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Handelsbeziehungen: Unternehmen wollen weniger abhängig von China sein


Stand: 29.10.2022 18:19 Uhr

Zwischen Deutschland und der Volksrepublik China wurden 2021 Waren im Wert von 246,1 Milliarden Euro gehandelt – auch das bedeutet enorme Abhängigkeiten. Viele Unternehmen suchen nach Alternativen.

Von Caroline Hoffmann und Jens Eberl, WDR

Der Fahrradhersteller Rose Bikes in Bocholt hätte in diesem Jahr noch viel mehr Fahrräder verkaufen können, doch das Frühjahr hat die Bilanz erschüttert. Tobias Sommerfeld, der in der Montage arbeitet, erinnert sich noch daran, wie er keine Fahrräder mehr montieren konnte. „Es kam zu der Situation, dass wir Lieferengpässe hatten und Material nicht verfügbar war. Manchmal waren es wirklich nur Kleinigkeiten wie ein paar Schrauben, die fehlten. Da kam es vor, dass ganze Linien nicht mehr weiterschrauben konnten“, sagt der Zweirad-Mechatroniker . Lenkergriffe, Sättel – viele Teile haben auf einmal gefehlt. Die Gründe: Corona-Lockdowns, geschlossene Häfen, Transportschwierigkeiten. Infolgedessen kann das Unternehmen in diesem Jahr nur noch 45.000 statt 60.000 Fahrräder montieren.

Jens Eberl

Nun versucht Geschäftsführer Thorsten Heckrath-Rose Wege zu finden, um unabhängiger von China zu werden. Allerdings ist das schwierig. „Es gibt noch den einen oder anderen Beinahe-Monopolisten auf dem Weltmarkt – vor allem im Bereich Schaltung oder Bremse – wo es eigentlich nicht danach aussieht, hier in Europa für die nächsten Jahre Ware zu beziehen, “, sagt Heckrath-Rose.

Die ersten deutschen Unternehmen verlagern ihre Produktion aus China, um die Abhängigkeit zu reduzieren

Caroline Hoffmann, WDR, Tagesthemen 22:15 Uhr, 21.10.2022

Lieferketten sind schwer zu ändern

Über die Jahrzehnte entstand in manchen Bereichen eine fast monopolistische Abhängigkeit. Bei Carbonrahmen, für die das deutsche Unternehmen das Design entwickelt, versucht man nun, Alternativen zu finden. Die Rahmen werden von einem chinesischen Lieferanten gebaut. Einen gleichwertigen Ersatz haben sie in Europa noch nicht gefunden. Vorbauten für die Rahmen würden sie aber laut dem Geschäftsführer bereits aus Deutschland beziehen.

Lieferketten zu ändern ist nicht einfach. Heckrath-Rose ist überzeugt, dass das Zusammenspiel mit der Politik besser funktionieren muss. Als Beispiel nennt er Taiwan: „Es gibt sehr enge Bindungen zwischen Taiwan und China, besonders in der Fahrradindustrie, sehr starke Bindungen. Ich hoffe, dass alle besonnen damit umgehen.“

Politische Konflikte wie hier zwischen China und Taiwan könnten die Versorgungslage verschlechtern. Unternehmen müssen sich fragen, ob solche Märkte überhaupt Sinn machen. „Und in Zukunft müssen wir natürlich darauf achten, dass wir solche Dinge bei Entscheidungen über die Lieferketten noch stärker berücksichtigen“, sagt Heckrath-Rose.

Öffnen Sie andere Märkte

Jürgen Matthes, zuständig für regionale Märkte beim Institut der deutschen Wirtschaft (IW), sieht die Politik in der Verantwortung, sich breiter aufzustellen und Alternativen zu China zu schaffen. Es sei wichtig, „über Freihandelsabkommen Ansiedlungskooperationen etwa mit Indien oder Indonesien zu bekommen, damit sich auch internationale Unternehmen in den Ländern ansiedeln – damit dort die Fähigkeiten steigen, hochmoderne spezifische Industrieprodukte herstellen zu können“, so der Sprecher Matthes.

Der Bekleidungskonzern C&A produziert seit letztem Jahr wieder Jeans in Mönchengladbach. 20 Jahre lang war das nicht der Fall. Als Vorteil sieht Betty Kieß aus der Geschäftsführung von C&A Europe die deutlich kürzeren Lieferwege. „Wir können das Gewünschte innerhalb von Tagen im Store reproduzieren und auch in sehr kurzen Schritten liefern“, sagt Kieß.

Am Ende entscheidet der Kunde über den Produktionsstandort

Die Produktion in Deutschland ist nur möglich, weil auch Roboter zum Einsatz kommen und somit effektiver produziert werden kann. Täglich werden in Mönchengladbach 1.000 Hosen hergestellt, das sind rund drei Prozent aller Jeans des Unternehmens. Trotz automatisierter Fertigung hat die Fertigung in Deutschland ihren Preis.

„Aktuell bietet C&A die Jeans für 59,90 Euro an. Und die Preisspanne bei C&A mit Jeans aus Asien liegt bei etwa 29 bis 39 Euro. Also deutlich teurer“, rechnet Uwe Gansfort, Geschäftsführer von C&A FIT vor. C&A wird daher weiterhin in China produzieren. Letztlich entscheidet der Kunde über den Erfolg des Produktionsstandortes Deutschland.

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