Politische Nachrichten

»Ich erlebe viel Zuspruch« (nd-aktuell.de)


Am Sonntag wird entschieden, wer als Oberbürgermeister ins Rostocker Rathaus einziehen wird.

Foto: imago/Fotoagentur Nordlicht

Frau Kröger, im ersten Durchgang der Rostocker Oberbürgermeisterwahl haben Sie mit 25,3 Prozent den ersten Platz belegt. Für die Stichwahl am Sonntag haben Sie nun auch die Unterstützung von SPD und Grünen. Wie schätzen Sie Ihre Chancen ein, die Wahl zu gewinnen?

Natürlich freue ich mich, dass mich SPD und Grüne unterstützen. Das liegt sicher auch daran, dass wir seit vielen Jahren sehr gut zusammenarbeiten und uns kennen. Und was ich in den letzten Tagen vor der Haustür erlebt habe – unser Wahlkampf besteht hauptsächlich aus Haustürbesuchen – ist viel Zuspruch und gute Stimmung. Ich habe also Hoffnung, dass es am Sonntag klappen kann.

Werden Sie bei diesen Tür-zu-Tür-Gesprächen auch nach dem aktuellen katastrophalen Auftritt der Linken auf Bundesebene gefragt? Erreichen die innerparteilichen Auseinandersetzungen hier die kommunale Ebene?

Natürlich ist der Stand der Partei immer ein Thema. Das war in früheren Wahlkämpfen so, und jetzt werde ich auch auf die Linke und einzelne Persönlichkeiten in der Partei angesprochen. Das ist normal für mich. Aber am Ende geht es um Rostock und die Frage, was ich für die Stadt tun kann. Hier wird ganz klar unterschieden: einerseits das Gespräch über die Partei und andererseits die ganz pragmatischen Fragen der Kommunalpolitik.

Dazu gehören die Rekommunalisierung von Schulverpflegung und Reinigungsdiensten, die Sie im Falle eines Wahlsieges unterstützen möchten – im Gegenzug für die Wahlempfehlung der Sozialdemokraten. Gleiches gilt für den durchaus umstrittenen Bau einer kommunalen Klärschlammverbrennungsanlage, der prompt von CDU und FDP aufgegriffen wurde, die ihren Konkurrenten unterstützen.

Es ist normal, über Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Kampagnenunterstützung zu sprechen. Das finde ich absolut unproblematisch und habe das bei der SPD gerne gemacht. Was die Klärschlammverbrennungsanlage angeht – hier hatten wir als Linke Umweltbedenken geäußert, die aber in der Bürgerschaft keine Mehrheit fanden. Und hier muss man sagen, die Kritik von CDU und FDP ist politische Augenwischerei, denn das Projekt ist beschlossen und die wesentlichen Planungen erfolgt. Für mich als möglichen neuen Bürgermeister geht es letztlich nur darum, die Mehrheitsentscheidungen der Bürgerschaft zu respektieren.

Haben Sie auch mit den Grünen gesprochen?

Ja, natürlich haben wir auch mit den Grünen gesprochen. Und auch hier waren, wie bei der SPD, die Meinungsverschiedenheiten sehr gering. Das ist auch kein Wunder, denn Linke, SPD und Grüne arbeiten hier in Rostock seit vielen Jahren sehr eng zusammen und haben die meisten großen Themen gemeinsam entwickelt oder zumindest gemeinsam begleitet. Deshalb waren die Gespräche mit den Grünen keine Neuverhandlungen, sondern dienten letztlich nur dazu, im Falle eines Wahlsieges an gemeinsamen Anliegen wie der Klimaneutralität der Stadt oder dem Radwegeausbau festzuhalten.

In der dreijährigen Amtszeit von Claus Ruhe Madsen, dessen Wechsel in die schleswig-holsteinische Landesregierung die Neuwahl notwendig machte, war viel los: Corona-Pandemie, MV-Werften-Insolvenz, der Streit um die Buga und ihr Ende . Aber haben sich in dieser Zeit auch die sehr stadtspezifischen Probleme und Nöte Rostocks verändert und wo würden Sie zuerst ansetzen?

Den Wunsch, die anstehenden Aufgaben zu priorisieren, kann ich sehr gut nachvollziehen, ich werde sehr oft darauf angesprochen. Allerdings halte ich das nicht für sinnvoll, da die Liste sehr lang ist. In den letzten Jahren ist aufgrund der Pandemie, aber auch aufgrund der Arbeitsweise von Herrn Madsen vieles liegengeblieben, was unbedingt hätte begonnen werden müssen – sowohl in der Verwaltung als auch in der Stadtentwicklung. Ich glaube daher, dass es besser ist, mit einem Prozess zu beginnen als mit einem konkreten Projekt. Der neue Bürgermeister muss schnellstmöglich sowohl mit der Verwaltung als auch mit der Bürgerschaft zusammentreffen und mit ihnen besprechen, welche Umstrukturierungen und Projekte wir priorisieren. Dieses Verständnis sollte zuerst angesprochen werden.

In der Vergangenheit war das Verhältnis zwischen dem Oberbürgermeister und den Bürgern und der Verwaltung in Rostock nicht immer das beste.

Ja, ich denke, die Verwaltungsmitarbeiter wollen dringend ein besseres Verhältnis. Dass wir auf Augenhöhe miteinander reden, dass sie nicht mehr nur aus der Zeitung erfahren, was der Bürgermeister als nächstes plant, dass Umstrukturierungen und Verbesserungen gemeinsam angegangen werden. Das ist mein Ziel: als Bürgermeister anders zu kommunizieren, so wie ich es als Bürger mit der Verwaltung getan habe. Ich bin seit 13 Jahren Mitglied und seit 12 Jahren Vorsitzender der größten Fraktion. Der Umgang mit anderen Fraktionen ist für mich seit Jahren Praxis und ich denke, dass ich insgesamt ein gutes Verhältnis zum Parlament habe. Daher bin ich überzeugt, dass diese Beziehung gut funktionieren würde.

Gute Beziehungen zu Verwaltung und Bürgern sind das eine, Finanzen das andere. Wie sieht es hier aus: Hat Rostock auch die Mittel für Investitionen?

Die Stadt ist derzeit in guter finanzieller Verfassung und hat keine Schulden. Wir können investieren, aber natürlich müssen wir verantwortungsvoll mit dem Geld umgehen und sorgfältig budgetieren, damit die finanzielle Situation auch in Zukunft gut bleibt.



Schaltfläche "Zurück zum Anfang"