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Gabriel empört mit unverständlichen Katar-Aussagen – SPD-Kollegen entsetzt


Der frühere SPD-Chef Sigmar Gabriel hat am Samstag mit überraschenden Äußerungen zu Menschenrechtsverletzungen in Katar für Empörung gesorgt. „Die deutsche Arroganz gegenüber Katar ist ins ‚Ko…‘ gewandert!“ schrieb er am Samstag auf seinem Twitter-Kanal.

Gabriel vergleicht auch das menschenrechtsfeindliche Regime im WM-Gastgeberland Katar mit der deutschen Vergangenheit. „Wie vergesslich sind wir? Homosexualität war bis 1994 in D (Deutschland, Anm. d. Red.) strafbar. Meine Mutter brauchte immer noch die Erlaubnis ihres Mannes, um arbeiten zu dürfen. Wir haben ‚Gastarbeiter‘ schlecht behandelt und miserabel untergebracht“, sagte der ehemalige Vizekanzler. Das Land werde allmählich fortschrittlicher, glaubt er. „Die UNO, die ILO loben das Land für seine Reformen. Nur wir Deutschen beschimpfen es alle Tag“, beendete der ehemalige Wirtschafts- und Außenminister seine Ausführungen.

SPD-Politikerin empört: „Was für einen Unsinn schreiben Sie“

Nicht nur Nutzer des Messenger-Dienstes reagieren mit großer Kritik auf Gabriels Tweet, auch seine Parteikollegen sind entsetzt. SPD-Politiker Henning Tillmann antwortet Gabriel: „Ich kann mich nicht erinnern, dass Homosexuelle 1993 Angst haben mussten, ausgepeitscht zu werden. Oder dass in Deutschland massenhaft ‚Gastarbeiter‘ starben. Sigmar, im Ernst, das kann man doch nicht ernst meinen.“ schreibst du in diesen Tweet?“

Auch der junge sozialdemokratische Politiker Dario Schramm distanzierte sich klar von Gabriels Äußerungen. „Dieser Tweet verharmlost die Tausenden von Toten, die wegen dieser gekauften Weltmeisterschaft ihr Leben verloren haben. Kein Sozialdemokrat würde so twittern“, kommentiert er auf Twitter.

Schauspieler und Satiriker Florian Hacke wirft Gabriel Arroganz vor. „Lustigerweise ist DAS gegenüber Katar arrogant, weil ‚die sind einfach noch nicht so weit wie wir, da können wir bei all unseren Menschenrechten und so ein Auge zudrücken, weil sonst die WM nicht das wäre Viel Spaß!’“, schrieb Hacke auf Twitter.

Gabriel pflegt Kontakte zu Katar und hat das Emirat oft verteidigt

Viele Kritiker meinen, Gabriels Äußerungen seien auf seine engen Kontakte im Emirat zurückzuführen. Gabriel ist seit 2020 Mitglied des Aufsichtsrats der Deutschen Bank. Katar hält acht Prozent der Anteile, mehr als jeder andere Investor. Das Emirat werde bei vielen Entscheidungen der Bank eine Schlüsselrolle einnehmen, schrieb der „Spiegel“ im Januar 2021. Dazu gehörte auch die Entscheidung, dass Gabriel in den Aufsichtsrat wechseln solle.

In einem Interview mit dem „ZDF“ Anfang Oktober sagte Gabriel, Katar versuche, ein modernes Land zu werden. Die Arbeitsbedingungen sind nicht das, was man sich in Europa vorstellt. Aber das Land würde sich weiter entwickeln. Auch hier zog er einen Vergleich mit Deutschland. „Deutschland hat 250 Jahre gebraucht, um das Niveau der Liberalität zu erreichen“, sagt Gabriel.

Gabriel regte auch eine engere Zusammenarbeit an: „Ich denke, wir sollten das Kooperationsinteresse Katars aufgreifen, gerade bei Reformen. Um den Katarern zu helfen, so etwas wie einen Handelsverband zu gründen, Arbeitsunfälle zu untersuchen, Lohnkontrolle besser durchzuführen.“

Katar steht seit der umstrittenen Vergabe der WM 2010 besonders wegen Menschenrechtsverletzungen in der Kritik. Neben der Ausbeutung von Gastarbeitern und ungeklärten Todesfällen von Wanderarbeitern steht auch die Einschränkung der Rechte von Frauen und LGBT-Personen im Fokus.



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