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Großer Abschied von der Baureihe 485 – was nun mit den Zügen passiert


Großer Abschied von der Baureihe 485 – was nun mit den Zügen passiert

Es war ein tolles Wochenende für Nahverkehrsfans. Am Samstag stürmten sie den letzten MAN-Doppeldecker der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), der auf der Linie 200 seine allerletzten Fahrten absolvierte. Am Sonntag lockte der Abschied der DDR-Züge auf der Berliner S-Bahn viele tausend Interessierte an . Bei Rallyes und Rundfahrten verabschiedete man sich vom „Child of the East“, das 1988 debütierte. Doch was passiert nun mit der Baureihe 485/885? Im Interview mit der Berliner Zeitung erzählt S-Bahn-Chef Peter Buchner, was mit ihnen passiert. Eines vorab: Nicht alle Autos werden verschrottet.

Die Frage war eindeutig. „S-Bahn-Fan oder DDR-Fan?“ war am Sonntag das Motto am S-Bahnhof Schöneweide. „Beides“, war die Antwort, und das brachte es auf den Punkt. Viele tausend Berliner verabschiedeten sich von einem Zugtyp der Berliner S-Bahn, der in den 1980er Jahren vom Volkseigenen Unternehmen Lokomotivbau Elektrotechnische Werke Hans Beimler in Hennigsdorf entwickelt wurde. Am 12. November beförderte die Baureihe 485/885 zum letzten Mal Passagiere. Die vier am Sonntag verkehrenden Zugeinheiten waren überfüllt. Stammkunden hatten Schwierigkeiten, in die Züge einzusteigen. Hunderte säumten die Routen.

Großer Andrang am Sonntagnachmittag in Schöneweide: Der letzte Zug mit Triebwagen 485 127 an der Spitze ist auf Gleis 5 eingetroffen. Jetzt warten die Fans auf die allerletzte S-Bahn der Baureihe 485/885. Der Zug mit Triebwagen 485 083 wird erst mit 26 Minuten Verspätung auf Gleis 4 eintreffen.Peter Neumann/Berliner Zeitung

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„Hallo Leute! Verschwindet sofort von der Bildfläche!“ Wer sich vor die Kamera der Fans stellte, wurde scharf gerügt. Thomas Splittgerber war einer der Zugfotografen, die an der Strecke warteten. Er war an diesem Morgen bereits mit den alten S-Bahnen unterwegs. „Direkt an der Strecke gab es eine Fahrkartenkontrolle.“ erste Fahrt“, berichtete er. Die Züge waren überfüllt, der allerletzte kam um 15:47 Uhr mit 26 Minuten Verspätung in Schöneweide an. Aber die Stimmung an Bord war gut. „Cola-Dose, Cola-Dose – hey, hey, hey, “ wurde gesungen. Angeblich war dies der Spitzname, als die Züge rot gestrichen waren, aber das ist umstritten.

Als Steffen Laube, der den vorletzten Zug der S41 und dann der S8 nach Schöneweide fuhr, die letzte planmäßige Haltestelle des „Kinds des Ostens“ ankündigte, gab es Applaus und einige Tränen. Bei dieser Veranstaltung waren viele Berliner ganz bei sich.

Busfans haben im alten MAN-Doppeldecker Nothämmer gestohlen

Emotional war auch der Abschied vom letzten in Deutschland hergestellten BVG-Doppeldeckerbus am Samstag. Als am 11. November der Doppelstockzug 3265 aus dem Jahr 2007 zwischen der Michelangelostraße im Prenzlauer Berg und dem Bahnhof Zoo pendelte, fehlten plötzlich drei Nothämmer, mit denen man im Brandfall die Fensterscheiben einschlagen konnte. Offenbar waren sie Passagieren gestohlen worden. BVG-Mitarbeiter mussten Ersatz finden, damit die Fahrten fortgesetzt werden konnten. Als der MAN Lion’s City am späten Abend nach mehr als 13 Betriebsstunden in den Betriebshof Müllerstraße einfuhr, machten Busfans viele tausend Fotos.

Die S-Bahn-Baureihe 485, deren Serienlieferung aus dem heutigen Alstom-Werk nordwestlich von Berlin ab 1989 158 Trieb- und Beiwagen umfasste, hat den Fuhrpark zur Freude der Fahrgäste verjüngt. Seitdem haben die Fahrzeuge Millionen Menschen transportiert. Zum Fuhrpark der S-Bahn Berlin GmbH gehörten laut Peter Buchner 23 Viertelzüge, jeweils bestehend aus einem Trieb- und einem Beiwagen. Die 24 Kilometer lange Linie S85, die Grünau und Pankow im Osten der Stadt verbindet, war das letzte Einsatzgebiet der Tochtergesellschaft der Deutschen Bahn (DB).

Die alten S-Bahnen mussten jede Woche in die Werkstatt

Die Züge haben neben den U-Bahnen des Typs G („Gisela“), den letzten Nahverkehrsfahrzeugen aus der DDR-Zeit in Berlin, viele Fans. Doch es gibt auch Kritiker: Die Fahrt sei nicht besonders komfortabel, sagen sie. Die neueste Baureihe 483/484 mit ihren klimatisierten Wagen fand bei Fahrgästen und Fahrpersonal großen Anklang. Im Interview mit der Berliner Zeitung zieht der S-Bahn-Chef ein differenziertes Fazit. „Die Baureihe 485/885 war für uns vor zwölf Jahren unverzichtbar, um den Fahrgästen das volle Leistungsspektrum gewährleisten zu können. Aus diesem Grund haben wir 20 Fahrzeuge reaktiviert, sodass dann 80 Viertelzüge im Einsatz waren“, erinnert er sich.

Allerdings sei der Wartungsaufwand bei diesen Zügen deutlich höher als bei den anderen, betonte Buchner. „Die Baureihe 485/885 muss jede Woche zur regelmäßigen Inspektion in die Werkstatt, die Baureihe 481/482 alle zwei Wochen und unsere neuesten Züge, die Baureihe 483/484, nur viermal im Jahr. ”

Dies war der erste Zug der neuesten S-Bahn-Serie, der beim großen Fan-Event am Sonntag nicht so viel Applaus erhielt.  Im September steht 483 001 im S-Bahnhof Charlottenburg.

Dies war der erste Zug der neuesten S-Bahn-Serie, der beim großen Fan-Event am Sonntag nicht so viel Applaus erhielt. Im September steht 483 001 im S-Bahnhof Charlottenburg.Peter Neumann/Berliner Zeitung

Die Liste ist lang. „Alle 12.500 Kilometer müssen die Achsen einer Ultraschallprüfung unterzogen werden. „Die Wagenkästen aus Aluminium sind ebenso wie die Drehgestelle anfällig für Risse“, führt Buchner auf. „Wir hatten im Winter das Problem mit den Außenschiebetüren, dass sie wegen Eisbildung nicht mehr schlossen. Die Kabel sind inzwischen deutlich gealtert. Der Grund, warum einige Fahrer diese Serie nicht mögen, liegt darin, dass es im Gegensatz zu anderen S-Bahnen keine Klimaanlage im Führerstand gibt. Wenn die Temperatur im Sommer über 35 Grad stieg, trugen viele Autofahrer zwangsläufig kurze Hosen und ein T-Shirt.“

S-Bahn-Chef: „Nach dem Fahrplanwechsel ist definitiv Schluss“

Wäre es nicht möglich, die Züge zu erneuern? „Selbst wenn wir wollten, wäre ein Weiterbetrieb nicht möglich“, antwortete der S-Bahn-Chef. Diese Fahrzeuge verfügten nicht über das Zugsicherungssystem (ZBS), mit dem ab dem nächsten Jahr das gesamte S-Bahn-Streckennetz ausgestattet wird. „Eine Genehmigung des Eisenbahn-Bundesamtes wäre erforderlich, es ist jedoch nicht damit zu rechnen, dass diese für diese Altfahrzeuge erteilt wird“, ergänzte Peter Buchner.

„Ein weiteres Argument für die Abschaltung ist, dass DB Energie ab dem Fahrplanwechsel 2023 keine Fahrzeuge mit durchgehender Zugsammelschiene mehr auf dem Berliner S-Bahn-Netz zulassen wird. Durch diese Technik überbrücken die Züge die Lücken zwischen zwei Umspannwerken, was besondere Anforderungen stellt.“ Belastung für sie.“ Umspannwerke versorgen alle Stromversorgungsanlagen mit Strom.

Was passiert nun mit den letzten Autos der Serie? „Die letzten Züge bleiben bis zum Fahrplanwechsel am 10. Dezember 2023 als eiserne Reserve übrig“, sagte Buchner. „Im Personenverkehr würden wir sie aber nur im Extremfall einsetzen, da diese Baureihe einen hohen Wartungs- und Reparaturaufwand erfordert. Angesichts der Personalsituation in den Werkstätten wäre es sinnvoller, andere Züge einzusetzen. Nach dem Fahrplanwechsel ist definitiv Schluss.“

Die Bundespolizei und ein DDR-Museum haben Autos angeschafft

Was passiert als nächstes? „Für die Ausbildung unserer Lokführer wird im Werk Schöneweide zunächst ein Zug mit acht Wagen vorgehalten. Er kann dorthin verschoben werden. „Wenn wir es dafür nicht mehr benötigen, werden wir es dem Verein Historische S-Bahn Berlin anbieten“, sagte der oberste S-Bahn-Funktionär.

Ein Kraftfahrzeug wurde bereits an das Deutsche Technikmuseum in Berlin übergeben und die Bundespolizei in Blumberg hat einen Viertelzug zu Ausbildungszwecken erhalten. „Geplant ist, einen weiteren Zweiwagen zum DDR-Museum in Löwenberg zu transportieren. Die Feuerwehr am BER bekommt einen weiteren Viertelzug – ebenfalls auf einem Tieflader gegenüber.“

Großer Fanandrang an der Endstation Michelangelostraße im Prenzlauer Berg.  Der BVG-Bus 3265 (l.), der letzte Doppeldecker aus deutscher Produktion, absolvierte am 11. November seinen letzten Personenverkehr auf der Linie 200.  Drei weitere Bus-Oldies begleiteten den MAN Lion’s City, ohne Passagiere mitzunehmen.

Großer Fanandrang an der Endstation Michelangelostraße im Prenzlauer Berg. Der BVG-Bus 3265 (l.), der letzte Doppeldecker aus deutscher Produktion, absolvierte am 11. November seinen letzten Personenverkehr auf der Linie 200. Drei weitere Bus-Oldies begleiteten den MAN Lion’s City, ohne Passagiere mitzunehmen.Ulf Bergmann

Wenn jemand Teile oder ganze Autos kaufen möchte: Ansprechpartner sei DB Resale, sagte Buchner. Ansonsten ist die nächste und letzte Station klar: ein Schrottplatz im Rheinland. Da die Firma Bender in Opladen derzeit stark ausgelastet ist, werden einige der zur Verschrottung vorgesehenen Waggons noch einige Monate im Werk Schöneweide ausgestellt. Aber irgendwann werde es passieren, sagte Buchner. „Die letzte Reise zur Verschrottung werden die Waggons auf der Schiene antreten. Das letzte Mal wurden sie in 16-Wagen-Konvois dorthin geschleppt.“

Für die Verschrottung muss die Bahn nichts bezahlen. Im Gegenteil: Sie bekommt Geld. „Da die Fahrzeuge der Baureihe 485/885 über eine geringe Isolierung verfügen, lassen sie sich sehr gut recyceln“, erklärt Buchner. „Viel Aluminium, wenig Abfall: Das schafft einen erheblichen Schrottwert.“

Großer Abschied von der Baureihe 485 – was nun mit den Zügen passiert

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