“

Konkreter wird Mölling: „Deutschland ist derzeit nicht führend“, kritisiert er. Es scheint, als müsste Deutschland zur Jagd getragen werden. Wichtig sei, was die anderen Länder derzeit von uns lernen, sagt Mölling: „Dass es nur zwei Gruppen von Partnern gibt: Auf der einen Seite die Franzosen und die Briten, die eigene Waffenlieferungen an die Ukraine angekündigt haben Andererseits gibt es die USA, und wenn die Lieferungen versprechen, dann liefert Deutschland.“ Das aktuelle Misstrauen gegenüber den Partnern ist über die Jahre gewachsen. Jetzt liegt es an der Bundesregierung, das Ruder herumzureißen. „Die SPD zum Beispiel sagt seit Jahren, dass wir eine gemeinsame europäische Armee wollen. Aber dieser Markt bricht derzeit auseinander – wegen der Untätigkeit Deutschlands.“ Um das zu ändern, muss die Regierung den ersten Schritt tun, denn sie ist unter anderem für die Genehmigung von Waffenlieferungen zuständig. Die Regierung reagiere derzeit zu zögerlich, kritisiert Mölling. „Die Frage der Geschwindigkeit ist in diesem Krieg von entscheidender Bedeutung“, sagt er. Bereits im April vergangenen Jahres hätte die ukrainische Armee in puncto Bewaffnung auf westliche Standards gebracht werden sollen.

Roth sieht das so. Derzeit spielen die Vereinigten Staaten eine zentrale Rolle in diesem Krieg und bei der Verteidigung Europas. Einerseits muss man US-Präsident Joe Biden dafür dankbar sein. Aber, sagt Roth: „Das ist alles in allem eine Schande für die Europäer. Und ich hoffe, dass wir daraus unsere Lehren ziehen.“