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Ortsbesichtigung im ehemaligen Konzentrationslager (nd-aktuell.de)


KZ-Gedenkstätte Stutthof: Das Gericht wird hier demnächst einen Außentermin abhalten.

Foto: dpa/Bernhard Sprengel

Seit mehr als einem Jahr sitzt die 97-jährige Irmgard F. nach dem sogenannten Stutthof-Strafprozess in Itzehoe für maximal zwei Stunden täglich mit eingelegter Pause meist bewegungslos in ihrem Rollstuhl im Gerichtssaal zu eingeschränkter Verhandlungsfähigkeit. Es ist ihr Prozess, F. wird Beihilfe zum systematischen Mord in über 11.430 Fällen vorgeworfen. Der Angeklagte schwieg am Dienstag, dem 32. Prozesstag.

Bis heute, 77 Jahre nach den Ereignissen, gibt es keine direkten Beweise, dh weder Zeugenaussagen noch schriftliche Funde, dass die Sekretärin und Stenotypistin der Kommandantur des Konzentrationslagers Stutthof bei Danzig an der Tötungsmaschinerie beteiligt war. Die Anklage stützt sich daher ausschließlich auf die Aussagen des Geschichtsexperten Stefan Hördler, der 14 Mal im Zeugenstand zum Lageralltag, zur Lagerverwaltung und zu den örtlichen Verhältnissen ausgesagt hat.

Um ein Gesamtbild des Konzentrationslagers zu schaffen, können auch die deprimierenden Schilderungen von acht Überlebenden, die als Nebenkläger während des Prozesses per Videoschaltung aussagten, hinzugefügt werden. Darunter auch Halina Strnad, eine gebürtige Polin, die am 14. Juni aus Melbourne über die ihr im Lager zugefügten Misshandlungen berichtete. Inzwischen erreichte das Gericht die Nachricht, dass sie im Alter von 92 Jahren verstorben ist. Von den 32 Überlebenden zu Beginn des Prozesses sind nur noch 29 als Nebenkläger am Prozess beteiligt.

Ebenfalls auf der Zeugenliste in Itzehoe: Der ehemalige SS-Wachmann Bruno Dey, der in Stutthof arbeitet, wurde im Juli 2020 vom Landgericht Hamburg wegen Beihilfe zum Mord an insgesamt 5232 zu zwei Jahren Jugendhaft auf Bewährung verurteilt Fällen und wegen Beihilfe zu einem versuchten Mord . Im Juni und August zeigte sich der 95-Jährige eher wortkarg und voller Erinnerungslücken, wurde aber auf die Existenz eines Krematoriums und Leichenberge angesprochen.

Die Insel und die Schande

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Zur Einordnung der Rolle der Zivilangestellten Irmgard F. und der zweifelhaften Aussage, sie habe angeblich keine Kenntnis von den entsetzlichen Massentötungen vor Ort gehabt, soll auch ein Beweisantrag des Mitstaatsanwalts Christoph Rückel dienen. Bereits am 21.10.2021 hatte er zu einer Vor-Ort-Begehung in Stutthof aufgerufen, um sich einen besseren Eindruck von den damaligen Entfernungen, Blickachsen, Lagergrößen und baulichen Verhältnissen, insbesondere der Lage des Hauptquartiers, zu verschaffen.

Erst am Dienstag hatte die Große Jugendkammer unter Vorsitz von Richter Dominik Groß entschieden und einer persönlichen Besichtigung des ehemaligen Lagergeländes zugestimmt. Im Auftrag der Jugendkammer will er das gemeinsam mit Richterin Rebecca Knof tun, begleitet von Historiker Stefan Hördler. Ein dazu zu erstellendes Protokoll wird dann der Beweisaufnahme für alle Prozessbeteiligten und die Öffentlichkeit in Itzehoe beigefügt. Laut Groß können aber auch alle anderen Prozessbeteiligten an dem Stutthof-Besuch teilnehmen, natürlich auch der Beschuldigte, wenn sie dies wünschen.

Strafverteidiger Wolf Molkentin hatte zuvor rechtliche Bedenken geäußert, dass ein solcher Vor-Ort-Besuch ohne die gesamte Jugendkammer Anfechtungsmöglichkeiten bieten könnte – Einwände, die Groß mit Verweis auf die bisherige Rechtsprechung zurückwies und dazu Stellung nimmt. Einen genauen Termin für die Stutthof-Geschäftsreise gibt es nicht.



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