Kretschmer will eine „40-Stunden-Woche für alle“

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Arbeiten die Deutschen zu viel – oder zu wenig? Sachsens CDU-Ministerpräsident Michael Kretschmer spricht sich gegen die 35-Stunden-Woche aus.

Frankfurt – Forderungen nach einer 35-Stunden-Woche werden bei manchen Parteien immer lauter. Aber nicht so in der CDU. Der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer hat sich in einem Interview entschieden für die 40-Stunden-Woche und gegen Teilzeitarbeit ausgesprochen.

Kretschmer zur 35-Stunden-Woche: „Führt zum Staatsbankrott“

„Wir können nicht mehr Geld ausgeben, als wir haben“, sagte Kretschmer Handelsblatt. „Eine solche Politik führt zum Staatsbankrott. Wir müssen dafür sorgen, dass wir mit Wachstum und Vollbeschäftigung aus der Krise kommen – für mich bedeutet das eine 40-Stunden-Woche für alle. Dann geht es relativ schnell.“ Ein Unternehmer forderte kürzlich, dass jeder, der 40 Stunden pro Woche arbeitet, keine Steuern zahlen soll.

Ministerpräsident Michael Kretschmer
Michael Kretschmer (CDU), Ministerpräsident von Sachsen. © Robert Michael/dpa

Das Recht auf Teilzeitarbeit gibt es seit seiner Einführung durch die rot-grüne Bundesregierung im Jahr 2001. Dies sei laut Kretschmer „ein Fehler“ gewesen. Teilzeitarbeit hätte nicht zu einer gesetzlich garantierten Regel werden dürfen. „Teilzeit ist die Ausnahme, nicht die Regel. Nur so kann der Wohlstand Deutschlands erhalten bleiben. Und diese besteht aus ganz grundlegenden Gütern: einem kostenlosen Studium, einem hohen Maß an innerer Sicherheit, einer Rentenversicherung, einer Krankenversicherung und einer Pflegeversicherung.

Saskia Esken (SPD) hatte sich jüngst für eine Vier-Tage-Woche bei vollem Lohnausgleich ausgesprochen. „Es wird immer deutlicher, dass Schichtarbeit, zu viele Überstunden, zu viele temporäre Schichten Menschen krank machen können“, sagte sie. Wenn Menschen arbeitsunfähig wären, würde niemand bedient werden. Auch Grüne und Linke befürworten im Gegensatz zur FDP die Vier-Tage-Woche.

Die Deutschen wollen immer kürzere Arbeitszeiten

Laut einer Studie wünschen sich nicht nur junge Menschen in Deutschland immer kürzere Arbeitszeiten. Wie das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) am 2. Mai mitteilte, würden sich Männer und Frauen über mehr Freizeit freuen – unabhängig von ihrem Alter. Den Forschern zufolge gefährdet dies den Wohlstand hierzulande. Die Politik muss daher längere Arbeitszeiten durch Anreize fördern. Ein Milliardär forderte kürzlich, dass junge Menschen 70 Stunden pro Woche arbeiten sollten.

Die IW-Zahlen aus dem Jahr 2021 zeigen, dass Beschäftigte über 40 rund 32 Stunden weniger Arbeitszeit wünschen als jüngere Gruppen. Den Angaben zufolge lag der Durchschnitt bei den unter 25-Jährigen bei 35 Stunden, während die 26- bis 40-Jährigen im Jahr 2021 knapp 34 Stunden arbeiten wollten.

IW: „Deutschland kann es sich nicht leisten, die Arbeitszeit zu verkürzen“

„Das ist problematisch, weil Deutschland enorm altert“, erklärte das IW. In den nächsten Jahren erreichten deutlich mehr Menschen das Rentenalter als jüngere Menschen. Es ist fraglich, ob ausländische Arbeitskräfte diese Lücke schließen könnten. „Diese Entwicklung gefährdet unseren Wohlstand. „Deutschland kann es sich nicht leisten, die Arbeitszeit zu verkürzen“, warnte Holger Schäfer vom IW. Eine IAB-Studie zeigte kürzlich, dass Wünsche und Realität bei der Arbeitszeit auseinandergehen.

Allerdings arbeiten die Menschen in Deutschland nicht weniger, sondern mehr. Im vergangenen Jahr haben die Bürger mehr gearbeitet als je zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik. Wie das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) im April mitteilte, lag die Arbeitszeit im Jahr 2023 mit insgesamt 55 Milliarden geleisteten Arbeitsstunden auf einem Allzeithoch.

Im Jahr 2023 werden die Deutschen mehr arbeiten als je zuvor – mit weniger Arbeitszeit

Gleichzeitig sank die durchschnittliche Wochenarbeitszeit auf rund 36,5 Stunden – rund 2,5 Stunden weniger als 1991. Die sinkende Wochenarbeitszeit werde dadurch ausgeglichen, dass immer mehr Frauen erwerbstätig seien, erklärte das DIW.

Demnach stieg die Beschäftigungsquote zwischen 1991 und 2022 um 16 Prozentpunkte auf 73 Prozent. Während die Erwerbsbeteiligung von Frauen stark gestiegen sei, scheine sich die Verteilung der Haushaltsaufgaben in den beiden betrachteten Jahrzehnten kaum verändert zu haben, erklärten die Forscher. Frauen verbrachten dort immer noch deutlich mehr Zeit als Männer. (cgsc mit afp)

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