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„Nicht alle Namen stimmen“: Flick heizt Spekulationen um WM-Kader an

„Nicht alle Namen sind richtig“
Flick schürt Spekulationen um einen WM-Kader

Fragen, welche (maximal) 55 Spieler im vorläufigen WM-Kader stehen, will Hansi Flick nicht wirklich beantworten. Auf Nachfrage gibt der deutsche Bundestrainer im Interview mit RTL/ntv einen Einblick, wer sich Hoffnungen machen darf und für wen die Chancen schlecht stehen.

Eric Maxim Choupo-Moting ist heutzutage ein viel diskutierter Mann. Der vergessene Stürmer macht beim FC Bayern das Unmögliche möglich: Er lässt Robert Lewandowski hinter sich und beendet mit seinen Toren die wilde Neun-Punkte-Diskussion beim Rekordmeister. Eine ähnliche Debatte wird auch über die deutsche Fußballnationalmannschaft geführt. Brauchen Sie einen klassischen Stürmer? Der 33-Jährige weiß aus eigener Erfahrung, wie sich Tore für Deutschland anfühlen. Er spielte 19 Mal für die Jugend-Nationalmannschaften des DFB und traf neun Mal. Doch vor dem Wechsel in die A-Nationalmannschaft entschied er sich, in die Heimat seines Vaters, Kamerun, zurückzukehren.

Schade, sagt Bundestrainer Hansi Flick im exklusiven RTL/ntv-Interview, der den Stürmer vor einigen Tagen in einem Telefonat scherzhaft gefragt hatte, ob er nicht für das DFB-Team spielen wolle. 27 Tage vor dem ersten WM-Spiel seiner Auswahl gegen Japan beschäftigt sich der 57-Jährige zudem mit der Frage, wer die Tore für Deutschland schießen soll. In der öffentlichen Diskussion steht Werder Bremens Niclas Füllkrug auf der Pole-Position. Er hat in elf Bundesligaspielen acht Tore erzielt und ist damit Torschützenkönig. „Er verkörpert etwas, was wir in dieser Konstellation nicht haben“, sagt Flick. Füllkrug, der „eine gute Saison spielt“, ist also eine Option – wie viele andere auch. Flick will sich nicht in die Karten schauen lassen, heizte aber zwei Wochen vor der endgültigen Bekanntgabe seines Kaders für Katar Spekulationen an.

Der Bundestrainer musste der Fifa eine vorläufige Liste vorlegen. 55 Namen können auf diesem Papier erscheinen. In den Medien gab es wildes Namedropping. Auch Mittelfeldspieler Rani Khedira und Innenverteidiger Robin Knoche von Überraschungs-Spitzenreiter Union Berlin werden gehandelt. „Nicht alle Namen stimmen“, sagt Flick und ergänzt: „Da sind auch ein paar Spieler drauf, die bei uns vorher noch keine Rolle gespielt haben.“ Der Trainer räumte auch ein, dass Medien, Berater und sogar Freunde versuchen würden, Einfluss auf die Kaderplanung zu nehmen. Ist er dafür anfällig? Lieber nicht.

Es wird nicht nur um Fußball gehen

Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird Mats Hummels auf der umfangreichen Liste stehen. Obwohl Borusse noch nie für das Team unter Flick nominiert wurde, steht er in engem Kontakt mit dem Boss. „Wir haben Dinge vereinbart, aber sie bleiben unter uns.“ Für Flick zählen bei der Personalauswahl nicht nur Erfahrung und Form, er blickt auch in die Zukunft. „Vielleicht nehmen wir einen jungen Spieler mit, damit er Turniererfahrung sammeln kann.“ Florian Wirtz ist einer der jungen Spieler, wenn auch nicht in der Innenverteidigung. Das Supertalent steht nach seinem Kreuzbandriss kurz vor seinem Comeback bei Bayer Leverkusen. Reicht es für den WM-Kader? Flick würde es gefallen: „Ich mag solche Fußballer. Er spielt unbeschwert. Aber es ist wichtig, dass seine Verletzung gut ausheilt.“ Dazu steht er in engem Kontakt mit Bayer.

Auch zu den verletzten Stammspielern Manuel Neuer, Leroy Sané und Jonas Hofmann hält er über die medizinische Abteilung des DFB engen Kontakt. Aber er ist optimistisch, dass bis zur WM alle fit und fit sein werden. Beides sind die Leitmotive für die Nominierung. Flick wird für den 26-köpfigen Kader, der nach der Bekanntgabe nicht mehr verändert werden darf, vier Torhüter nominieren, um bei einer möglichen Verletzung nicht nur Alternativen in den Spielen zu haben, sondern auch im Training effektiv arbeiten zu können . Welche das sind, verriet er nicht. „Aber insgesamt haben wir alles im Blick, jetzt warten wir und hoffen, dass alle gesund und fit bleiben.“

Im Basislager in Katar hofft Flick auf eine ähnliche Dynamik wie 2014 im legendären Campo Bahia, wo Deutschland den Grundstein für den WM-Triumph legte. Das Wort „Titel“ hat er im Interview zwar nicht als Ziel formuliert, das DFB-Team aber in die lange Kandidatenliste aufgenommen. Er hat Brasilien und Argentinien auf seiner Liste, aber auch die europäischen Vertreter Frankreich, England, Spanien, Belgien und Portugal. „Ich freue mich einfach, wenn es losgeht, wenn Fußball gespielt wird.“

Dem Bundestrainer ist natürlich bewusst, dass es bei dieser WM nicht nur um Fußball geht, sondern auch um Menschenrechte. „Ich habe mich sehr klar zu der Auszeichnung geäußert. Und in den letzten sechs, sieben Monaten haben wir die Mannschaft mit vielen Aktivitäten informiert. Wir fahren dorthin und wollen die Weltmeisterschaft genießen. Wir wollen die erfüllen Menschen vor Ort offen und neugierig, aber auch die Augen offen halten, wenn etwas passiert.“ Es gibt keine Richtlinien für seine Spieler von Flicks. „Jeder einzelne Spieler wird so reflektiert, dass er eine Meinung dazu hat.“