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Japan: Noch immer Sprechverbot in den Schulferien wegen Corona


Aus Angst vor Ansteckung
Noch immer müssen viele Studierende in Japan ihre Mittagspause wegen Corona schweigend verbringen

In vielen Schulen in Japan müssen Kinder nach mehr als zwei Jahren der Pandemie ihr Mittagessen immer noch an getrennten Tischen und ohne zu sprechen einnehmen

© Shuhei Yokoyama/AP/Picture Alliance

In vielen japanischen Schulen dürfen Kinder seit mehr als zwei Jahren in der Mittagspause nicht mehr miteinander sprechen, um sich nicht mit dem Coronavirus anzustecken. Viele leiden darunter.

Seit mehr als zwei Jahren verbringen viele Kinder in Japan ihre Mittagspause schweigend, anstatt sich mit ihren Klassenkameraden zu unterhalten. Diese Regelung wurde 2020 eingeführt, um eine Ansteckung mit dem Corona-Virus zu vermeiden. Statt der üblichen Praxis sollen sich die Schüler beim Essen im Klassenzimmer nicht gegenübersitzen, sondern an einzelnen Tischen in gleicher Richtung sitzen und auf Gespräche verzichten, hieß es damals.

Aufgrund der rückläufigen Infektionszahlen im Juni dieses Jahres hatten die Schulbehörden in den Präfekturen Miyazaki und Fukuoka das Redeverbot in Grund- und weiterführenden Schulen bereits aufgehoben, die Präfektur Aichi zog im November nach. Zudem gab es immer mehr Einwände, dass sich die Regelung negativ auf die soziale Entwicklung insbesondere von Kleinkindern auswirken könnte. Allerdings haben sich laut japanischen Medienberichten viele Schulen aus Angst vor einer Ansteckung entschieden, ihre Schüler auch ohne behördliche Anordnung der Schulbehörde weiterhin schweigend essen zu lassen.

Kinder in Japan leiden unter dem Sprechverbot in der Mittagspause

Laut einer Online-Umfrage im vergangenen Sommer gaben 90 Prozent der 1.600 befragten Kinder an, dass sie sich beim Mittagessen gerne mit anderen unterhalten würden. In der Umfrage berichteten einige, dass ihnen die Freude am Mittagessen genommen wurde, weil sie nicht reden durften. Ein Kind berichtete, dass ihm beim Reden trotzdem das Essen weggenommen wurde.

Inzwischen wurden einige andere Beschränkungen, etwa bei Restaurants oder der Einreise von Touristen, aufgehoben. Maho Ono, eine Mutter, deren Tochter ebenfalls unter dem Mittags-Sprechverbot leidet, kritisierte gegenüber der japanischen Zeitung The Mainichi die Ungleichbehandlung. Vor allem Erwachsene würden von der Aufhebung vieler Beschränkungen profitieren, sie könnten zum Beispiel wieder weitgehend uneingeschränkt essen – dass viele Kinder in der Mittagspause nicht mit ihren Freunden sprechen dürfen, sei unverständlich, kritisiert sie. Deshalb hat sie bei den Ministerien für Gesundheit und Bildung beantragt, die Regelung dauerhaft zu beenden.

Quellen: „Der Wächter“, „Die Mainichi“