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Deutschland Nachrichten

ifo Geschäftsklima: Das Vertrauen in die Wirtschaft wächst


Stand: 25.01.2023 11:22 Uhr

Zum Jahresbeginn hellte sich die Stimmung in den Chefetagen deutscher Unternehmen den vierten Monat in Folge auf. Während die Erwartungen besser waren, waren die Unternehmen mit dem laufenden Geschäft weniger zufrieden.

Zum Jahreswechsel verbesserte sich die Stimmung in der deutschen Wirtschaft zum vierten Mal in Folge. Das ifo Geschäftsklima stieg im Januar auf 90,2 Punkte von 88,6 Punkten im Vormonat, wie das Münchener Institut heute mitteilte. Mit einem Anstieg in dieser Größenordnung hatten Bankvolkswirte und Ökonomen im Durchschnitt gerechnet. „Die deutsche Wirtschaft startet mit mehr Zuversicht ins neue Jahr“, sagte ifo-Präsident Clemens Fuest. Während die Unternehmen ihre Zukunftsaussichten deutlich besser einschätzten, schätzten sie ihre aktuelle Situation etwas schlechter ein.

Clemens Fuest, Präsident des ifo Instituts, über die Stimmung in der deutschen Wirtschaft

tagesschau24 11:00 Uhr, 25.1.2023

Auch die Bundesregierung ist optimistischer

„Das ifo Geschäftsklima hat sich deutlich erholt, weil die Beruhigung am Gasmarkt die Angst der Unternehmen vor einer schweren Rezession weiter verringert hat“, kommentierte Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank. Sie liegt aber immer noch auf einem Niveau, auf dem es in der Vergangenheit regelmäßig konjunkturelle Einbrüche gegeben hat. Zudem mussten die Notenbanken in vielen Ländern wegen der hohen Inflation ihre Leitzinsen massiv anheben. Eine leichte Rezession sei laut Krämer weiterhin „das wahrscheinlichere Szenario“.

„Der vierte Anstieg des Index in Folge stärkt die Aussicht auf eine Trendwende“, pflichtet Alexander Krüger vom Bankhaus Hauck Aufhäuser Lampe bei. Wirtschaftlich scheint es weitaus weniger schlimm zu sein als befürchtet. „Das Risiko einer Rezession wird immer kleiner.“ Das zeigten zuletzt auch andere Frühindikatoren und Konjunkturdaten. So ist der S&P Global Purchasing Managers Index in Deutschland kürzlich den dritten Monat in Folge gestiegen.

Nach vorläufigen Angaben stagnierte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) von Oktober bis Dezember 2022 im Vergleich zum Vorquartal. Auch die Bundesregierung rechnet in ihrem neuen Jahreswirtschaftsbericht nicht mehr mit einer Rezession. Demnach rechnet sie 2023 nun mit einem Mini-Wachstum von 0,2 Prozent, nachdem im Oktober noch ein Minus von 0,4 Prozent geschätzt worden war. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck wird den Bericht heute Nachmittag in Berlin vorstellen.

Wirtschaft könnte im ersten Quartal schrumpfen

Laut ifo-Umfrage verbesserte sich die Stimmung der Unternehmen in allen untersuchten Branchen – im Verarbeitenden Gewerbe, im Dienstleistungssektor, im Handel und auch im Baugewerbe. Im vergangenen Jahr trübte sich das Geschäftsklima größtenteils bis zum Spätsommer ein. Auslöser waren der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine und die stark gestiegenen Energiepreise. Letztere sind jedoch in den letzten Wochen deutlich gefallen.

Dennoch überwiege in der aktuellen Situation weiterhin Pessimismus bei den befragten Unternehmen, warnt Ökonom Krüger. Energiekosten und Materialengpässe sind nach wie vor eine Herausforderung. Darauf weist auch Jens-Oliver Niklasch von der Landesbank Baden-Württemberg hin: „Man sollte nicht zu schnell zu optimistisch werden.“ Offenbar hat das ein oder andere Unternehmen wachsende Schwierigkeiten mit dem Dreiklang aus hohen Energiepreisen, unterbrochenen Lieferketten und steigenden Zinsen. Hinzu kommt das dünner werdende Auftragspolster in der deutschen Industrie.

Ungeachtet der deutlich aufgehellten Konjunkturerwartungen wird die deutsche Wirtschaft laut Prognose des ifo Instituts auch im ersten Quartal des neuen Jahres schrumpfen. „Das Bruttoinlandsprodukt wird voraussichtlich leicht sinken“, sagte Klaus Wohlrabe, Leiter der ifo-Umfragen. „Das liegt vor allem am privaten Konsum.“ Diese dürfte von Januar bis März niedriger ausfallen als Ende 2022 – auch wegen sogenannter Vorzieheffekte. So wurden im Dezember viele Elektroautos verkauft, weil Käufer noch vom staatlichen Bonus profitieren wollten. „Diese Nachfrage fehlt jetzt“, sagte Wohlrabe. Zudem müssten viele Verbraucher ab Jahresbeginn deutlich mehr für Strom und Gas zahlen. „Für andere Ausgaben ist kein Geld da.“

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