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LGBTIQ+ in Afghanistan: Bundesregierung genehmigt Aufnahme



Exklusiv

Stand: 28.10.2022 17:08 Uhr

Sie wurden von den Taliban verfolgt, gefoltert und lebten monatelang im Versteck. Jetzt dürfen noch 25 homosexuelle und transsexuelle Afghanen nach Deutschland einreisen. Bisher hatten sie kaum eine Chance auf Zulassung.

Von Andrea Brack-Pena, NDR

Die Bundesregierung hat 25 homosexuellen und transsexuellen Afghanen eine Aufnahme im Rahmen des Brückenprogramms gegeben. Der afghanische Aktivist Ali Tawakoli hatte zuvor zusammen mit dem queeren Verein „Rat und Tat“ aus Bremen 200 Anträge auf humanitäre Visa beim Auswärtigen Amt gestellt, aber keine Antwort erhalten.

Das Auswärtige Amt habe sich letzte Woche gemeldet, berichtet Jörg Hutter von „Rat und Tat“: „Plötzlich bekamen wir eine Mail vom Auswärtigen Amt. Wir waren sehr überrascht“, sagt Hutter. Darin: die Aufnahmeverpflichtungen für 25 LGBTIQ+ AktivistInnen (lesbisch, schwul/schwul, bisexuell, transgender, intersexuell und queer) und auch transgender Menschen.

Kriterien offenbar erweitert

Dies ist eine Neuheit. Bislang war das Kriterium der Bundesregierung für die Erteilung von humanitären Visa die Entblößung, also die Tatsache, dass Menschen aufgrund ihrer Aktivitäten von den Taliban besonders verfolgt wurden. Darunter waren lokale Kräfte der Bundeswehr und anderer Organisationen, aber auch Aktivisten wie Ali Tawakoli. Bisher haben Transsexuelle keine Chance, akzeptiert zu werden.

Das Auswärtige Amt bestätigt die Zusagen nicht und weist darauf hin, dass es keine Berichte über den Bearbeitungsstand von Anträgen gebe, räumt aber ein, dass das öffentliche Engagement als LGBTI-Verteidiger in Afghanistan schon vor der Machtübernahme der Taliban sehr schwierig gewesen sei der Begriff des Engagements wurde weit ausgelegt und öffentliche Auftritte als LGBTI-Person wurden bereits als eine Form des Engagements gewertet.

Der Aktivist Tawakoli hatte sich für die Verfolgten eingesetzt.

Bild: Andrea Brack Pena

Gefahr von Folter und Tod

Laut Ali Tawakoli wurden Transgender-Personen mit sehr weiblichen Zügen wegen ihres Aussehens von den Taliban besonders verfolgt. „Sie waren leicht zu erkennen“, sagt Tawakoli. Ihnen wurde mit Folter und sogar Hinrichtung gedroht. Deshalb setze er sich seit Monaten dafür ein, dass gerade diese Menschen so schnell wie möglich aus Afghanistan herauskommen, sagt der 30-Jährige.

Mit dem neuen Aufnahmeprogramm der Bundesregierung gilt dies künftig für alle verfolgten queeren Afghanen. Sie gehören jetzt zu den gefährdeten Gruppen, wie lokale Arbeiter oder Aktivisten.

Für die 25 LGBTIQ+ Afghanen beginnt nun eine riskante neue Etappe. Sie müssen es sicher aus Afghanistan in eines der Nachbarländer schaffen. Erst von dort aus können sie nach Deutschland geflogen werden. Das kann Monate dauern.

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