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Kommentar zu sexualisierter Gewalt im Sport – Für Betroffene braucht es unabhängige Anlaufstellen


Die Studie zu sexualisierter Gewalt im Sport wurde am 27. September vorgestellt (Picture Alliance / dpa / Wolfgang Kumm)

Die Ergebnisse der Studie überraschen nicht. Wer zuhören wollte, wusste längst: Nicht nur Familien, Kirchen und Internate sind Tatorte, auch der Sport. Diese Erkenntnis ist nicht erst heute gekommen. Studien belegen seit langem das Ausmaß körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt im Leistungs- und Breitensport. Doch nun gibt es auch Meldungen hinter den Zahlen.

72 Opfer erzählten ihre Leidens- oder Überlebensgeschichte und stellten sie der Kommission zur Verfügung. Die meisten schildern die schwersten Verbrechen, die ihnen als Kinder und Jugendliche im Sport widerfahren sind, und das nicht nur einmal. Sie berichten von seelischen und körperlichen Schmerzen, Depressionen und Suizidversuchen. Und sie sprechen über Menschen im Sport, die ihnen nicht zugehört und ihnen nicht geglaubt haben.

Es muss unzählige Opfer geben

Das wiegt schwer, denn Sport ist die größte Freizeitbewegung in Deutschland. Die Hälfte aller Mädchen und 60 Prozent aller Jungen sind in einem Sportverein aktiv. Es muss also unzählige Opfer geben, die schwere Gewalt im Sport erlebt haben. Diese Geschichten von Betroffenen zerstören das positive Image und das Narrativ von nur gesundem, wertstiftendem und fairem Sport.

Sport hat natürlich auch seine positiven Seiten, und die Betroffenen liebten ihn auch. Dennoch hinterließ er sie und zahllose andere mit großem Leid. Wie ist der organisierte Sport bisher damit umgegangen? Mit Schutzkonzepten, von denen nicht einmal klar ist, ob sie überhaupt funktionieren. „Flucht in die Prävention“ nennt das ein Experte. Nur der Blick zurück in die Vergangenheit hilft, wirklich wirksame Maßnahmen zu entwickeln, die sexualisierter Gewalt in Zukunft vorbeugen können. Die Geschichten der 72 Menschen müssen der Anstoß zum Handeln sein. Sie alle haben das Recht auf eine Überprüfung, die die Frage der Entschädigungszahlungen nicht außer Acht lassen darf.

Was Politik und Sport den Menschen schulden

Es braucht sportunabhängige Anlaufstellen für Betroffene, externe juristische Bearbeitung von Fällen und Sanktionen für Täter außerhalb der Verbände und Vereine. Diese Aufgaben könnte ein sogenanntes „Center for Safe Sport“ übernehmen. Das steht im Koalitionsvertrag und ist im Aufbau. Diese unabhängige Institution kann jedoch nur effektiv arbeiten, wenn sie über die erforderlichen finanziellen Mittel verfügt. Die Politik sollte das tun, aber der organisierte Sport muss sich einmischen und Verantwortung für die Verbrechen übernehmen, die in seinem Umfeld geschehen sind.

Politik und Sport sind es den Menschen hinter den Zahlen schuldig. Nicht nur die 72, die ihre Geschichte erzählten, sondern auch alle anderen Betroffenen im Sport.

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