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Mit Kraft in die Zukunft (nd-aktuell.de)


Armel Bella-Kotchap (l.) überzeugt für Southampton in der englischen Premier League mit kompromissloser Defensivarbeit.

Foto: imago/NurPhoto

Spätestens in den Morgenstunden ist es im Frankfurter Stadtwald schon herbstlich frisch. Deshalb entschied sich Armel Bella-Kotchap dafür, die schwarzen Ärmel seiner schicken weinroten Trainingsjacke bis zu den Fingerspitzen herunterzuziehen. Seine ersten Aufwärmrunden drehte der Neuling mit der deutschen Nationalmannschaft, wo er sofort Kontakt zu Antonio Rüdiger aufnahm. Der Verteidiger-Star, der mittlerweile für Real Madrid spielt und ab Mitte November die Abwehr der DFB-Auswahl für die WM in Katar anführen soll. Nicht wenige sehen in Bella Kotchap bereits „einen zweiten Rüdiger“.

Der 20-Jährige vom FC Southampton, der vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) eigentlich für die U21-Nationalmannschaft vorgesehen war, war völlig fassungslos, als Bundestrainer Hansi Flick ihn kürzlich anrief. Wie so viele Neuzugänge erzählt er der Folge auch, dass er nicht einmal die Telefonnummer kannte – er nahm dennoch sowohl den Anruf als auch die Einladung in den Kader für die Nations-League-Duelle gegen Ungarn an diesem Freitag (20.45 Uhr/ZDF) und gegen an England in London (Montag 20.45 Uhr/RTL). „Ich war überrascht, aber auch sehr glücklich darüber“, sagte der Neuling bei der Ankunft im Mannschaftshotel in Gravenbruch am Stadtrand von Frankfurt am Main.

Bella-Kotchap weiß seit langem, dass sein aktueller Vereinscoach Ralph Hasenhüttl als direkter Fürsprecher für Flick agierte. „Von allen meinen Spielern hat er bisher die konstanteste Leistung gezeigt“, berichtete der Österreicher, der dem Bundestrainer nicht von der Berufung abriet, nachdem Flicks Co-Trainer Danny Röhl einen starken Eindruck von dem resoluten Innenverteidiger auf einem Flug gewonnen hatte Besuch bei den „Heiligen“. Seit dem zweiten Spieltag der Premier League hat Bella-Kotchap dort keine mögliche Spielminute verpasst.

Dass der Überraschungsgast, der im Sommer für elf Millionen Euro vom VfL Bochum auf die Insel wechselte, dem DFB viel zu bieten hat, vor allem Kraft und Selbstbewusstsein, zeigte sich schon beim ersten Training auf den Verein Campus. Die fußballbegeisterten Vereinsmitarbeiter staunten, wie dieser wuchtige Verteidiger mit seinen voluminösen Oberschenkeln den flinken Leipziger Stürmer Timo Werner mit einem Zweikampf, den Ikonen wie Karlheinz Förster oder Jürgen Kohler nicht besser hinbekommen hätten, abrupt ausbremste. Aber auch mit dem Ball kommt der 1,90-Meter-Mann gut zurecht, wenn er sich konzentriert.

„Er hat sich gut entwickelt“, sagte Flick über die Berufung des Talents, das erst 22 Bundesliga- und sechs Premier-League-Spiele in seinem Lebenslauf hat. Andere erfahrene Verteidiger wie Jonathan Tah (Bayer Leverkusen) oder Mats Hummels (Borussia Dortmund) blieben außen vor, ihre Chancen auf eine WM-Teilnahme schwinden offensichtlich. Vielmehr deutet vieles darauf hin, dass Flick bei Rüdiger auf Niklas Süle, Nico Schlotterbeck und Matthias Ginter als Innenverteidiger für Katar setzt. Bella Kotchap braucht er wohl auch (noch) nicht, denn auch Thilo Kehrer könnte auf diesen Positionen aushelfen. Spätestens mit Blick auf die Heim-EM 2024 könnte die Zukunft dann aber Profis wie der in Paris geborenen und in Deutschland aufgewachsenen Deutsch-Kamerunerin Bella-Kotchap gehören, deren Vater Cyrille Bella einst spielte 131 Zweitligaspiele für Rot Weiss Ahlen, wo auch sein Sohn spielte, fingen an zu kicken.

2017 kam Bella-Kotchap als B-Jugend in die „Talentarbeit“ des VfL Bochum, wo sich sein damaliger Jugendtrainer Alex Richter noch an einen Jungen erinnert, der zwar schon überragend am Ball war, aber körperliche Defizite offensichtlich waren: „Wir mussten a viel Arbeit an der Stabilität, er war damals noch so etwas wie ein Riesenbaby.“ Auch Hasenhüttl erkannte kürzlich Verbesserungsbedarf, wie Southamptons Teammanager dem Fachmagazin „Kicker“ sagte: „Er hatte einen starken Oberkörper, einen starken Unterkörper . Dazwischen war nichts. Wir haben ihn mit Programm auf Kurs gebracht.« Das Ergebnis ist jetzt auf dem Trainingsgelände in der Schwarzwaldstraße im Frankfurter Stadtteil Niederrad zu sehen, wenn ein Vorzeigesportler seine morgendlichen Runden dreht.



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