Deutschland Nachrichten

Jan Böhmermann lässt NSU-Akten durchsickern, die der Staat 120 Jahre lang geheim halten wollte


In seiner Sendung „ZDF Magazin Royale“ kündigte Moderator und Satiriker Jan Böhmermann am Freitag einen neuen Coup seiner Redaktion an: Gemeinsam mit dem Portal „Frag den Staat“ veröffentlichte sein Team die NSU-Akten des Hessischen Verfassungsschutzes – die eigentlich 120 Jahre lang geheim gehalten wurden, sollten gewahrt bleiben.

„Offizieller Grund für die maximale Geheimhaltungsdauer sind die umfangreichen Anhänge, in denen eine Tabelle auflistet, welche Informationen über die rechte Szene Neonazis an den Verfassungsschutz übermittelt haben“, heißt es auf der Website des Programms eigens dafür eingerichtet.

Böhmermann veröffentlicht NSU-Akten im „ZDF Magazin Royale“

Wirklich geheim ist in den Akten aber nichts – und auch über den NSU erfährt der Leser wenig. „Wer in diesen Berichten Antworten auf offene Fragen zum NSU, Hinweise auf gezielte Vertuschungsversuche oder gar Belege für die Rolle des Verfassungsschutzes in der Mordserie zu finden hofft, wird enttäuscht “, schreibt die Redaktion.

Und weiter: „Die ‚NSU-Akten‘ geben kein abschließendes Urteil über die Arbeit des Hessischen Verfassungsschutzes zum NSU ab – weil der Hessische Verfassungsschutz selbst nicht weiß, was der hessische Verfassungsschutz wusste.“

Auch Lübkes Mörder Ernst taucht in den NSU-Akten auf

Dennoch geben die Akten einen tiefen Einblick in die rechte Szene. So taucht schon früh der Name Stephan Ernst auf. 2019 erschoss Ernst den Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübke. Bereits 2009 stellte der Verfassungsschutz fest, dass er „als aggressiv und gewalttätig eingeschätzt“ worden sei. Die Geheimdienstler erwischten ihn und einen Kameraden auch beim Abladen einer Propangasflasche in einem Steinbruch, in dem auch Sprengstoff gelagert war.

All dies führte jedoch nicht dazu, dass Ernst in den Fokus der Ermittler geriet. Seine Akte wurde 2015 geschlossen – vier Jahre bevor er den CDU-Politiker wegen seiner Äußerungen zur Flüchtlingspolitik erschoss.

„Wir glauben, dass die Öffentlichkeit ein Recht darauf hat zu erfahren, was genau in diesen Dokumenten steckt, die ursprünglich mehr als ein Jahrhundert lang geheim bleiben sollten“, schreibt das Team um Böhmermann zu seiner Entscheidung, die Akten für jedermann zugänglich zu machen.



Schaltfläche "Zurück zum Anfang"