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Für über eine Milliarde Dollar: Buffett verkauft massiv Aktien des Tesla-Konkurrenten BYD


Für über eine Milliarde Dollar
Buffett verkauft massiv Aktien des Tesla-Konkurrenten BYD

Von Diana Dittmer

14 Jahre lang war Investment-Legende Warren Buffett ein treuer Fan des Tesla-Konkurrenten BYD. Anscheinend nicht mehr. In mehreren Tranchen verkauft er große Anteile an Chinas E-Autobauer Nummer 1. Warum tut Buffett das? Und was will er mit dem Geld?

Altmeister Warren Buffett hat mit seinen 90 Jahren nichts von seiner Faszination verloren. Jede Transaktion wird von seiner Fangemeinde genau verfolgt, immer in der Hoffnung, von der sorgfältigen Aktienauswahl seines Anlagevehikels Berkshire Hathaway zu lernen und davon zu profitieren. Auch die Deals der letzten Monate sind nicht unbemerkt geblieben. Sie werfen Fragen auf.

Berkshire Hathaway 477.019,99

Laut Börsenunterlagen baut Buffetts Anlagevehikel seit mehreren Monaten in großem Umfang und in beschleunigtem Tempo Positionen in Teslas chinesischem Konkurrenten BYD ab. Allein in der vergangenen Woche wurden nach Angaben des US-Senders CNN 3,2 Millionen in Hongkong notierte Aktien an Chinas Nummer 1 unter den Elektroautoherstellern verkauft. Geschätzter Wert: 80 Millionen US-Dollar. Der Anteil von Berkshire schrumpfte auf 15,99 Prozent.

Die Transaktion wäre nicht der Rede wert, wenn es nicht die fünfte in vier Monaten wäre. Insgesamt hat Berkshire seit August mehr als 49 Millionen BYD-Aktien verkauft. Wie hoch die Erlöse aus diesen Verkäufen sind, lässt sich nur schätzen: Bei einem durchschnittlichen Aktienkurs von 205 Hongkong-Dollar (entspricht 26 US-Dollar) in den vergangenen Monaten würde sich der Gewinn auf 1,2 Milliarden US-Dollar summieren.

Gründe für den Verkauf sind nicht bekannt. Es war definitiv eine rentable Investition. Buffett ist seit 2008 Großaktionär von BYD. Damals tobte die Finanzkrise und die Aktien waren tief gefallen. BYD wurde bei nur 8 HK$ (1,02 US$) gehandelt. Der texanische Milliardär nutzte die Gelegenheit und kaufte Aktien für insgesamt 230 Millionen Dollar – zum Schnäppchenpreis. Die Aktie ist jetzt ein Vielfaches wert.

BYD hatte sein bestes Jahr vor zwei Jahren. Der chinesische Elektrofahrzeugmarkt boomte und das Unternehmen stellte die „BladeBattery“ vor. Die neue Superbatterie für Elektroautos setzte nicht nur durch ihre geringe Wärmeentwicklung neue Maßstäbe in der Sicherheit von Elektroautos, die Batterie sorgte auch für eine höhere Reichweite und hatte eine deutlich längere Lebensdauer. Die Börse honorierte die Erfindung im Jahr 2000 mit einer Kurssteigerung von 400 Prozent. Buffett und Berkshire verdienten Geld.

Tech-Korrektur und Anti-China-Politik

BYD
BYD 21.66

Auch sonst bleibt die meistverkaufte Elektroautomarke Chinas auf Erfolgskurs. Es hat den US-Konkurrenten Tesla auf dem Heimatmarkt hinter sich gelassen. Während BYD im Oktober nach Angaben der China Passenger Car Association 103.157 reine Elektrofahrzeuge in China auslieferte, rollte Tesla nur 71.704 Fahrzeuge aus dem Tesla-Werk in China aus.

Elektroautos sind in China so gefragt wie anderswo. Der Absatz von Fahrzeugen, die zumindest teilweise von einem Elektromotor angetrieben werden, stieg im Oktober um 87 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der Platzhirsch BYD hat sich mehr als nur ein kleines Stück vom Kuchen gesichert. Unter dem Strich hat sich sein Verdienst mehr als verdreifacht. Das Unternehmen kann mehr als jeder andere Autohersteller von staatlichen Anreizen für Elektroautos in China profitieren.

Warum steigt Buffett jetzt aus? Laut Ferdinand Dudenhöffer vom CAR Center Automotive Research gibt es mehrere Gründe für einen Rückzug. Tech-Aktien kämpfen seit geraumer Zeit. Auch BYD kann sich dem Abwärtssog der Branche nicht entziehen. Der Kurs des chinesischen Elektroherstellers liegt rund 30 Prozent unter seinem Allzeithoch. „Man sollte davon ausgehen, dass die Tech-Konzerne insgesamt noch nicht ihren Tiefpunkt erreicht haben“, sagt der Autoexperte ntv.de. „Tech-Produkte sind sehr energieintensiv und werden daher in den nächsten Jahren weltweit mit hohen Energiepreisen konfrontiert sein.“

BYD steht für die meisten Elektrofahrzeuge und deren Batterien. Das Unternehmen produziert aber auch Solaranlagen, Energiespeicher und Halbleiter – die unter anderem für die Automobilindustrie wichtig sind – und für die Chipproduktion benötigt werden. Hier kommt die China- und US-Politik ins Spiel.

Die Gefahr einer Anti-China-Politik unter US-Präsident Joe Biden und die Risiken für US-dominierte Unternehmen und Investoren dürften laut Dudenhöffer in Buffetts Anlagestrategie eine Rolle spielen. Die Halbleiter-Sanktionen seien ein „ganz klares“ Zeichen, in welche Richtung sich die Dinge entwickeln könnten. „Man kann sich leicht vorstellen, dass Buffett sich absichern möchte, indem er das Risiko seines China-Portfolios reduziert.“

Auch Bidens Inflation Reduction Act ist ein Argument für den Rückzug aus China. Fahrzeuge aus dem Ausland, die keine US-Batterie verbauen, erhalten laut Gesetz keine Steuervorteile mehr. „Eine ganz klare Handelsschranke und protektionistische Maßnahme, die Bidens Regierung hier errichtet hat. Elektroautos aus China, etwa von BYD, stehen in den USA auf der Verliererseite“, sagt Dudenhöffer.

Was macht Buffett mit 1,2 Milliarden Dollar?

Tesla Motors (USD)
Tesla Motors (USD) 183.20

Bleibt die Frage, was der US-Investor mit dem Geld vorhat? Steigt er irgendwo gleichzeitig ein? Wenn Buffett irgendwo bereits großangelegte Investitionen tätigt, dann im Verborgenen. Laut „Handelszeitung“ haben Börsenexperten zumindest einen kleinen Vorsprung herausgeholt. Berkshire Hathaway hat bereits im dritten Quartal viele Aktien eines einzigen Unternehmens gekauft. Der Kauf sei den Behörden in den USA lediglich nicht öffentlich gemeldet, sondern gesondert kommuniziert worden, heißt es. Berkshire begründete dies damit, dass die Transaktion den Aktienkurs des Unternehmens zu sehr beeinflussen würde. Dies könnte darauf hindeuten, dass weitere Käufe getätigt werden sollten.

Die Summe, die Buffett bereits investiert haben soll, wird auf 11 Milliarden Dollar geschätzt. Da die Meldeschwelle von fünf Prozent nicht überschritten wurde, müsse es sich um ein großes Unternehmen handeln, hieß es. Und weil eine Geheimhaltung bei den US-Behörden sonst nicht möglich gewesen wäre, konnte es sich nur um ein amerikanisches Unternehmen handeln.

Angeblich passen 26 börsennotierte Unternehmen in den USA in dieses Schema. Zu den üblichen Verdächtigen aus der Konsumgüterindustrie wie Coca-Cola oder dem Pampers-Hersteller Procter & Gamble, die vor zehn Jahren einst für Buffett interessant waren, heute aber kaum noch eine Rolle spielen, gehört BYDs US-Rivale Tesla. Die Technologiebranche in Form von Apple ist heute bei weitem die größte in Buffetts Portfolio. Wie es der Zufall so will, sollen es rund 50 Millionen Tesla-Aktien sein, die bei keinem Großaktionär mehr auftauchen. Hat Buffett das schon benutzt?

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