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Klimafreundliche Alternative – Insekten als Nahrung


Auch Heuschrecken sind in der EU als Lebensmittel zugelassen (picture alliance / HELMUT FOHRINGER / APA / picturedesk.com / HELMUT FOHRINGER)

Sie gelten als proteinreiche und klimafreundliche Alternative zu Nutztierfleisch. Trotzdem scheuen viele Menschen den Verzehr von Insekten – in welcher Form auch immer. In der EU sind vier Insektenarten als Lebensmittel zugelassen und es kommen immer mehr hinzu, die nicht nur auf der menschlichen Ernährung landen können.

In der Europäischen Union gelten Insekten als „Novel Food“ und müssen einen langen Zulassungsprozess durchlaufen. Die Europäische Kommission hat bisher diese vier Insektenarten zugelassen:

  • wandernde Heuschrecke
  • Mehlwurm
  • Kornschimmelkäfer (seine Larve heißt Büffelwurm)
  • Heimchen (Heimchen)
Gelbe Mehlwürmer und Wanderheuschrecken dürfen in der EU seit 2021 verarbeitet werden. Neu seit Anfang 2023 sind die Heimchen in Pulverform und die Larven des Körnerschimmelkäfers in gefrorener, pastöser, getrockneter oder pulverisierter Form Es gibt acht weitere Anträge auf Zulassung von Insekten als Lebensmittel.

Diese Insekten finden sich in Backwaren wie Brot und Brötchen, Keksen und Backmischungen, in Müsli, Pizza, Nudeln, Saucen und Suppen, als Fleisch- und Milchersatz oder in Schokolade.

Ja. Wenn ein Produkt ein Insekt enthält, muss der Artname in der Zutatenliste „ordnungsgemäß“ gekennzeichnet sein – einschließlich seiner Form. Zum Beispiel müsste Grillenpulver als „teilweise entfettetes Pulver von Acheta domesticus (Heimchen)“ aufgeführt werden.

Ob das Produkt dann nicht mehr vegan oder vegetarisch angeboten werden darf, ist noch nicht abschließend geklärt, laut Verbraucherzentrale NRW besteht noch gesetzlicher Regelungsbedarf. Bisher gibt es keine rechtsverbindliche Definition der Begriffe „vegan“ und „vegetarisch“, aber die Verbraucherschutzminister der Länder haben sich 2016 auf Definitionen geeinigt, um für so gekennzeichnete Lebensmittel Klarheit im Markt zu schaffen.

Danach dürfen als vegan und vegetarisch gekennzeichnete Lebensmittel keine Zutaten (einschließlich Zusatzstoffe, Trägerstoffe, Aromen, Enzyme), Verarbeitungshilfsstoffe und vergleichbare Stoffe tierischen Ursprungs enthalten. Pulver auf Basis essbarer Insekten sind tierischen Ursprungs und sollten daher nicht in veganen oder vegetarischen Lebensmitteln enthalten sein, erklärt die Verbraucherzentrale NRW.

Die Europäische Agentur für Lebensmittelsicherheit hat den Verzehr wissenschaftlich untersucht und als gesundheitlich unbedenklich eingestuft. Allerdings können laut EFSA Allergien auftreten. Besonders betroffen sind Menschen mit bestehenden Allergien gegen Krebstiere oder Hausstaubmilben. Entsprechende Informationen auf den Produkten sind daher ebenfalls Pflicht.

Klimafreundliche Alternative – Insekten als Nahrung

Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) kommt in ihren Studien zu dem Schluss, dass Insekten eine sehr nahrhafte und gesunde Nahrungsquelle mit einem hohen Gehalt an Fett, Eiweiß, Vitaminen, Ballaststoffen und Mineralstoffen sind. Insekten sind eine alternative Proteinquelle, die den Übergang zu einer gesunden und nachhaltigen Ernährung bieten könnte.

Insekten werden in vielen Teilen der Welt regelmäßig verzehrt, sind aber in der EU als Lebensmittel immer noch ein Nischenmarkt, auch wenn ganze Insekten in der EU schon lange ohne die Regeln für Novel Food verkauft werden. Die aktuelle Verordnung sieht hierfür eine Übergangsregelung vor. Daher sind einige Insekten bereits als Ganzes auf dem Markt, während die wissenschaftliche Überprüfung noch andauert.

Viele Menschen in Europa sind von Insekten angewidert oder haben Angst vor ihnen. Manche befürchten auch, unwissentlich ein Insekt zu essen, weil die Kennzeichnung nicht eindeutig genug ist. Essgewohnheiten seien kulturell unterschiedlich und dynamisch, erklärte der Soziologe Fritz Reusswig vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung im Dlf.

Vor einigen Jahren waren die Vorbehalte gegenüber Algen viel größer als heute. Auch in Europa wurden früher Insekten gegessen. „Ekel vor Essen ist eigentlich keine natürliche Eigenschaft von uns Menschen. Kinder bis zum Alter von zwei Jahren ekeln sich eigentlich vor nichts und werden dann von uns in den jeweiligen Kulturen resozialisiert.“

Laut einer Analyse des Umweltbundesamtes aus dem Jahr 2020 benötigen Lebensmittel aus kontrollierten Insekten im Vergleich zu Nutztierfleisch weniger Treibhausgase, weniger Wasser- und Landverbrauch und weniger Lebensmittelabfälle – diese wiederum können als Insektenfutter verwendet werden.

Insekten können auch als alternatives Futter verwendet werden. Seit 2017 sind Insekten als Bestandteil von Fischfutter in Europa erlaubt. Auch Schweine und Hühner dürfen in der EU seit 2021 mit Insekten gefüttert werden.

Quellen: Kathrin Kühn, Europäische Kommission, Verbraucherzentrale NRW, oben