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Milliardenthriller bricht aus: Wer beerbt Red-Bull-Patriarch Mateschitz?


Milliarden-Thriller bricht aus
Wer beerbt Red-Bull-Patriarch Mateschitz?

Von Thomas Steinmann und Jannik Tillar

Der Tod von Dieter Mateschitz hinterlässt bei Red Bull ein schwieriges Machtvakuum. Es gibt zwei mögliche Nachfolger: den einzigen Sohn von Mateschitz und den Sohn der thailändischen Mehrheitseigentümer. Beides ist nicht optimal. Interpol sucht einen. Die Zeit wird knapp.

Dietrich Mateschitz war Red Bull – und Red Bull war Dietrich Mateschitz. Der Tod des 78-Jährigen sorgte nicht nur im Unternehmen für Bestürzung, sondern auch in der Sportszene, in die Red Bull seit Jahren kräftig investiert. Mateschitz war der Gründertyp, der bis zum Schluss an der Macht blieb. Einen designierten Nachfolger hat er nicht eingesetzt. Das ist einer der Gründe, warum es jetzt in der Gruppe und im Sport zu Turbulenzen kommt: Niemand weiß, wer Mateschitz an die Spitze folgen wird – und wohin Red Bull steuert.

Allein die Umstände von Mateschitz‘ Tod lassen vermuten, dass es beim Energy-Drink-Hersteller sehr hektisch zugeht: Der Österreicher leidet seit anderthalb Jahren an Bauchspeicheldrüsenkrebs. Allerdings wurde dies nicht offen kommuniziert, wie so vieles über die Person Mateschitz.

Der Unternehmer war extrem medienscheu und trat, wenn überhaupt, bei Sportveranstaltungen wie der Formel 1 auf, wo Red Bull aktiv ist. Was wirklich mit ihm los war, wussten lange Zeit nur die engsten Vertrauten. Doch auch als Mateschitz in den vergangenen Monaten immer mehr an Gewicht verlor und die Krankheit zumindest in Führungskreisen des Unternehmens kein Geheimnis mehr war, wurde offenbar keine klare Regelung für die Nachfolge getroffen.

Mateschitz wollte seinen Sohn großziehen

Nach „Capital“-Informationen flog Ende September ein hochrangiger Red-Bull-Manager nach Thailand, um mit Mateschitz‘ Joint-Venture-Partner, der Familie Yoovidhya, über die Nachfolge zu sprechen. Der mächtige Familienclan, der auf den Erfinder des Getränks Chaleo Yoovidhya zurückgeht, hält derzeit 51 Prozent an der Red Bull GmbH mit Sitz in Fuschl am See. Er muss daher den neuen CEO genehmigen.

Mateschitz hat einen Sohn, der mehrfach öffentlich als möglicher Nachfolger gehandelt wurde. Allerdings ist Mark Mateschitz erst 29 Jahre alt und nicht alle im Unternehmen und unter den Aktionären sind davon überzeugt, dass er der Aufgabe gewachsen wäre. In österreichischen Medien wird bereits spekuliert, dass die Familie lieber einen externen CEO einstellen würde. Klar ist jedenfalls: Die sonst so ruhige Gruppe ist derzeit in Aufruhr.

Dazu passt auch, dass in Österreich seit Wochen über den kritischen Gesundheitszustand von Mateschitz spekuliert wird. Red Bull gab den Tod am 22. Oktober offiziell bekannt. Die Umstände passen zur Zurückhaltung von Red Bull und Mateschitz, deuten aber auch darauf hin, dass alle Seiten noch an einer Lösung für das Unternehmen arbeiten – die es noch nicht gibt.

Mateschitz, der von vielen, die sich mit einer angeblichen Nähe zum Milliardär schmücken wollten, nur „Didi“ genannt wurde – ihm der Name aber absolut nicht gefiel – hätte angeblich gerne seinen Sohn Mark als seinen Nachfolger eingesetzt. Das kommt aus der zweijährigen Beziehung mit der Skilehrerin Anita Gerhardter. Vater und Sohn sollen eine enge Beziehung gehabt haben, obwohl offiziell wenig bekannt ist. Beide traten jedoch gelegentlich gemeinsam bei Sportveranstaltungen auf.

Auf den ersten Blick baute Mateschitz seinen Sohn als Nachfolger ein wenig auf. Mark Mateschitz arbeitete schon früh im Unternehmen und studierte später Betriebswirtschaftslehre. Unklar ist jedoch, wie wichtig die Aufgaben waren, die der Patriarch seinem Sohn übertrug. Wie Red-Bull-Insider berichten, blieb Dietrich Mateschitz bis zuletzt der Machthaber der Gruppe. Mark Mateschitz übernahm die Verantwortung als Vorstand der Familienstiftung „Wings for Life“. Doch ob diese Erfahrung ausreicht, um ein Unternehmen mit 13.600 Mitarbeitern und 7,8 Milliarden Euro Jahresumsatz zu führen, ist fraglich.

Milliardenthriller bricht aus: Wer beerbt Red-Bull-Patriarch Mateschitz?

Vorayuth Yoovidhya, Enkel des Red-Bull-Erfinders Chaleo Yoovidhya, wird nach einem tödlichen Unfall von Interpol gesucht.

(Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS)

Auch die Familie Yoovidhya, Joint-Venture-Partner von Mateschitz und Mehrheitseigentümer von Red Bull, kann keinen natürlichen Nachfolger aus den eigenen Kreisen präsentieren. Interpol sucht seit fast zehn Jahren nach seinem Sohn Vorayuth, weil er 2012 unter Kokaineinfluss einen Polizisten überfahren haben soll und anschließend geflüchtet ist. Der Polizist starb und Vorayuth Yoovidhya hat sich seitdem der thailändischen Justiz entzogen. Aber er taucht immer wieder am Rande von Formel-1-Rennen auf.

Auch wenn es bei Red Bull oft anders läuft als in vielen Großkonzernen und Nähe Teil der Unternehmenskultur ist: Die Eigentümer müssen bald eine Nachfolgelösung für den Mann finden, der Red Bull jahrzehntelang war.

Der Artikel erschien zuerst auf Capital.de.