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Die Nationalmannschaften hätten Geldstrafen akzeptiert, aber die europäischen Verbände wollten keine von der FIFA angedrohten Personenstrafen wie gelbe Karten gegen ihre Kapitäne riskieren. Aus diesem Grund verzichten die Kapitäne der an der Kampagne für Gleichberechtigung und Meinungsfreiheit beteiligten Verbände auf das Tragen der „One Love“-Kapitänsbinde.

Alle News zur WM finden Sie im Ticker: WM 2022 im Newsticker – Fifa verbietet „One Love“-Verband: „Das war eine klare Drohung“

Allerdings wird die Drohung des Weltfußballverbandes nicht durch ein eigenes Regelwerk gedeckt. Darüber schreiben unter anderem die Regelexperten von „Collinas Erben“ auf Twitter.

Die Fifa begründete das Verbot mit einem von allen Teilnehmern anerkannten WM-Reglement. In einer Erklärung vom Montag betonte der Verband ausdrücklich Artikel 13.8.1 des Ausrüstungsreglements: „Für Fifa-Endrunden muss der Kapitän jeder Mannschaft eine von der Fifa zur Verfügung gestellte Armbinde tragen.“ Die Fifa unterstützt Kampagnen wie „One Love“, allerdings muss dies im Rahmen der allen bekannten Regeln geschehen.

Die FIFA wehrt sich gegen Diskriminierung, verbietet aber die Kapitänsbinde von „One Love“.

Laut „Collinas Erben“ kann die Fifa durchaus das Tragen einer bestimmten Kapitänsbinde anordnen oder Verstöße nachträglich ahnden. „Aber solange eine Meldung nicht eindeutig unsportlichen Charakter hat, gibt es für den Schiedsrichter keinen Grund, eine gelbe oder rote Karte zu zeigen.“

Komisch, vor allem, wenn die Fifa selbst betont, dass sie gegen Diskriminierung ist. „Das ist genau das, was ‚One Love‘ aussagt. Ich bezweifle, dass die Anweisung der Schiedsrichter, das Tragen dieser Armbinde gelb zu machen, im Regelwerk enthalten ist.“

Bei einer politischen Botschaft ist die Fifa für die Sanktionierung zuständig, nicht der Schiedsrichter

Auch der Absatz, der sich mit verbotenen politischen Botschaften befasst, steht im Fokus. „Im Falle eines Verstoßes gegen diese Bestimmung werden der Spieler und/oder die Mannschaft vom Wettbewerbsveranstalter, dem nationalen Fußballverband oder der FIFA sanktioniert“, heißt es in den internationalen Regeln.

Für „Collinas Erben“ ist dies auch kein Argument für eine sogenannte persönliche Strafe wie eine gelbe oder rote Karte für einen Spieler. „Regel 4 (Ausrüstung) besagt, dass unter anderem keine politischen Botschaften auf der Spielkleidung gezeigt werden dürfen“, so die Experten.

Die Sanktionierung liegt jedoch in der Verantwortung des Veranstalters, in diesem Fall der FIFA, und nicht des Schiedsrichters. „Sie verhängen nur eine persönliche Bestrafung, wenn die Botschaft beleidigend, provokativ usw. ist. Das ist beim ‚One Love‘-Block sicherlich nicht der Fall.“

Schiedsrichterexperten haben keine Zweifel daran, dass die Fifa Elfmeter um jeden Preis durchsetzen würde

Die Regelexperten zweifeln aber nicht daran, dass die Fifa dennoch eine Personenbestrafung durchsetzen würde, egal ob vom Regelwerk gedeckt oder nicht. „Wenn die Fifa das anordnet, werden sich die Schiedsrichter nicht dagegen wehren. Und am Ende kann man noch einen Twist finden, um die Verwarnung regeltechnisch zu legitimieren (Widerstand gegen eine Anordnung des Schiedsrichters oder ähnliches).“

Die Kampagne war eine gemeinsame Anstrengung, die im September von Mannschaften aus Deutschland, England, den Niederlanden, Belgien, der Schweiz, Wales, Frankreich, Dänemark sowie Norwegen und Schweden angekündigt wurde, die sich beide nicht für die Weltmeisterschaft qualifiziert haben. Die beteiligten Verbände hatten wiederholt erklärt, von der Fifa keine Reaktion auf ihr Vorhaben erhalten zu haben. Frankreichs Kapitän Hugo Lloris kündigte früh an, den Verband nicht zu tragen.