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Flucht aus Russland: Unterlassene Hilfeleistung (nd-aktuell.de)


Männer, die nicht in der Ukraine verbrannt werden wollen oder Putins Spione sind? Omid Nouripour ist sich da nicht so sicher.

Foto: AP/dpa/ Zurab Tsertsvadze

Stellen Sie sich vor, Gelsenkirchen wäre innerhalb weniger Tage menschenleer. Die gleiche Zahl von Männern, 261.000, hat Russland seit Beginn der Mobilisierung verlassen. Und der Strom der fliehenden Männer reißt nicht ab. Kaum einer von ihnen wird es in die EU schaffen. Es hat bereits seine Grenzen geschlossen und sogar einen Mann illegal nach Estland zurückgeschickt.

Europa wiederholt seinen Fehler vom Februar, als es den Russen die kalte Schulter zeigte und ihnen sagte, dass sie selbst schuld seien und dass sie leiden müssten. Aber die aktuelle Situation ist anders. Ohne Übertreibung geht es um Leben und Tod. Wann, wenn nicht im Krieg, sollten Männer Kriegsdienstverweigerung leisten? Die Idee scheint zumindest bei der sozialdemokratischen Innenministerin Nancy Faeser angekommen zu sein. Sie sei offen für die Aufnahme von Russen, sagte sie vor ein paar Tagen. Leider ist seitdem nichts passiert.

Dass der grüne Koalitionspartner Russen unter Generalverdacht stellt, erschwert die Aufnahme zusätzlich. Der Co-Vorsitzende der Partei, Omid Nouripour, fordert Sicherheitskontrollen, um Trittbrettfahrer auszuschließen. Die Angst vor der Mobilisierung reiche nicht aus, um in Deutschland Asyl zu bekommen, findet er. Anstatt Männer vor dem Tod zu retten, sieht Nouripour sie als Kreml-Spione und lobt die Balten für ihre russophobe Politik. Doch nicht jeder Russe, der in Europa ist, kann für Putin kämpfen.

Deutschland hat seine Willkommenskultur abgelegt. Herkunft ist wichtiger als die Überlebensfrage. Russischen Männern wird gerade der Mittelfinger ausgestreckt gezeigt. Verdacht statt Eingeständnis: Unterlassene Hilfeleistung.