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Deutschland Nachrichten

Handel und Paketbranche: Banger Blick auf das Weihnachtsgeschäft


Stand: 10.11.2022 14:04 Uhr

Durch die Corona-Krise, hohe Inflation und Lieferengpässe müssen Einzelhändler zum Teil erhebliche Einbußen verkraften. Viele rechnen zudem mit einem schwachen Weihnachtsgeschäft – ebenso wie die Paketbranche.

Nachdem die Umsätze bereits von Januar bis September eingebrochen waren, blickt auch die Mehrheit der deutschen Einzelhändler angesichts des Kaufkraftverlusts ihrer Kunden aufgrund der hohen Inflation pessimistisch auf das Weihnachtsgeschäft. 70 Prozent erwarten, dass es schlechter wird als im Vorjahr, so eine heute veröffentlichte Umfrage des Handelsverbands Deutschland (HDE) unter 500 Unternehmen.

Weihnachtsgeld und Umfragen machen Hoffnung

Trotz des schwierigen Umfelds rechnet der Branchenverband für die letzten beiden Monate des Jahres mit einem Umsatzplus von 5,4 Prozent auf 120,3 Milliarden Euro. Preisbereinigt ist das allerdings ein Minus von vier Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. „Umsätze wachsen nur durch inflationsbedingt steigende Preise“, begründet HDE-Geschäftsführer Stefan Genth diesen Unterschied. „Es bleibt eine schwierige Zeit für Handelsunternehmen.“

Dennoch blickt die Branche optimistisch in den Jahresendspurt, weil viele Verbraucher trotz Inflation und Rezessionsgefahr nicht an den Ausgaben sparen wollen. Fast jeder Fünfte der 2.000 Befragten gab an, mehr als 300 Euro für Weihnachtsgeschenke auszugeben. Im Vergleich zum Vorjahr wollen mehr als 40 Prozent ihre Ausgaben für Geschenke am Jahresende stabil halten, während 18 Prozent „deutlich“ weniger ausgeben wollen. Geschenkgutscheine, Spielwaren, Bücher und Kosmetik dürften diesmal die Renner im Weihnachtsgeschäft sein, wie die Umfrage zeigt.

„Die hohe Inflation und die schlechte Stimmung der Verbraucher sind eigentlich keine guten Vorzeichen für das Weihnachtsgeschäft“, sagte Genth. „Trotz allem investieren Kunden entschlossen in Geschenke.“ Ein Grund könnte das Weihnachtsgeld sein, das mehr als jedem zweiten Mitarbeiter winkt. 54 Prozent bekommen diese Sonderzahlung, wie heute das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung ermittelt. Das Weihnachtsgeld sei wichtiger denn je, sagte Thorsten Schulten, Leiter des WSI-Tarifarchivs.

Die Einzelhandelsumsätze brachen ein

Die Einzelhändler in den Einkaufsstraßen der deutschen Innenstädte mussten derweil in diesem Jahr hohe Einbußen hinnehmen. Wegen Corona-Pandemie, Rekordinflation und Konkurrenz durch den Online-Handel gingen die Umsätze von Januar bis September deutlich zurück. Laut Statistischem Bundesamt sanken die Umsätze in den Bekleidungsgeschäften im Vergleich zum gleichen Zeitraum im Vor-Corona-Jahr 2019 preisbereinigt (real) um 11,0 Prozent.

Eine ähnliche Entwicklung ist auch bei anderen Geschäften zu beobachten, die typischerweise in Innenstädten zu finden sind. Der preisbereinigte Verkauf von Büchern im stationären Einzelhandel ging in den ersten neun Monaten im Vergleich zum Vorkrisenzeitraum sogar um 21,0 Prozent zurück, Spielwarengeschäfte verzeichneten ein Minus von 17,5 Prozent.

Geringer fielen die Rückgänge im Elektrofachhandel (minus 7,4 Prozent) und bei Schuhen (minus 4,9 Prozent) aus. Dagegen stiegen die Einzelhandelsumsätze von Schmuck und Uhren real um 17,8 Prozent. Insgesamt erzielte der stationäre Einzelhandel, zu dem auch Apotheken und Tankstellen zählen, nur ein preisbereinigtes Plus von 3,0 Prozent.

Auch der seit langem boomende Onlinehandel schwächelt

Nach Ansicht der Wiesbadener Behörde könnten ein verändertes Kaufverhalten und steigende Betriebskosten der Grund sein, warum es in Deutschland zu sinkenden Umsätzen in den Innenstädten und immer weniger Geschäften kommt. Innerhalb von zehn Jahren sank ihre Zahl um 10,2 Prozent auf bundesweit knapp 385.600 im Jahr 2020.

Der Online- und Versandhandel ist ein großer Wettbewerber für den stationären Handel. Allerdings schlägt sich auch hier das rekordverdächtig niedrige Niveau der Konsumausgaben infolge der hohen Inflation nieder. Nach zwei außergewöhnlich starken Corona-Jahren, in denen viele Verbraucher wegen der erhöhten Ansteckungsgefahr die Geschäfte mieden und lieber per Mausklick oder Smartphone einkaufen, rechnet der HDE für das Gesamtjahr diesmal mit einem Rückgang der Online-Umsätze um 2,3 Prozent. Inflationsbereinigt sollen sie sogar um 7,2 Prozent sinken.

Das hat auch Folgen für die Paketbranche in Deutschland, die im diesjährigen Weihnachtsgeschäft mit deutlich weniger Bestellungen als üblich rechnet. Im November und Dezember werden rund 415 (2019: 355) Millionen Sendungen den Verbraucher erreichen, nach rund 445 Millionen im Vorjahr, so der Bundesverband Paket und Expresslogistik (BIEK) auf Basis einer Marktanalyse der KE-CONSULT Kurte&Esser GbR. Das sind rund sieben Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Damit liegt der Kurier-, Express- und Paketmarkt (KEP) noch deutlich über dem Vor-Corona-Niveau.

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