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Inflation bei 85,5 Prozent: Türkische Notenbank senkt Leitzins


Stand: 24.11.2022 15:58 Uhr

Trotz einer Inflationsrate von über 85 Prozent hat die türkische Notenbank den Leitzins erneut gesenkt. Aber sie machte eine unerwartete Ankündigung: Es wird keine weiteren Zinssenkungen geben.

Trotz anhaltend hoher Inflation senkte die türkische Notenbank ihren Leitzins erstmals seit mehr als zwei Jahren wieder in den einstelligen Bereich. Die Notenbank gab heute bekannt, dass der Leitzins um 1,5 Punkte auf 9,0 Prozent gesenkt wird. Es ist die vierte Zinssenkung in Folge.

Allerdings signalisierten die Notenbanker auch, dass es vorerst keine weiteren Zinssenkungen geben werde. Sie sei zu der Einschätzung gelangt, „dass der aktuelle Leitzins angemessen ist, und habe beschlossen, den im August begonnenen Zinssenkungszyklus zu beenden“, heißt es in der Mitteilung.

Lira steht wieder unter Druck

Die Inflation in der Türkei lag im Oktober bei 85,5 Prozent – ​​dem höchsten Stand seit 1998. Eigentlich würden deutliche Zinserhöhungen angekündigt, um die Konjunktur abzukühlen und damit die Inflation in den Griff zu bekommen. Doch statt die Zinsen anzuheben, begann die Zentralbank vor mehr als einem Jahr mit der Lockerung ihrer Geldpolitik. Damals lag der Zinssatz noch bei 19 Prozent.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan ist ein Gegner hoher Zinsen: Er hatte sogar gefordert, das Niveau bis Ende des Jahres in den einstelligen Bereich zu senken.

Unmittelbar nach der Bekanntgabe der Entscheidung geriet die türkische Landeswährung Lira erneut unter Abwertungsdruck: Der Wechselkurs fiel auf ein Rekordtief von 18,66 gegenüber dem Dollar. Allein im vergangenen Jahr verlor die Lira mehr als 44 Prozent an Wert, in diesem Jahr um rund 30 Prozent. Das kurbelt den Export an, weil türkische Waren auf den Weltmärkten preislich wettbewerbsfähiger werden. Gleichzeitig heizt dies die Inflation weiter an, da Importe dadurch teurer werden.

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