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Die gute Nachricht: Obwohl viele Wirtschaftsforscher mit einem schweren Einbruch gerechnet hatten, wächst die deutsche Wirtschaft. Auch für Sparer sieht es 2023 besser aus: Sie bekommen wieder Zinsen auf ihr Geld, Fonds- und Aktienkurse steigen vorsichtig. Die nicht so gute Nachricht: Anleger müssen etwas tun – sie müssen ihre Finanzen auf 2023 und die kommenden Jahre vorbereiten. Die Herausforderungen beim Sparen und Vermögensaufbau sind gewaltig. Auch wenn die Preise nicht mehr abrupt steigen und der Staat Milliarden hilft: Harte Faktoren bestimmen, wie es mit Geld, Gütern und dem großen Ganzen weitergeht.

Der umweltgerechte Umbau der deutschen Wirtschaft ist riskant und teuer. Niemand weiß, ob die Transformation zu einer klimafreundlicheren Produktion gelingt. Wenn nicht, sind wir seit langem eine der stärksten Volkswirtschaften der Welt.

Dieses Jahr wird es ohnehin holprig. Selbst optimistische Prognosen gehen von einer stagnierenden Wirtschaft aus. Die Deutschen können im Durchschnitt nicht damit rechnen, dass ihr Wohlstand zunimmt.

Die Staatsverschuldung hingegen wird wachsen. Die Regierung unterstützt die Menschen mit insgesamt mehr als 200 Milliarden Euro: für Preisbremsen bei Gas und Strom, mehr Kindergeld und höhere Freibeträge. Diese Geldflut bedeutet aber auch hohe Neuverschuldung – und damit eine extreme Belastung für kommende Generationen.

Die Bundesbank rechnet für 2023 mit einer Inflation von 7 Prozent

Und die Inflation? Sie bleibt. Und sie bleibt hoch. Bundesbankpräsident Joachim Nagel rechnet in diesem Jahr mit einem Kursanstieg von rund sieben Prozent. 2022 waren es im Schnitt noch knapp acht Prozent. „Ab 2024 werden die Inflationsraten dann deutlich sinken.“ Aber „es wird noch einige Zeit dauern, bis die Inflation wieder dort ankommt, wo sie hingehört, nämlich bei zwei Prozent.“

Das ist fatal für die Reallöhne. Die Inflation drückt das verfügbare Einkommen. Nominal dürften die Gehälter stark steigen. Aber weniger schnell als die Preise. Torsten Schmidt vom RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung: „2023 wird für die meisten wieder ein schlechtes Geschäftsjahr.“ Die Reallöhne sollen um 1,7 Prozent schrumpfen, im vergangenen Jahr waren es sogar 3,7 Prozent. Erst 2024 soll es wieder aufwärts gehen.

Du willst dein Geld sparen? Dann müssen Sie jetzt handeln

Auch wenn sich dieses Jahr besser entwickelt als erwartet: Sparer müssen auch selbst etwas tun. Indem sie ihre Anlagestrategien und Renditeziele an die stark veränderten Rahmenbedingungen anpassen.

Finanzexperten sind sich einig: Die größte Gefahr für das Geld bleibt die hartnäckige Inflation. Denn es schmälert nicht nur zukünftige Renditen, sondern frisst auch große Teile dessen auf, was bereits gespart wurde. Schon bei einer geringen Kurssteigerung von nur einem Prozent ist das investierte Geld nach 30 Jahren fast 26 Prozent weniger wert. Bei zwei Prozent Inflation sind es fast 45 Prozent. Ganz zu schweigen davon, was die Sieben-Prozent-Prognose für 2023 nach 30 Jahren bewirken würde: Die Kaufkraft würde um fast 87 Prozent schrumpfen.

Die Inflation ist gekommen, um zu bleiben. Auch weil es gut für den Staat und seine hohe Verschuldung ist: Es drückt den realen Wert des Haushaltsdefizits. Damit steigt die Versuchung, neue Schulden für neue Bedürfnisse – reale und vermeintliche – aufzunehmen.

Anleger sollten daher auch künftig mit etwa drei bis vier Prozent Inflation rechnen. Doch auch dieser moderate Preisanstieg hat bereits dramatische Folgen für die eigene Gewinnerwartung: Die langfristig realistischen sechs Prozent Rendite pro Jahr schrumpfen effektiv auf nur noch zwei bis drei Prozent.

Bescheidenheit statt Konkurrenz

Vermögensverwalter Kurt von Storch sagt: „An der Börse wird es in den kommenden Jahren weniger darum gehen, reich zu werden, als vielmehr darum, das bereits aufgebaute und aufzubauende Vermögen vor Inflation zu schützen, also Kaufkraft zu erlangen. Ohne Sachwerte geht es nicht, ohne Anteile an guten Unternehmen geht es nicht.“

Bei den persönlichen Renditezielen gilt: Bescheidenheit statt Konkurrenz. Die Zeiten, in denen der bei Anlegern so beliebte Weltaktienindex „MSCI World“ über einen Zeitraum von zehn Jahren durchschnittlich mehr als zwölf Prozent zulegte, sind vorerst vorbei. Einstellige Jahresrenditen sind viel wahrscheinlicher – abzüglich der Inflation.

Ab welchem ​​Verlust fange ich an schlecht zu schlafen?

Zudem sollten sich Sparer darauf einstellen, dass die Kurse ihrer Aktien und Zinspapiere gerade in diesen Krisenzeiten stark fallen können – und solche Rückschläge auch nervös verkraften können. „Für Anleger ist es wichtig, sich eine Frage zu stellen: Ab welchem ​​Verlust fange ich an, schlecht zu schlafen?“ kennt Vermögensverwalter Bernd Heimburger. „Die Antwort ist entscheidend für die Kombination der Anlageklassen.“ Also: Wie viele aussichtsreiche, aber volatile Aktien dürfen im Portfolio sein und wie viele stabilisierende Anleihen oder Tagesgelder dürfen es sein? Nur wer diese Frage ehrlich beantwortet, wird sich mit seiner persönlichen Finanzstrategie langfristig wohlfühlen.

Diese Vorsicht sollte jedoch niemals dazu führen, das Risiko eines Börsencrashs zu überschätzen. Denn es gab noch nie eine Krise, von der sich die Aktienmärkte nicht erholt haben. Im Gegenteil: Langfristig steigen die Preise immer. So ist es zumindest seit 150 Jahren.

Das beste Mittel gegen das Risiko eines Absturzes ist es, Schritt für Schritt mit einem regelmäßigen Sparplan zu investieren und sich an die monatlichen Raten zu halten – gerade in schwierigen Zeiten. Philipp Vorndran, Kapitalmarktstratege bei der Flossbach von Storch Vermögensverwaltung sagt: „Letztendlich sind es genau diese Phasen, von denen wir in zehn Jahren wohl sagen werden: Damals war es nicht die schlechteste Zeit, um Aktien zu kaufen.