Wirtschaft und Börse

Gerade noch innerhalb der Friedenspflicht haben die Metallarbeitgeber ein erstes Tarifangebot abgegeben.


Als Reaktion auf ein erstes Arbeitgeberangebot hat die IG Metall zu Warnstreiks in der deutschen Metall- und Elektroindustrie aufgerufen. Ab Samstag, 00.01 Uhr soll die Arbeit in ausgewählten Betrieben eingestellt werden, wie mehrere Bezirke der Gewerkschaft mitteilten. „Jetzt haben wir keine andere Wahl, wir müssen den Druck auf die Arbeitgeber erhöhen.

Wenn am Samstagabend die Friedenspflicht ausläuft, werden wir Warnstreiks in Bayern starten», erklärte der dortige IG-Metall-Verhandlungsführer Johann Horn. Angesichts stark gestiegener Verbraucherpreise fordert die Gewerkschaft 8 Prozent mehr Geld für die bundesweit knapp 4 Millionen Beschäftigten.

In Augsburg veröffentlichte der Verband der Bayerischen Metall- und Elektroindustrie als erster Arbeitgeberverband in Deutschland das vereinbarte Angebot. Bestandteile sind eine steuer- und abgabenfreie „Inflationsausgleichsprämie“ in Höhe von 3.000 Euro sowie eine spätere, noch nicht näher festgelegte Erhöhung der Gehaltsstaffel. Die bayerische Verhandlungsführerin Angelique Renkhoff-Mücke sagte, Spielraum gebe es nur für die Tarifstufe mit einer Laufzeit von 30 Monaten. Dafür musste die IG Metall im Vorfeld garantieren.

Gibt es eine Einmalzahlung?

Nach Angaben des Spitzenverbandes Gesamtmetall soll der Vorschlag auch in den anderen Tarifbereichen erfolgen. Die dritten Runden waren für Donnerstag in den Küsten- und Zentralbezirken und für Freitag in den anderen angesetzt. Rund 4.000 Metallarbeiter demonstrierten in Augsburg für höhere Löhne.

Die einflussreiche IG Metall Südwest lehnte den Vorschlag des Arbeitgebers umgehend ab. Das Angebot sei nicht annehmbar, sagte der Stuttgarter Bezirksleiter Roman Zitzelsberger in Böblingen. „Das entspricht nicht den Ansprüchen der Mitarbeiter.“ Eine nachhaltige prozentuale Lohnerhöhung ist notwendig. Auch Zitzelsberger kündigte die ersten Warnstreiks an, als die Friedenspflicht in der Nacht zum Samstag auslief. Möglich sind sie beispielsweise bei Automobilherstellern, Maschinenbauern oder anderen Metallbetrieben.

Gesamtmetall-Präsident Stefan Wolf förderte die Einmalzahlung von 3000 Euro, die der Bund steuerfrei machte. „Wir sehen die besonderen Belastungen, denen unsere Mitarbeiter derzeit ausgesetzt sind. So eine Einmalzahlung hilft sofort und hilft vor allem Beschäftigten in den unteren Lohnklassen», erklärte Wolf in Berlin. Arbeitgeber sind bereit, die vorhandenen Spielräume zu nutzen. Wachstum kann aber nur verteilt werden, wenn es in der Fläche vorhanden ist. Eine Aufstockung der Tabelle ist daher nur bei einer Laufzeit von 30 Monaten denkbar, da frühestens 2024 wieder mit Wachstum zu rechnen ist.

Höchste Nachfrage seit 2008

Der Kampf gegen die Inflation müsse von der Bundesregierung und der Europäischen Zentralbank geführt werden, forderte der Chef von Gesamtmetall. Unternehmen haben in den vergangenen Jahren ihre Arbeitsplätze behalten, um nach Überwindung der Krisen wieder durchstarten zu können. Die Situation der Unternehmen ist derzeit so unterschiedlich wie nie zuvor. Wolf forderte daher ein Differenzierungsverfahren, falls die wirtschaftliche Entwicklung schlechter als erwartet sei.

„Bis auf die Einmalzahlung von 3.000 Euro bleiben die Arbeitgeber im Ungefähren“, kritisierte Daniel Friedrich, Bezirksleiter und Verhandlungsführer der IG Metall Küste nach den Gesprächen in Bremen. «Und dafür fordern sie eine automatische Differenzierung und auch die Möglichkeit, das Weihnachtsgeld in den Betrieben zu kündigen, und fordern eine Rekordlaufzeit von zweieinhalb Jahren. Was wir vor allem vermissen, ist ein Angebot für eine dauerhafte Tischaufstockung.»

Die Forderung von 8,0 Prozent für eine Laufzeit von zwölf Monaten ist die höchste Forderung in der Metall- und Elektroindustrie seit 2008. Die zu erwartende Inflation kann damit nicht vollständig kompensiert werden, sodass Gewerkschaftschef Jörg Hofmann immer wieder staatliche Hilfen für Haushalte forderte, darunter forderte eine Energiepreisbremse. Dazu gehört auch die Lohnfreistellung bis 3000 Euro. Dies lässt sich laut Gewerkschaft auch auf feste, dauerhaft wirksame Lohnbestandteile und nicht nur auf Einmalzahlungen anwenden. In der chemischen Industrie wurden neben zwei Einmalzahlungen von jeweils 1.500 Euro zwei Tarifstufen zu je 3,25 Prozent vereinbart.



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