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Günstigen Strom aus einem anderen EU-Land beziehen – lohnt sich das?


50 Prozent sind drin: Günstigen Strom aus einem anderen EU-Land bekommen – lohnt sich das?

In den Nachbarländern sind die Strompreise teilweise bis zu 50 Prozent günstiger als in Deutschland. Grundsätzlich ist es möglich, Strom- und Gasverträge mit Energieversorgern aus dem europäischen Ausland abzuschließen. Aber ist es das wert?

Während die deutschen Gaspreise noch irgendwo im europäischen Mittelfeld liegen, gehören wir beim Strom zu den teuersten Ländern. Aber dank des gemeinsamen EU-Binnenmarktes sollte der grenzüberschreitende Einkauf von Waren und Dienstleistungen kein Problem darstellen. Bei Strom und Gas ist das leider anders.

Seit 1998 können deutsche Verbraucher ihren Stromanbieter frei wählen. „Dieser kann auch aus anderen europäischen Ländern kommen“, erklärt die Europäische Verbraucherzentrale. Allerdings müssen drei Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Der Lieferant muss in Deutschland registriert sein
  • Er muss Energie an den Wohnort liefern
  • Außerdem muss er dem Abschluss eines Vertrages mit dem Bewerber zustimmen

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Suche händeringend nach Energieversorgern

Strom aus dem Ausland zu beziehen ist nicht so einfach wie der Kauf einer Kaffeemaschine in Italien, und es gibt hohe bürokratische Hürden: Der Kunde muss zunächst eine Genehmigung beim zuständigen Hauptzollamt beantragen.

Welches Hauptzollamt für Ihren Wohnort zuständig ist, erfahren Sie über die Zollamtssuche anhand Ihrer Postleitzahl. Das war der einfache Teil. In der Praxis ist es jedoch kaum möglich, einen Energieversorger zu finden, der bereit ist, Strom aus dem EU-Ausland nach Deutschland zu liefern.

Denn auch auf Seiten der Unternehmen entstehen zusätzliche administrative Hürden. Die ausländischen Stromanbieter müssen bei der Vertragsgestaltung und Abrechnung deutsches Recht beachten, wenn der Strom nach Deutschland geliefert werden soll.

Aufmerksamkeitskostenfallen

Bei Strombezug aus dem EU-Ausland gilt der deutsche Rechtsrahmen. Die Energielieferungen unterliegen daher den deutschen Steuern, Abgaben, Umlagen und dem Netzentgelt. Das Problem dabei:
Auf einen Stromlieferanten, der seinen Geschäftssitz außerhalb des deutschen Steuergebiets hat, kann das deutsche Stromsteuergesetz nicht angewendet werden. Daher fallen seine Pflichten und Verantwortlichkeiten den Verbrauchern zu.

Wird der Strom von einem heimischen Anbieter bezogen, sind die Nebenkosten bereits im Endpreis enthalten. Bei einem ausländischen Stromanbieter müssen die Verbraucher diese zusätzlich zum Strompreis zahlen und auch selbst an die zuständige Behörde abführen. Heimische Anbieter übernehmen dies für ihre Kunden.

Es reicht also nicht aus, sich nur die Endpreise in anderen EU-Ländern anzusehen. Denn vermeintlich günstiger Strom aus dem EU-Ausland kann plötzlich ganz schön teuer werden. Verbraucher haben neben den Kosten weitere Ausgaben, die sonst der Stromversorger übernehmen würde, etwa Speicher-, Aufzeichnungs- und Meldepflichten.

So muss beispielsweise die vom Lieferanten bezogene Strommenge genau erfasst und regelmäßig und zeitnah per Formular an das Hauptzollamt weitergeleitet werden.

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