Deutschland Nachrichten

„Inflationswelle ungebrochen“: Jedes zweite Unternehmen will die Preise erhöhen

„Inflationswelle ungebrochen“
Jedes zweite Unternehmen will die Preise erhöhen

Trotz einer Inflationsrate von zehn Prozent dürften die Preise für Lebensmittel, Baumaterialien und Kleidung in den kommenden Monaten weiter steigen. Die Hälfte aller Unternehmen plant Zuwächse, berichtet das IFO-Institut. Nur in einer Branche ist mit fallenden Preisen zu rechnen.

Deutsche Verbraucher müssen sich in den kommenden Monaten auf weitere Preiserhöhungen einstellen. Im Oktober plante jedes zweite Unternehmen, Kunden in naher Zukunft zu mehr Zahlungen aufzufordern, wie das Münchener IFO-Institut in seiner monatlichen Umfrage mitteilte. Das entsprechende Barometer für die Preiserwartungen für die kommenden Monate sank gesamtwirtschaftlich nur leicht auf 51,5 Punkte, nach 53,8 im September.

„Die Inflationswelle ist noch nicht gebrochen“, sagte IFO-Wirtschaftschef Timo Wollmershäuser. „Vor allem die hohen Energiekosten wurden noch nicht vollständig an die Verbraucher weitergegeben.“ Der Lebensmitteleinzelhandel plant nach wie vor fast flächendeckend mit Preiserhöhungen. Das Barometer fiel dort auf 96,7 Punkte, nach 100,0 im Vormonat.

Die Mehrheit der Verkäufer von Heimtextilien und Teppichen (94,6), Schreibwaren (92,5), Bau- und Heimwerkermärkten (85,6) sowie Verkäufern von Unterhaltungselektronik (85,4) will laut Umfrage mehr nachfragen. „Einzig im Gebrauchtwagenhandel sind erstmals seit März 2021 wieder leicht niedrigere Preise zu erwarten“, hieß es. Die entsprechenden Erwartungen sanken dort auf minus 5,8 von plus 25,7 im Vormonat.

Auch im verarbeitenden Gewerbe will laut IFO die Mehrheit der Unternehmen ihre Preise erhöhen. Allerdings ist ihr Anteil im Vergleich zum Vormonat gesunken. In der chemischen Industrie fiel das Barometer von 52,3 auf 33,1 Punkte, in der Papierindustrie von 65,3 auf 27,0 Punkte. Besonders hohe Preiserwartungen haben Hersteller von Bekleidung (83,5), Glaswaren und Keramik (72,1) sowie Nahrungs- und Futtermittel (70,6). Auch in der Gastronomie sind die Preiserwartungen sehr hoch (80,9).

Die Inflationsrate in Deutschland lag im September bei 10 Prozent, dem höchsten Stand seit 1951. Laut einer Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters unter Ökonomen dürfte sie im Oktober auf 10,1 Prozent steigen. Das Statistische Bundesamt will eine erste Schätzung veröffentlichen. Die Punkte in den IFO-Preiserwartungen geben an, wie viel Prozent der Unternehmen ihre Preise per saldo erhöhen wollen. Wenn alle Befragten beabsichtigten, ihre Preise zu erhöhen, wäre der Saldo plus 100 Punkte. Die Höhe der geplanten Preisänderung fragt das Institut nicht ab.

Schaltfläche "Zurück zum Anfang"