Wirtschaft und Börse

Kommentar zur Fed-Zinserhöhung – Schmerzhaft, aber keine alternative Geldpolitik


Der Vorsitzende der Federal Reserve (Fed), Jerome Powell (IMAGO/Xinhua/Alexander Norton)

Die Fed ist die mächtigste Zentralbank der Welt und gibt nun das Tempo im Kampf gegen die Inflation vor. Im Eiltempo hoben die amerikanischen Währungshüter den Leitzins, der vor einem halben Jahr bei fast null lag, auf über 3 Prozent an, den höchsten Stand seit 14 Jahren – und damit nicht genug, bis 2024 dürften weitere deutliche Zinserhöhungen folgen .

Nicht nur die Fed, sondern auch die europäischen Zentralbanken, seit Juli auch die EZB, befinden sich im Kampfmodus. In Großbritannien, Norwegen und sogar der Schweiz wurden nun die Zinsen angezogen – in der Hoffnung, die rasant steigenden Preise in den Griff zu bekommen und auf die Gefahr hin, die durch die Energiekrise geschwächte Wirtschaft weiter zu bremsen.

Ein zweischneidiges Schwert, das die Notenbanken derzeit führen und doch keine andere Wahl haben. Ein Ende der Inflation ist nicht in Sicht. Ohne Russland dürfte Energie teuer bleiben, und Lieferketten, die die Material- und Produktionskosten in die Höhe treiben, sind weiterhin gestört. Dies gilt insbesondere für den Euroraum und für Deutschland, wo Unternehmen und Haushalte die Folgen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine durch höhere Gas-, Öl- und Strompreise direkt zu spüren bekommen, die Erzeugerpreise derzeit durch die Decke schießen und die Kaufkraft sinkt bereits merklich rückläufig. Auch weil Hilfspakete der Politik auf sich warten lassen.

Im Vertrauen auf ihre eigenen Prognosen hat die EZB zu lange tatenlos zugesehen, wie die Preise steigen. Jetzt steht sie unter Druck und hat keine andere Wahl, als dem brutalen Zinserhöhungszyklus der Fed zu folgen. Nicht nur, weil der immer stärker werdende Dollar die Rohstoffe im Euroraum verteuert, sondern auch, um als Hüter der Preisstabilität wieder an Glaubwürdigkeit zu gewinnen.

Die EZB-Präsidentin versprach diese Woche, dass sie ein dauerhaftes Inflationsproblem nicht zulassen werde, wohl wissend, dass ihre radikalen Zinsmanöver im Kielwasser der Fed Wachstum kosten könnten. Und auch wenn es keine schnelle Erfolgsgarantie gibt, weil die Geldpolitik mit erheblicher Verzögerung greift und die EZB das eigentliche Problem, den Energie- und Materialmangel, nicht beseitigen kann, ist diese Feststellung überfällig.

Schon allein, um die Souveränität über die Inflationserwartungen der Bürger Europas zurückzugewinnen. Nur so kann verhindert werden, dass Inflationsängste eine Eigendynamik entwickeln, die letztlich der Wirtschaft langfristig schaden würde.

Eva Bahner, Fachbereich Volkswirtschaft, Funkhaus Köln, 27.06.2019

Eva Bahner wurde 1973 in Baden-Württemberg geboren. Sie studierte Wirtschaftswissenschaften in Tübingen und Boston, absolvierte anschließend ein Volontariat in der Wirtschaftsredaktion von n-tv und an der Georg-von-Holtzbrinck-Schule für Wirtschaftsjournalisten. Heute arbeitet sie in der Wirtschaftsredaktion des Deutschlandfunks.

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