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Deutschland Nachrichten

Nach Twitter-Übernahme: Gremium soll Sachentscheidungen treffen


Stand: 29.10.2022 09:04 Uhr

Nach der Übernahme von Twitter kündigte der Milliardär Musk ein Gremium an, um wichtige Entscheidungen über die Moderation von Inhalten zu treffen. Erste Unternehmen sind verunsichert und distanzieren sich vorsichtig von Twitter.

Nach der Übernahme von Twitter durch den Hightech-Milliardär Elon Musk für umgerechnet rund 44 Milliarden Euro ist unklar, wie sich der Kurznachrichtendienst unter ihm künftig entwickeln wird. Als erste inhaltliche Entscheidung kündigte Musk auf Twitter an, ein Komitee gründen zu wollen, das zentrale Entscheidungen über die Moderation von Inhalten treffen soll. Außerdem soll sich das Gremium mit dem Umgang mit gesperrten Nutzern befassen. Genaue Angaben dazu, wann die Karosserie aufgebaut und wie sie zusammengesetzt sein wird, machte Musk zunächst nicht.

„Wir haben noch nichts geändert“

Bis zur Nutzung dieses Gremiums werde es jedoch keine Änderungen an den Inhalten von Twitter geben, schrieb Musk. Es wurden noch keine Änderungen vorgenommen.

Zahlreiche Twitter-Mitarbeiter könnten entlassen werden

Musk hatte bereits kurz nach der Übernahme des Unternehmens erste Personalentscheidungen getroffen und Twitter-Chef Parag Agrawal und andere wichtige Führungskräfte zurückgetreten. Zunächst hatten US-Medien darüber berichtet – Musk bestätigte die entsprechenden Informationen später auf Twitter.

Es stimmt, dass Twitter eine extrem wichtige Plattform ist, weil sie von vielen Politikern und anderen einflussreichen Persönlichkeiten genutzt wird. Das Netzwerk hat jedoch nur rund 238 Millionen täglich aktive Nutzer, was deutlich weniger ist als andere Plattformen wie Facebook. Außerdem ist Twitter verschuldet und war nie wirklich profitabel.

Musk ließ Twitter kurz nach der Übernahme dekotieren. Diesen Schritt hatte er zuvor angekündigt.

Musk muss Twitter finanziell wieder auf Kurs bringen

Musks größtes Problem sei wohl, das Unternehmen finanziell wieder auf Kurs zu bringen, sagt Tech-Journalistin Kara Swisher im Interview mit dem TV-Sender MSNBC. Sie erklärte:

Viele Tech-Unternehmen bekommen derzeit mächtig Gegenwind, weil Kunden die Werbung kürzen, und wenn Google eine Erkältung hat, dann bekommt Twitter eine Lungenentzündung.

Da Twitter ein privates Unternehmen ist, könne Musk künftig sagen, dass es dem Unternehmen gut gehe – „aber wir haben keine Einsicht mehr“, erklärte Swisher.

Angst vor vermehrter Hassrede und Falschinformationen

Kritiker befürchten, dass Musk die Moderation von Inhalten drastisch zurückfahren könnte, um Hassreden, Online-Mobbing und die Verbreitung von Fehlinformationen zu bekämpfen. Der streitsüchtige Geschäftsmann präsentiert sich als radikaler Verfechter des Rechts auf freie Meinungsäußerung und warf Twitter in der Vergangenheit vor, die Meinungsfreiheit zu sehr einzuschränken. Beobachter warnen, dass sich unter Musk Extremisten und Verschwörungstheoretiker künftig ungestört auf Twitter austoben könnten.

Auch Roger McNamee, einer der frühen Facebook-Investoren und heute ein großer Kritiker der sogenannten Big-Tech-Unternehmen, glaubt, dass die Übernahme problematisch sein könnte. Im Gespräch mit CNBC sagte er, Twitter sei seit langem ein „schrecklich geführtes Unternehmen und ein Ort von Hassreden, Desinformation und Verschwörungstheorien, eine Bedrohung für die nationale Sicherheit“. Er befürchtet, dass wir jetzt noch mehr von der unangenehmen Seite von Twitter sehen werden.

EU-Kommission: Twitter muss sich weiterhin an EU-Regeln halten

Unterdessen warnte die EU-Kommission Musk, Twitter müsse sich künftig an EU-Regeln halten. „In Europa fliegt der Vogel nach unseren europäischen Regeln“, sagte Industriekommissar Thierry Breton. Er verwies auf kürzlich endgültig verabschiedete neue Regeln für Online-Plattformen, mit denen unter anderem Hassbotschaften und Falschinformationen bekämpft werden sollen.

General Motors zieht sich von Twitter zurück

Die Unsicherheit über die inhaltliche Entwicklung des Kurznachrichtendienstes betrifft auch die Unternehmen. Der US-Autobauer und Tesla-Konkurrent General Motors kündigte an, seine bezahlten Anzeigen im Onlinedienst „vorübergehend“ einzustellen. Ein Sprecher sagte: „Wir sprechen mit Twitter, um die Richtung der Plattform unter ihrem neuen Eigentümer zu verstehen.“ Er fügte jedoch hinzu, dass die Interaktionen mit Kunden auf Twitter fortgesetzt werden sollten.

Zurück zu Twitter will Trump nicht

Ex-Präsident Donald Trump bekräftigte frühere Aussagen, dass er nicht zu Twitter zurückkehren wolle – auch wenn es mit Musk als neuem Eigentümer möglich sein sollte. Trump wurde von Twitter verbannt, nachdem Anfang 2021 das US-Kapitol gestürmt worden war.

Stattdessen werde er bei seinem eigenen Dienst Truth Social bleiben, sagte Trump gegenüber Fox News Digital. „Mir gefällt es hier besser“, sagte Trump. „Ich mag Elon, aber ich bleibe bei der Wahrheit.“ Trumps Netzwerk Truth hat bisher nur wenige Nutzer – entsprechend gering ist seine Reichweite dort.

Mit Informationen von Katharina Wilhelm, ARD Studio Los Angeles

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