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Lieferung von Kampfpanzern: Wie der „Leopard“ in die Ukraine kommt


Stand: 25.01.2023 14:58 Uhr

Deutschland hat den Weg für „Leopard“-Panzer frei gemacht. In einem internationalen Bündnis wird der moderne Kampfpanzer in die Ukraine geliefert. Jetzt stellen sich ganz praktische Fragen – ein Überblick.

die Ausgangssituation

Nach wochenlangen politischen Debatten, Beratungen und internen Verhandlungen mit den Nato-Verbündeten liefert Deutschland jetzt Kampfpanzer vom Typ Leopard 2 an die von Russland angegriffene Ukraine. Außerdem erteilt die Bundesregierung anderen Staaten die Erlaubnis, eigene „Leopard“-Panzer zu liefern. Die Ankündigung kam als trockene Pressemitteilung über Regierungssprecher Steffen Hebestreit. Bundeskanzler Olaf Scholz hatte zuvor das Kabinett informiert. Der Schritt erfolgt in Abstimmung mit europäischen und internationalen Partnern.

Einen Alleingang Deutschlands hatte Scholz in der Kampfpanzer-Hauptdebatte stets ausgeschlossen und vor allem auf den Anschluss an die USA gedrängt. Offenbar haben sich die USA nun auch bereit erklärt, Kampfpanzer vom Typ „Abrams“ in die Ukraine zu liefern. Die USA hatten dies zunächst abgelehnt. International, aber auch innerhalb der Ampelregierung, war der Kanzler wegen seines langen Zögerns zunehmend unter Druck geraten, so Kritiker. Die Ukraine fordert seit langem Kampfpanzer nach westlichem Vorbild: Kiews erster offizieller Antrag an die Bundesregierung erfolgte nur eine Woche nach Kriegsbeginn Anfang März vergangenen Jahres.

Mit der Lieferung moderner Kampfpanzer „Leopard“ hat die deutsche Militärhilfe für die Ukraine eine neue Qualität erhalten. Deutschland ist bereits jetzt einer der größten Unterstützer – hier ein Überblick über die bisher geleistete Militärhilfe.

Wie viele „Leoparden“ liefert Deutschland?

Deutschland liefert „in einem ersten Schritt“ eine Kompanie mit 14 Kampfpanzern vom Typ Leopard 2 A6 in die Ukraine – innerhalb der nächsten drei Monate. Diese stammen aus den Beständen der Bundeswehr. In einem zweiten Schritt soll nach Angaben von Verteidigungsminister Boris Pistorius ein zweites Bataillon aus älteren Leopard-Panzern gebildet werden. Das Support-Paket beinhaltet „neben Schulungen auch Logistik, Munition und Systemwartung“.

Was kommt aus den USA?

Es wird erwartet, dass auch die Panzerpläne der USA in naher Zukunft konkreter werden. US-Medien zufolge wollen die Amerikaner der Ukraine rund 30 M1-Abrams-Panzer liefern. Laut der Washington Post kann es jedoch Monate, wenn nicht Jahre dauern, bis die Abrams-Panzer im Krieg zum Einsatz kommen. Es ist unwahrscheinlich, dass die Fahrzeuge im Frühjahr in der Ukraine eintreffen, wenn eine Offensive Russlands oder eine Gegenoffensive der Ukraine zur Rückeroberung der von Russland besetzten Gebiete erwartet wird, so die Zeitung.

Bisher hatten die USA betont, dass sie einen „Abrams“-Einsatz aus praktischen Gründen nicht für sinnvoll hielten. Der Panzer sei zu teuer, bedürfe einer umfangreichen Ausbildung, sei schwierig zu warten und verbrauche mit seinem Turbinenantrieb viel Treibstoff, argumentierte US-Verteidigungsminister Colin Kahl.

Der „Abrams“ des Rüstungskonzerns General Dynamics gilt in seiner neuesten Version als einer der modernsten Panzer der Welt. Der 1500-PS-Turbinenmotor verleiht dem Panzer eine Höchstgeschwindigkeit von 68 km/h, und die Hauptwaffe ist eine 120-mm-Kanone. Allerdings ist der Tank mit einem Gewicht von knapp 67 Tonnen sehr schwer und schluckt Unmengen an Treibstoff – nämlich den Flugbenzin Kerosin. Der „Leopard“ und viele Gefährten der Ukrainer geben sich mit Diesel zufrieden.

Und wer will Kampfpanzer liefern?

Von den 14 europäischen Ländern, die über „Leopard“-Panzer verfügen, haben neben Polen auch Finnland und die Niederlande ihre Bereitschaft zur Lieferung von Kampfpanzern erklärt. Tschechien hingegen kündigte kürzlich an, zugunsten der Ukraine nicht auf die von Deutschland im Zuge eines Ringtauschs zugesagten Kampfpanzer „Leopard 2“ verzichten zu wollen.

Großbritannien hat bereits 14 „Challenger“-Panzer zugesagt. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron schloss die Lieferung der französischen Kampfpanzer „Leclerc“ nicht aus.

Ziel sei es, schnell zwei Panzerbataillone mit „Leopard 2“-Panzern für die Ukraine in einem breiten Netz zusammenzustellen, teilte die Bundesregierung mit. Ein voll ausgerüstetes Panzerbataillon der Bundeswehr hat normalerweise 44 Kampfpanzer. ARD-Korrespondent Stephan Stuchlik sagte, es gehe um eine ganze Logistikkette. „Alle Tanks müssen gemeinsam geliefert und gewartet werden.“ Dass es eine ganze Reihe unterschiedlicher „Leopard 2“-Modelle gibt, dürfte Training, Wartung und Ersatzteilbeschaffung zusätzlich erschweren.

Leopard-Panzer: Entscheidung zur Lieferung in die Ukraine

25.01.2023 12:08 Uhr

Wie sieht es mit der Ausbildung ukrainischer Soldaten aus?

In wenigen Tagen soll die Ausbildung der ukrainischen Besatzungen beginnen. Dafür ist laut Bundesverteidigungsministerium nur eine kurze Vorbereitungszeit notwendig. Bis Ende des Quartals soll die Ukraine die Hauptkampfpanzer einsetzen können. Die Ausbildung auf dem „Leopard“ dauert den Angaben zufolge etwa so lange wie auf dem Schützenpanzer „Marder“ – damals war von etwa acht Wochen die Rede.

Laut Militärexperte Ralf Raths ist die Ausbildung gar nicht so schwer, wie allgemein behauptet wird. „Für die Ukrainer ist das eine grundlegende Umstellung, denn die Besatzung würde jetzt aus vier statt drei Personen bestehen. Ein Ladeschütze kommt hinzu. Man muss die Abläufe lernen. Aber das ist kein Hexenwerk“, sagte der Direktor des Deutschen Panzermuseums in Münster im Interview mit tagesschau.de.

Ukrainer werden bereits in verschiedenen Nato-Staaten an militärischem Gerät ausgebildet, zum Beispiel in Deutschland auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr und der Artillerieschule in Idar-Oberstein. Auch das Training auf dem versprochenen „Marder“ ist geplant bzw. hat begonnen.

Was kann der „Leopard“?

Die Bundeswehr bezeichnet den „Leopard 2“ als „Raubtier auf Ketten“ und setzt den Kampfpanzer seit 1979 in verschiedenen Varianten ein. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone erlaubt die neueste Variante vier Soldaten an Bord, Ziele auf eine Entfernung von bis zu 1,5 km zu treffen bis zu 5000 Meter kämpfen.

Im Laufe der Jahre wurden die vom Rüstungskonzern Krauss-Maffei Wegmann entwickelten Kettenfahrzeuge immer dicker gepanzert. Die aktuelle, rund 64 Tonnen schwere A7V-Version erreicht mit 1500-PS-Dieselmotoren eine Höchstgeschwindigkeit von 63 Stundenkilometern. Die Bundeswehr soll in den nächsten drei Jahren insgesamt 104 Exemplare des „Leopard 2 A7V“ erhalten. Ältere Panzer werden ausgemustert oder an andere Länder abgegeben. Dazu gehören Modelle vom Typ A4 oder der Vorgängergeneration „Leopard 1“.

Laut dem Jahresbericht „Military Balance 2022“ des International Institute for Strategic Studies verfügt Deutschland über mehr als 300 Leopard 2-Panzer: 225 Stück der A5/A6-Serie und 59 der A7/A7V-Serie. 55 Leopard 2 A4 sind gelagert.

Warum sind die „Leoparden“ so wichtig für Kiew?

Die Frontlinie in der Ostukraine hat sich seit Wochen kaum bewegt. Mit den Kampfpanzern hofft die Ukraine nun, wieder in die Offensive zu gehen und mehr Territorium zurückzuerobern. Gleichzeitig wird für das Frühjahr eine Offensive Russlands befürchtet.

Wie ist die Stimmung in der Bevölkerung in Deutschland?

Ein Grund für die zögerliche Haltung des Kanzlers war die Angst vor einer weiteren Eskalation des Krieges. Auch deshalb wehrte sich Scholz gegen einen nationalen Alleingang. Viele Menschen in Deutschland teilen die Sorge, in den Krieg hineingezogen zu werden.

Deutschland müsse bei der Unterstützung der Ukraine immer deutlich machen, „dass wir gleichzeitig verhindern, dass der Krieg zu einem Krieg zwischen Russland und der Nato eskaliert“, sagte Bundeskanzler Scholz im Bundestag.

Nach DeutschlandTrend für die ARD-Morgenmagazin Seit vergangenem Donnerstag ist die Lieferung von „Leopard“-Panzern an die Ukraine umstritten. 46 Prozent der Befragten sind dafür, fast ebenso viele dagegen (43 Prozent). Die restlichen elf Prozent können oder wollen sich nicht festlegen.

Kann die Bundeswehr überhaupt auf den „Leopard“ verzichten?

Nach Angaben des Vorsitzenden des Bundeswehrverbandes, André Wüstner, wird die Einsatzbereitschaft der Bundeswehr durch die erwartete „Leopard“-Lieferung aus Deutschland in die Ukraine weiter geschwächt. Die Lieferung sei „einerseits gut für die Ukraine, andererseits schlecht für die Einsatzbereitschaft der Bundeswehr“, sagte Wüstner ZDF. „Seit Februar verschenken wir weiterhin Waffengeräte und Munition.“ Die Politik trage auch Verantwortung für die Landes- und Bündnisverteidigung, sagte Wüstner.

Der Wehrbeauftragte forderte eine schnelle Neubesetzung der Bundeswehr. Die Soldaten „erwarten, dass das übergebene Material schnell wiederbeschafft und mit dem Sondervermögen die eigene Einsatzbereitschaft verbessert wird“, sagte der SPD-Politiker den Zeitungen der Funke Mediengruppe. „Es geht jetzt darum, sofort neue Panzer, Artillerie, Munition zu bestellen und die Reparatur von Großgeräten zu beschleunigen.“