Deutschland Nachrichten

Nato-Chef widerspricht Lambrecht: Botschafter irritiert über Polens Vorschlag für Patrioten

Nato-Chef widerspricht Lambrecht
Botschafter irritiert über Polens Vorschlag zu den Patrioten

Zwischen Deutschland und Polen gibt es erneut Irritationen. Der Grund: Berlin bietet Polen Flugabwehrsysteme an, Warschau will sie aber direkt in die Ukraine schicken. Der deutsche Botschafter sagt, das sei „schwer verständlich“. Nun meldet sich auch Nato-Generalsekretär Stoltenberg zu Wort.

Der Vorschlag Polens, die von Deutschland angebotenen Flugabwehrsysteme direkt in der Ukraine zu stationieren, sei schwer nachvollziehbar, so der deutsche Botschafter in Warschau. Deutschland habe nur wenige Patriot-Luftverteidigungssysteme, was sie äußerst wertvoll mache, sagte Botschafter Thomas Bagger der Zeitung Rzeczpospolita. „Dass ihnen angeboten wurde, den polnischen Luftraum zu sichern, ist Ausdruck der großen Bedeutung, die die Regierung in Berlin Polen beimisst.“ Daher ist die polnische Antwort „schwer verständlich“.

Auch Verteidigungsministerin Christine Lambrecht von der SPD hatte auf den polnischen Vorschlag zurückhaltend reagiert. Die Patriots seien Teil der integrierten Luftverteidigung der Nato und für Nato-Territorium bestimmt, sagte sie am Donnerstag. Eine Nutzung außerhalb des Bündnisses muss mit den Alliierten abgesprochen werden.

Lambrecht und Polens Verteidigungsminister Mariusz Blaszczak einigten sich Anfang der Woche auf einen gemeinsamen Schutz des polnischen Luftraums. Demnach sollte der Nato-Partner Flugabwehrsysteme vom Typ Patriot erhalten, und auch die Luftwaffe wollte die Luftraumüberwachung mit Eurofightern unterstützen. Aber am Mittwoch schlug Blaszczak vor, in die Ukraine zu wechseln. Zuvor hatte Jaroslow Kaczynski, Chef der nationalkonservativen Regierungspartei PiS, bekannt für seine antideutschen Töne, diese Idee geäußert.

Bagger sagte nun, die deutsche Seite sei von Warschau nicht vorab über diesen Vorschlag informiert worden, zeitgleich mit Blaszczaks Äußerung sei ein Schreiben auf Twitter eingegangen. Berlin ist nun dabei, die polnische Antwort auszuwerten.

Stoltenberg: Berlin muss selbst entscheiden, ob es Patriot ausliefert

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg forderte die Bundesregierung auf, selbst über die Lieferung des Luftabwehrsystems Patriot an die Ukraine zu entscheiden. Dies sei eine „nationale Entscheidung“, sagte Stoltenberg in Brüssel. Er machte deutlich, dass er eine Debatte über das Militärbündnis vorerst nicht für erforderlich halte – und lehnte Lambrechts Antrag damit ab.

Nato-Staaten hätten bereits Luftverteidigungssysteme an die Ukraine geliefert, sagte der Generalsekretär und verwies dabei unter anderem auf das deutsche SLM-System IRIS-T. Gleichzeitig begrüßte Stoltenberg das ursprüngliche deutsche Angebot, das Patriot-System zur Stärkung der polnischen Luftverteidigung einzusetzen, nachdem dort Raketen eingeschlagen und zwei Menschen getötet hatten.

Die Nato schickt Kiewer Störsender gegen Drohnen

Stoltenberg erklärte weiter, dass die Nato die ukrainischen Streitkräfte mit Anti-Drohnen-Störsendern versorgt habe. Die sogenannten Jammer sind Teil eines umfassenden Support-Pakets. Dazu gehörten Kraftstoff, medizinische Versorgung und Winterausrüstung.

Insbesondere sollen die Störsender der Ukraine helfen, Angriffe mit Kamikaze-Drohnen abzuwehren. Bei den Geräten handelt es sich in der Regel um elektromagnetische Sender, die die Navigations- oder Kommunikationssysteme der Drohnen stören. Nach Angaben aus Kiew greift die russische Armee seit Oktober verstärkt mit Kamikaze-Drohnen an. Nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe werden hauptsächlich Flugzeuge aus iranischer Produktion eingesetzt.

Insbesondere kommt der Shahed 136 zum Einsatz. Es hat einen dreieckigen Flügel und ist mit einem Sprengkopf ausgestattet. Die Drohne wird normalerweise von Lastwagen aus gestartet und stürzt mit hoher Geschwindigkeit auf ihr Ziel zu.

Schaltfläche "Zurück zum Anfang"