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Deutschland Nachrichten

Ladestationen für Elektroautos: „Ausbaugeschwindigkeit soll verfünffacht werden“

Ladestationen für Elektroautos
„Die Expansionsgeschwindigkeit soll verfünffacht werden“

Von Martin Schmitz

Die Deutschen sollen auf emissionsfreie Autos umsteigen, aber die Elektromobilität kommt bisher nur langsam voran. Noch gibt es viel zu wenige öffentliche Ladestationen. Wie weit klaffen politischer Wunsch und Wirklichkeit auseinander?

Die Europäische Union verabschiedet sich vom Verbrennungsmotor: Ab 2035 dürfen Fahrzeughersteller in den EU-Mitgliedsstaaten keine Autos mehr mit klima- und umweltschädlichen Diesel- und Benzinmotoren verkaufen. Unklar bleibt, welche alternativen Antriebsarten neben den klassischen Verbrennungsmotoren noch zugelassen bleiben. Sicher ist jedoch, dass elektrisch betriebene E-Autos die neuen europäischen Anforderungen voll erfüllen.

In Deutschland nimmt der Absatz von E-Autos langsam Fahrt auf: Der Marktanteil reiner Elektrofahrzeuge hat sich in den vergangenen fünf Jahren von niedrigem Niveau aus vervielfacht. Zu E-Autos zählen laut Elektromobilitätsgesetz (EmoG) nicht nur rein elektrisch angetriebene Autos, sondern auch sogenannte Plug-in-Hybride, die sowohl mit Kraftstoff als auch mit Strom fahren. Im vergangenen Jahr erreichte der kombinierte Anteil von Autos mit Ladekabel am deutschen Pkw-Bestand erstmals mehr als zwei Prozent.

Noch immer verbrennt die überwiegende Mehrheit der Pkw auf deutschen Straßen Benzin oder Diesel. Bundesverkehrsminister Volker Wissing hat ein ambitioniertes Programm zum Ausbau der deutschen Ladeinfrastruktur angekündigt, damit mehr Menschen auf Elektroautos umsteigen.

Bis 2030 sollen in Deutschland insgesamt eine Million öffentlich zugängliche Ladepunkte zur Verfügung stehen. Das Laden, heißt es, soll dann so einfach wie das Tanken sein. Aktuelle Zahlen zeigen jedoch, dass der Ausbau von Ladestationen noch weit hinter dem Ziel zurückbleibt.

Wunsch und Wirklichkeit liegen weit auseinander

Jährlich wurden in Deutschland zuletzt mehr als zehntausend neue Ladepunkte in Betrieb genommen. Ende 2021 waren 57.912 Lademöglichkeiten installiert. Bis September dieses Jahres zählte die Bundesnetzagentur bundesweit 68.275 betriebsbereite Ladepunkte. Um das Ziel der Bundesregierung zu erreichen, müsste der Ausbau aber deutlich schneller gehen. Bis 2030 sind es nur noch sieben Jahre.

„Der Ausbau der Ladeinfrastruktur für E-Fahrzeuge ist eine der vordringlichsten Infrastrukturaufgaben für Deutschland. Dennoch passiert beim Ausbau viel zu wenig“, kritisiert der Verband der Automobilindustrie. „Das Expansionstempo in den vergangenen zwölf Monaten soll mehr als verfünffacht werden. Deutschland hat großen Nachholbedarf.“

Eine Studie der Unternehmensberatung Roland Berger legt nahe, dass Deutschland eine kritische Phase der Mobilitätswende erreicht hat. In dieser Phase können sich Verbraucher zunehmend reichweitenstarke E-Autos leisten, doch die Ladeinfrastruktur reicht für die Versorgung nicht aus. „Was in den letzten Jahren vor allem an der notwendigen Flotte von E-Fahrzeugen gefehlt hat, die privaten Unternehmen den Anreiz bietet, die Ladeinfrastruktur aufzubauen“, erklärt Unternehmensberater Jan-Philipp Hasenberg. „Diese Beziehung, die manchmal als Henne-Ei-Problem bezeichnet wird, löst sich nun zunehmend auf.“

Stau an den Ladestationen? Die aktuellen Daten des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) und der Bundesnetzagentur zum Pkw-Bestand und zur Versorgung mit E-Ladestationen deuten nicht auf eine schnelle Entspannung hin, im Gegenteil: Nach offiziellen Angaben gab es 11,6 Ladevorgänge Ladestationen für 100 E-Autos im Jahr 2017. Da die E-Flotte schneller wächst als das Angebot an Ladestationen, standen Anfang 2022 nur 4,9 öffentliche Ladestationen je 100 E-Autos zur Verfügung schlechter werden.

Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer hält solche Vergleichsrechnungen allerdings für wenig sinnvoll. „Die Schnellladestationen an den Autobahnen sind schon da, und leider sind sie oft leer“, sagt der Leiter des CAR-Instituts in Duisburg. Wichtiger sei laut Dudenhöffer, dass es in Städten wie München und Berlin gute Versorgungskonzepte für die stark frequentierten Zentren gebe. Auf dem Land hingegen könnte man problemlos eine Heimladestation, eine sogenannte Wallbox, für sein Elektroauto auf dem eigenen Grundstück aufstellen.

Verbände fordern den Abbau von Hürden

Dudenhöffer kritisiert auch, dass die Bundesregierung plant, die Kaufprämie für Elektroautos zu begrenzen. Er warnt vor schwerwiegenden Folgen. „Dann werden auch Investoren und Unternehmen überlegen, ob sie noch Ladestationen bauen wollen. Ohne E-Autos machen Ladestationen wenig Spaß.“

Die Förderung von E-Autos und der Ausbau von Ladestationen müssten daher zusammenkommen, betont der Brancheninsider. Neben dem Anschaffungspreis und der Reichweite dürften beim Umstieg vom Verbrenner zum Elektroauto auch psychologische Faktoren eine Rolle spielen. Laut einer Auswertung des Energiewendebarometers der staatlichen Förderbank KfW wirkt unzureichende öffentliche Ladeinfrastruktur auf die Hälfte der deutschen Autokäufer abschreckend. Tatsächlich ist die Versorgungslage in den Bundesländern sehr unterschiedlich, wie ein Blick auf die Karte mit den aktuellen KBA-Daten in Relation zur Einwohnerzahl zeigt.

„Laut einer Umfrage vom November 2021 sind immer noch knapp 40 Prozent der Elektroautofahrer mit der Ladesituation auf langen Strecken nicht sonderlich zufrieden“, so der ADAC. Kritikpunkte sind daher auch zu hohe Preise und langsames Laden. „Andererseits machen sich nur 23 Prozent der Elektroautofahrer Sorgen, die nächste Schnellladestation nicht rechtzeitig erreichen zu können.“ Marktbeobachter Dudenhöffer glaubt, dass viele Deutsche derzeit vor allem über Miete, Leasing und Auto-Abos eigene Fahr- und Ladeerfahrungen sammeln. Dies könnte durchaus dazu beitragen, etwaige Bedenken zu zerstreuen.

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) fordert von der Bundesregierung ein ganzheitliches Konzept, wie Deutschland die große Verkehrswende mit Hilfe der Elektromobilität umsetzen soll – „von der Steuergesetzgebung hin zu ambitionierteren CO2-Flottengrenzwerten für neu zugelassene Autos bis hin zur Nutzung des öffentlichen Raums.“ Dementsprechend sollte der Bund auch die eigenen Flächen für Ladeinfrastruktur besser zugänglich machen. Langwierige Ausschreibungsverfahren würden zeigen, dass der Staat derzeit „den Ausbau des Ladeangebots nicht schneller, besser oder billiger mache“.

Letztlich dürften die Gründe, warum die Mehrheit der Autofahrer der Elektromobilität skeptisch gegenübersteht, sehr vielschichtig sein. Kosten, Risiken und Nutzen von Verbrennungsmotoren sind hinlänglich bekannt, doch bei Elektroantrieben scheint vieles noch ungewohnt. Automobil- und Energieverbände sehen den Ausbau von Ladestationen als wichtigen Baustein der Mobilitätswende für den Schritt zur Alltagstauglichkeit. Mehr Speed ​​im Ausbau könnte ein Anfang sein – für die nötigen Lade- und Berührungspunkte.

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