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„Institutionen stehen still“: Selenskyj: Putins Tod könnte den Krieg schnell beenden

„Institutionen stehen still“


Selenskyj: Putins Tod könnte den Krieg schnell beenden

Russlands Präsident Putin hat vor der zunehmenden „Atomkriegsgefahr“ gewarnt. Sein ukrainischer Amtskollege sieht das Risiko jedoch als eher gering an. Selenskyj sagt, Putin hänge zu sehr an seinem Leben. Sollte er plötzlich sterben, könnte dies zu einer russischen Niederlage im Krieg führen.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach über seine Pläne für die Nachkriegszeit mit Russland. „Ich möchte nur ans Meer gehen und ein Bier trinken“, sagte der 44-Jährige laut ukrainischen Medien in einem zuvor veröffentlichten Interview mit dem US-Showmoderator David Letterman. Das wird aber erst nach dem Sieg der Ukraine möglich sein. „Aber ich werde Präsident sein, bis wir gewinnen“, zeigte sich das 2019 gewählte Staatsoberhaupt selbstbewusst.

Gleichzeitig hält Selenskyj ein schnelles Ende des Krieges für möglich, wenn der russische Präsident Wladimir Putin plötzlich stirbt. Autoritäre Regime sind auf eine Person zugeschnitten. „Wenn diese Person geht, kommen die Institutionen zum Stillstand. Eine solche Zeit war in der Sowjetunion. Alles stand still“, behauptete Selenskyj. Mit dem Tod des 70-jährigen Putin wäre Russland zunächst mit sich selbst beschäftigt.

Selenskyj glaubt daher nicht, dass Putin Atomwaffen einsetzen könnte. „Ihm ist bewusst, dass es persönliche Konsequenzen für ihn haben wird, wenn er sie nutzt“, betonte der Ukrainer. Putin liebt das Leben zu sehr, um diesen Schritt zu tun.

Der Kreml will die Atomdoktrin nicht ändern

Russland beabsichtigt nach eigenen Angaben nicht, seine Atomdoktrin zum Einsatz von Massenvernichtungswaffen rasch zu ändern. „Von einem schnellen Handeln ist in dieser Hinsicht keine Rede“, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow nach Angaben der Agentur Interfax. Kreml-Chef Wladimir Putin hat in der vergangenen Woche wiederholt erklärt, Russlands Doktrin fordere den Einsatz von Atomwaffen als Reaktion auf einen solchen Angriff.

Gleichzeitig wies er darauf hin, dass die USA nach ihrer Doktrin angeblich Erstschläge durchführen könnten. Er machte deutlich, dass Russland vor diesem Hintergrund über seine eigene Sicherheit nachdenken müsse. Putins Sprecher Peskow erklärte nun, es gebe einen ständigen Reflexions- und Analyseprozess auf Expertenebene über die Lage in der Welt.

Nach der Nukleardoktrin Russlands 2020 ist der Einsatz von Atomwaffen nur möglich, wenn der Gegner diese oder andere Massenvernichtungswaffen zuerst gegen Russland oder seine Verbündeten einsetzt. Der Einsatz von Nuklearwaffen ist daher auch dann möglich, wenn Russlands Existenz durch konventionelle Waffen bedroht ist. Putin sagte letzte Woche, die „Gefahr eines Atomkriegs“ nehme zu.

In Russland dienten Atomwaffen dem Schutz des Landes und seiner Verbündeten sowie der Abschreckung. Im Zuge seines Angriffskrieges gegen die Ukraine ließ Putin Russlands Nuklearwaffen in erhöhte Bereitschaft versetzen. Dies wurde als Drohung an die USA und die NATO-Staaten gesehen, sich aus dem Konflikt herauszuhalten. Angesichts der weltweiten Empörung hatte Russland seine nuklearen Drohungen zuletzt deutlich reduziert.