Wirtschaft und Börse

Geld- und Reputationsverluste machen der Credit Suisse zu schaffen.


Die angeschlagene Schweizer Großbank Credit Suisse (CS) will ihre Investmentbank verkleinern und Stellen deutlich abbauen.

Die Kosten der Restrukturierung will sie durch Verkäufe und eine Kapitalerhöhung decken, wie sie am Donnerstag mitteilte. Dazu ist der Einstieg der Saudi Arabian Saudi National Bank geplant. Die CS will sich auf das Schweizer Geschäft sowie die Vermögensverwaltung und die Vermögensverwaltung, zum Beispiel von Pensionskassengeldern, konzentrieren. Rund 80 Prozent des Kapitals sollen bis 2025 auf diese Bereiche entfallen.

Gleichzeitig wies die Bank den vierten Quartalsverlust in Folge aus: 4 Milliarden Franken (rund 4 Milliarden Euro) von Juli bis September. Davon entfallen jedoch 3,7 Milliarden Franken auf die Umbaukosten. Vor Steuern betrug der Verlust 342 Millionen Franken – nach einem Gewinn von rund einer Milliarde im Vorjahreszeitraum. Die Gruppe verzeichnete Netto-Neugeldabflüsse von 12,9 Milliarden Schweizer Franken. Die Entwicklung setzte sich im Oktober fort, bevor sie sich stabilisierte. Auch im vierten Quartal rechnet die Bank mit roten Zahlen.

Keine Begeisterung für Pläne an der Börse

Bis Ende 2025 will das Institut 17 Prozent der derzeit 52.000 Stellen abbauen, 2.700 davon bis Ende dieses Jahres. Ein Großteil der Differenz zwischen den 52.000 Arbeitsplätzen und dem Ziel von 43.000 ist auf die verkauften Anteile der Investmentbank zurückzuführen. Vorstandschef Ulrich Körner, der im Sommer mit dem Ruf eines knallharten Sanierers an die Spitze der Bank geholt wurde, muss das Sparprogramm umsetzen. Die Bank hatte bereits den geplanten Verkauf des Traditionshotels Savoy in Zürich bestätigt. Das Gebäude wurde auf bis zu einer halben Milliarde Franken geschätzt.

Die Bank ist seit den Debakeln um den Zusammenbruch des milliardenschweren Hedgefonds Archegos und die Liquidation des Greensill-Fonds im vergangenen Jahr angeschlagen. Das Vertrauen in die Bank wurde durch eine Reihe von Skandalen und Gerichtsverfahren erschüttert. Der Marktwert ist seit 2017 von damals 45 Milliarden Franken auf zeitweise rund 10 Milliarden Franken im Oktober gefallen.

Die Verluste und Pläne kamen an der Börse nicht gut an. Die CS-Aktie verlor zeitweise bis zu 15 Prozent auf knapp über 4 Franken, bevor sie sich am Mittag wieder leicht erholte. Anfang Oktober war der Kurs nach Spekulationen über die Finanzlage der Bank zeitweise auf ein Allzeittief von 3.52 Franken abgerutscht.

Größter Aktionär bisher US-Unternehmen

Die Ankündigung sei nur der erste Schritt in einem langwierigen Prozess, um die Glaubwürdigkeit wiederherzustellen und das Vertrauen zurückzugewinnen, sagte Andreas Venditti, Bankenanalyst der Bank Vontobel. Die Bank darf sich keine Fehler mehr leisten. „Es wird Zeit brauchen, um Ergebnisse zu sehen.“ Die Analysten von Goldman Sachs zeigten sich enttäuscht über die Zielrendite nach der Restrukturierung 2025 von nur sechs Prozent. Aber das könnte nur signalisieren, dass die Bank jetzt sehr vorsichtig ist.

Die saudische Nationalbank hat sich verpflichtet, 1,5 Milliarden Schweizer Franken (1,51 Milliarden Euro) zu investieren, berichtet CS. Sie würde damit 9,9 Prozent des Grundkapitals halten. Größter Anteilseigner ist derzeit die US-Investmentgesellschaft Harris Associates mit einem Anteil von gut 10 Prozent. Die Bank beabsichtigt, neue Aktien im Gesamtwert von vier Milliarden Schweizer Franken auszugeben. Das ist fast ein Drittel der aktuellen Marktkapitalisierung. Eine außerordentliche Generalversammlung soll die Pläne am 23. November genehmigen.

Die Credit Suisse kündigte zwei besonders grosse Veränderungen im defizitären Investment Banking an: Erstens hat sie einen Rahmenvertrag mit einem Konsortium unter der Führung der Private-Equity-Gesellschaft Apollo unterzeichnet, das einen bedeutenden Teil des kapitalintensiven Verbriefungsgeschäfts (Securitized Products) kauft. in dem Darlehen in Wertpapiere umgewandelt werden.

Andererseits soll das Kapitalmarkt- und Beratungsgeschäft in den nächsten drei Jahren in die neue Einheit CS First Boston ausgegliedert werden. „Der künftige CS First Boston strebt die Beschaffung von Fremdkapital und eine bevorzugte, langfristige Partnerschaft mit der neuen Credit Suisse an“, so die Bank.



Schaltfläche "Zurück zum Anfang"