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Frauenhäuser: Das Patriarchat kostet (nd-aktuell.de)


Seit Jahrzehnten kämpfen Frauen für mehr Geld für Frauenhäuser und Schutz vor Gewalt.

Foto: dpa/Gregor Fischer

Der Europarat stellt fest, was Experten seit Jahren predigen: Der Schutz vor Gewalt ist für Frauen in Deutschland unzureichend. Seit der Ratifizierung der Istanbul-Konvention vor vier Jahren hat sich wenig verbessert. Akut von häuslicher Gewalt betroffene Frauen können in Frauenhäusern Zuflucht suchen – theoretisch. In der Praxis hängt es stark von der Region ab, ob ein Platz verfügbar ist. Es gibt zu wenig Plätze in Frauenhäusern und die Finanzierung ist ein Flickenteppich. Zudem müssen viele Frauenhäuser und Beratungsstellen ihre Mittel von Jahr zu Jahr neu beantragen, was ohnehin knappe personelle Ressourcen verschlingt.

Am Freitag bekräftigte Frauenministerin Lisa Paus (Grüne) ihren Plan, auf Bundesebene einen rechtlichen Rahmen für eine verlässliche Finanzierung von Frauenhäusern zu schaffen. Unklar bleibt jedoch, ob damit ein Rechtsanspruch auf Schutz und Hilfe im Gewaltfall gemeint ist, wie etwa die Frauenhaus-Koordinierungsstelle. Dies wäre eine gute Möglichkeit, die Versorgung und Finanzierung sicherzustellen. Dies zeigt beispielsweise die Umsetzung des Rechtsanspruchs auf Kindertagesbetreuung ab dem ersten Lebensjahr in Berlin.

Aber vielleicht braucht es etwas Radikaleres, wie etwa einen Haushaltsposten zur Beseitigung des Patriarchats. Denn all diese Probleme sind seit langem bekannt. Gewalt gegen Frauen ist kein „Frauenproblem“, sondern ein gesamtgesellschaftliches. Häusliche Gewalt kostet den Staat Geld: Polizei, Frauenhäuser, medizinische Versorgung. Ja, es sollte in den Schutz vor Gewalt investiert werden. Aber auch in der Gewaltprävention. Denn die Ursachen geschlechtsspezifischer Gewalt liegen in ungleichen Machtverhältnissen. Das gesamtgesellschaftliche Ziel sollte es daher sein, dieses Machtverhältnis zu beseitigen – nicht erst in 200 Jahren.