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Militär: Experte: Russische Offensivfähigkeit in der Ukraine gebrochen


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Experte: Russische Offensivfähigkeit in der Ukraine gebrochen

Kremlchef Wladimir Putin besucht ein militärisches Ausbildungszentrum in der Region Rjasan. Dieses Foto

© Mikhail Klimentyev/Pool Sputnik Kremlin/AP/dpa

Militärexperte Niklas Masuhr erwartet ernsthafte Probleme beim Russlandfeldzug in der Ukraine. Es fehlt an Waffen und Kampfgeist.

Eine desolate Truppenmoral und Waffenmangel werden Russland im kommenden Winter in der Ukraine laut einem Militärexperten vor große Probleme stellen. „Auch ohne ukrainischen Einfluss wird der Winter eine große Herausforderung für die Russen“, sagte Niklas Masuhr, Forscher am renommierten Center for Security Studies der ETH Zürich, der Deutschen Presse-Agentur.

„Für die Russen ist es immer noch eine Frage des Eingrabens über den Winter. Die Truppen sind in einem so schlechten Zustand, dass nicht klar ist, ob sie das schaffen.“

Die Versorgung der Truppen an der Front wird im Winter schwieriger, was die Moral der bereits vor Ort befindlichen Soldaten weiter drückt. „Russlands Angriffsfähigkeit in der Ukraine ist gebrochen, weitere Vorstöße sind unwahrscheinlich“, sagte er. „Russland ist in den Defensivmodus geschaltet.“ Gleichzeitig gibt es keine Anzeichen dafür, dass die jüngste Terrorkampagne mit Raketen- und Drohnenangriffen die Ukrainer eingeschüchtert hat oder ihnen der Schwung ausgeht.

Niedrige Moral unter den russischen Truppen

Er sieht täglich Berichte von mobilisierten russischen Truppen, die sich weigern, in die Schlacht zu ziehen, und von Kommandanten, die Untergebene mit vorgehaltener Waffe an die Front zwingen müssen. Es fehlt der Zusammenhalt in den Verbänden, weil die Truppe inzwischen zusammengewürfelt ist, teils mit Stammsoldaten, teils mit Häftlingen und anderen jungen und alten Wehrpflichtigen. „Mit so einem Flickenteppich kann man sich wehren, aber Offensiven stellen höhere Anforderungen an Training und Zusammenhalt.“

Dass der ukrainische Vormarsch ins Stocken geraten sei, erkläre sich mit der Angriffsstrategie, sagte Masuhr. Die Ukrainer griffen zuerst dort an, wo erschöpfte russische Truppen große Gebiete zu verteidigen hatten. „Je näher man den stärker verteidigten russischen Frontabschnitten kommt, desto langsamer wird das Tempo, um den Feind zu zermürben“, sagte Masuhr. Eine ukrainische Offensive in der Region Cherson im Südosten hält er nicht für aussichtslos. Ein Erfolg dort ist politisch und militärisch wichtig, weil er die russischen Truppen im Süden und Osten trennen und ein neues Vordringen im Süden unmöglich machen würde.

Russland gehen die Waffen aus

Außerdem gingen den Russen die Präzisionswaffen aus. Für die weitere Produktion fehlt ihnen westliche Mikroelektronik, die der Staat nicht in der notwendigen Menge und zu einem erschwinglichen Preis auf dem Schwarzmarkt beschaffen kann. Gleichzeitig stärkten westliche Waffenlieferungen die Ukraine. „Die Leistungskurve geht bei den Ukrainern nach oben und bei den Russen nach unten“, sagte Masuhr.

Er sieht derzeit keine Verhandlungsbasis. Solange Russland am Ziel festhält, die Ukraine zu zerstören, sind Gespräche unmöglich. „So etwas kann nur passieren, wenn Russland akzeptiert, dass die Ukraine weiterbestehen wird.“

dpa

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