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Mehr Starkregen und Schneestürme: So wirkt sich ein eisfreies Polarmeer auf das Festlandwetter aus


Mehr Starkregen und Schneestürme
So beeinflusst ein eisfreies Polarmeer das Festlandwetter

Am Nordpol steigen die Lufttemperaturen etwa doppelt so schnell wie in anderen Teilen der Welt. Diese Erwärmung verändert den Wasserkreislauf in der Region. Die viel stärkere Verdunstung des Wassers hat dort gravierende Auswirkungen auf das Wetter: Starkregen und Schneestürme werden häufiger.

Der Eisrückgang im Arktischen Ozean beeinflusst das Wetter auf dem Festland im Norden: Weil die Luft über dem offenen Ozean mehr Wasser aufnehmen kann, kommt es beispielsweise in Nordsibirien (Russland) häufiger zu Starkregen- und Schneefallereignissen. Das wirkt sich wiederum auf den auftauenden Permafrost aus, aus dem das starke Treibhausgas Methan entweicht. Das sind die Ergebnisse einer Studie einer Gruppe von Wissenschaftlern um Tomonori Sato von der Hokkaido University in Sapporo (Japan). Die Studie wurde im Fachjournal „NPJ Climate and Atmospheric Science“ veröffentlicht.

Packeis in der Barentssee: Starke Schneefälle in Europa wurden bereits mit einer geringen Eisbedeckung in der Barentssee in Verbindung gebracht.

(Foto: picture alliance / blickwinkel/AGAMI/M. Guyt)

Sato und Kollegen verwendeten JRA-55, einen hochwertigen und homogenen Datensatz der Japan Meteorological Agency. Basierend auf diesen Daten simulierten sie die Luftfeuchtigkeit und den Niederschlag in Nordsibirien im Zeitraum 1981 bis 2019. Ergebnis: Je größer die eisfreien Gebiete in den Meeren nördlich von Russland waren, desto mehr Luftfeuchtigkeit wurde nach Sibirien getragen. Zu den Meeresgebieten gehören die Barentssee, die Karasee und die Ostsibirische See. Trotz großer Schwankungen zwischen den einzelnen Jahren war im Herbst tendenziell mehr Schneefall zu verzeichnen – mehr in Westsibirien (westlich des Urals) als in Ostsibirien.

„Wichtig zur Überwachung des Feuchtigkeitstransports“

„Unsere Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung der Überwachung des äquatorialen Feuchtigkeitstransports während der Schneeansammlungssaison, da dies lokale Schneestürme verstärken könnte, wenn die Verdunstung aus dem Arktischen Ozean in naher Zukunft zunimmt“, schreiben die Forscher. In der Nordpolregion steigen die durchschnittlichen Lufttemperaturen etwa doppelt so schnell wie in anderen Regionen der Welt. Ein Grund: Während das helle Packeis die Sonnenstrahlen weitgehend reflektiert, absorbiert der dunkle, eisfreie Ozean mehr Wärmestrahlung der Sonne, wodurch das Eis noch schneller schmilzt.

Im Herbst ist das Wasser im Arktischen Ozean noch relativ warm und die Nordwinde können viel verdunstendes Wasser aufnehmen und auf den eurasischen Kontinent tragen. Mit zunehmender Erderwärmung dürften auch häufiger Niederschläge fallen als Regen. „Extreme Niederschlagsereignisse im Herbst könnten die Vertiefung der Aktivschicht in Permafrostgebieten beschleunigen“, warnen die Forscher. Im Permafrost ist viel Kohlenstoff gespeichert, der beispielsweise beim Auftauen als Methan entweicht, das als Treibhausgas etwa 25-mal stärker ist als Kohlendioxid (CO2).

Weniger Eis in der Barentssee – starker Schneefall in Europa

Satos Team konzentrierte seine Studie auf Sibirien. Eine ausgeprägte südliche Ausdehnung der arktischen Feuchtigkeit findet sich jedoch auch über der Beringstraße und der Region vom Nordosten Kanadas bis zur Baffin Bay, jedoch nicht in Grönland. Frühere Studien haben starke Schneefälle in Europa mit einer niedrigen Eisbedeckung in der nordöstlichen Barentssee in Verbindung gebracht.

Die Forscher empfehlen, dass sich zukünftige Studien mit der Verknüpfung von Änderungen in der Verdunstung, dem Feuchtigkeitstransport und der Sturmbahn entlang der Küstenregionen des Arktischen Ozeans befassen sollten. „Die Überwachung des arktischen Feuchtigkeitsverhaltens sollte für Studien im Zusammenhang mit schweren Schneestürmen in Regionen rund um den Arktischen Ozean wichtig sein, da der Feuchtigkeitstransport nach Süden wahrscheinlich mit Kaltluftausbrüchen aus der polaren Luftmasse verbunden ist“, schreiben sie.

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