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Grüße von Doktor Sócrates (nd-aktuell.de)


Hat gegen Serbien ein Traumtor geschossen: der brasilianische Mittelstürmer Richarlison.

Foto: AFP/Vincenzo PINTO

Mit einem akrobatischen Flankentreffer im ersten Gruppenspiel des fünffachen Weltmeisters versetzte er ganz Brasilien in Ekstase. Im Spiel gegen Serbien war Richarlison de Andrade, der sein Brot bei den Londoner Tottenham Hotspur verdient, der beste im Team. Der Mittelstürmer hatte die Seleção bereits mit seinem Nummer-eins-Tor, einem halben Scoop, auf Kurs gebracht, der nun nicht nur taktische Disziplin, sondern auch Jogo Bonito – den brasilianischen Ballzauber – bewies. Eine titelgewinnende Kombination, wie jeder beobachten konnte, der Katar heimlich beobachtete.

Anders als in seinem politisch gespaltenen Heimatland tritt Brasiliens Mannschaft geschlossen auf. Es ist gespickt mit Ausnahmespielern, auch wenn alle in erster Linie auf Neymar blicken. Er ist jedoch keine Ausnahme, wenn es um die Dekadenz und politische Ignoranz von Fußballmillionären geht. Die Zeiten der Persönlichkeiten »Doktor« Sócrates, Rai oder Casagrande, die eindeutig dem linken Flügel der Gesellschaft angehörten, sind auch in Brasilien längst vorbei.

Umso bemerkenswerter ist, dass Richarlison nicht nur ein Gefühl im Fuß hat, sondern auch Köpfchen und ein politisches Bewusstsein. Mit Fleiß und Talent gelang es ihm, der Armut – Vater Maurer, Mutter Putzfrau – zu entkommen, in die er 1997 in der Stadt Nova Venécio im südöstlichen Bundesstaat Espírito Santo hineingeboren wurde. Er wuchs in einem von Drogen und Gewalt geprägten Viertel auf. Er hat seine Wurzeln nicht vergessen. Richarlison hat ein starkes soziales Engagement und nutzt seine Bekanntheit, um denen eine Stimme zu geben, denen Grundrechte verweigert werden. Immer wieder verweist er auf die rassistische Diskriminierung großer Teile der Bevölkerung in Brasilien. Ohne die Fahne einer Partei zu schwenken, distanziert er sich klar von der Politik der Bolsonaro-Regierung.

Nun will der gewählte Präsident Lula „Brasilien wieder glücklich machen“. Und dank Richarlison können Linksaußen-Fans der Seleção das von den Bolsonaristen gekaperte gelb-grüne Trikot mit einem besseren Gefühl wieder zu ihrem eigenen machen.

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