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Kroatiens Superstar Luka Modric auf seiner letzten Gala-Tournee |  Sport |  DW


Keine Tätowierungen. Keine Klatschgeschichten. Kein geliertes Haar. Stattdessen altmodischer Mittelscheitel. Still. Im modernen Fußball wirkt Luka Modric veraltet. Der 1,72 Meter kleine Kapitän der kroatischen Nationalmannschaft ist schüchtern, redet nicht gern, er mag keine Pressekonferenzen und Interviews. Abseits des Platzes zieht es der Weltfußballer von 2018 vor, nicht aufzufallen.

Auf dem Feld hingegen ist der Mittelfeldstratege der Boss – vor allem in großen Spielen. Bei der WM in Russland führte er als bester Spieler des Turniers die Kroaten sensationell ins Finale, wo sie gegen Frankreich verloren. Jetzt steht Kroatien nach dem Elfmeter-Krimi gegen Brasilien wieder im Halbfinale. „Luka hat 120 Minuten lang einen tollen Rhythmus hingelegt, er ist der Schlüssel zum Sieg“, schwärmte Trainer Zlatko Dalic nach dem 4:2 im Elfmeterschießen: „Einige hatten ihn vor der WM abgeschrieben, aber er hat es allen gezeigt.“ Dies gilt jedoch generell für die Vatreni, denen Überalterung vorgeworfen wird.

Kroatische Effizienz

Auch Modric betonte nach dem Brasilien-Putsch: „Wir wurden fast geschlagen, alle haben uns für tot erklärt. Aber wir haben gezeigt, dass wir niemals aufgeben, dass unser Glaube enorm ist.“ Modric ist ein starker Läufer, ständig in Bewegung. Läuft vorwärts und rückwärts, dribbelt und scheut keinen Zweikampf, übernimmt Verantwortung. Modric ist Kämpfer und Techniker zugleich. Sein Markenzeichen: die giftigen Außenspannpässe. Gerne über 30 bis 40 Meter.

Modric ist trotz seiner Größe überraschend stark im Eins-gegen-Eins, glänzt mit filigranem Ballhandling und hervorragender Übersicht. So folgte er Brasiliens Sechser Casemiro auf Schritt und Tritt, störte das Aufbauspiel des Top-Favoriten und kontrollierte gleichzeitig das der Kroaten. Stuttgarts Borna Sosa adelte seinen Kapitän als einen der „fünf besten Mittelfeldspieler der Geschichte“. Modric lebe „für den Fußball“, fügte Dalic hinzu: „Seine Professionalität und Ernsthaftigkeit sind der Schlüssel.“

Luka Modric (r.) setzte sich im Viertelfinale mit Kroatien gegen den Brasilianer von Neymar (l.) durch.

Und damit das kleine Kroatien erneut im Halbfinale steht, hat es bei sechs Teilnahmen bereits dreimal geschafft. Die Elfmeterbilanz ist tadellos: Die Kroaten haben vier von vier Elfmeterschießen bei Weltmeisterschaften gewonnen. Und das trotz der minimalen Ausbeute: Sie gewannen in Katar nach 90 Minuten nur ein Spiel, führten nie mit 1:0.

Bereits bei der WM in Russland trafen Argentinien und Kroatien aufeinander, als sich Kroatien in der Gruppenphase mit 3:0 durchsetzte. Einer der Torschützen damals: Luka Modric. Diesmal ist es seine letzte Chance, seine Karriere mit dem WM-Titel zu krönen. Mit 160 Spielen ist Modric Kroatiens Rekordnationalspieler. Fünfmal hat er die Champions League gewonnen. Bei Real spielt er noch immer eine zentrale Rolle – auch im stolzen Alter von 37 Jahren als Fußballer.

Modric wegen Steuerhinterziehung verurteilt

In seinem Leben lief nicht immer alles glatt, daheim in Kroatien wird er längst nicht von allen bewundert – vor allem wegen seiner zwielichtigen Verbindungen zu den Machthabern des kroatischen Fußballs, den Brüdern Zdravko und Zoran Mamic. Auch vor Gericht kam es zu merkwürdigen Auftritten. 2018 wurde Modric schließlich wegen Steuerhinterziehung zu einer hohen Geldstrafe und einer achtmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt.

Kroatiens Superstar Luka Modric auf seiner letzten Gala-Tournee |  Sport |  DW

2018 standen die Kroaten um Luka Modric im WM-Finale.

„Der Krieg und das Leben in den Flüchtlingslagern haben mich hart gemacht“, sagte Modric, der mit Beginn des Krieges in Kroatien 1991 sein Heimatdorf mit seiner Familie verlassen musste. Hart genug, um die Konkurrenz bei Real Madrid zu bestehen. „El Pony“, wie ihn seine Teamkollegen nennen, hat sowohl in der „Königlichen“ als auch in der Nationalmannschaft die Nummer 10 – die Anerkennung seiner Leistungen. Aus diesem Grund wird er in Kroatien und Spanien verehrt. Alles andere wird auf dem Platz vergessen, vor allem wenn es um Titel geht.

„Wir brauchen vor niemandem Angst zu haben“, erklärte Abwehrspieler Josip Juranovic selbstbewusst vor dem Spiel gegen Argentinien. Auch nicht in Argentinien. „Das Halbfinale ist noch nicht das Ende“, erklärte Trainer Zlatko Dalic: „Wir können noch viel erreichen.“ Vor allem mit einem Luka Modric in Topform.