Jannah Theme License is not validated, Go to the theme options page to validate the license, You need a single license for each domain name.

Europa in Aufruhr: Der Fußball feiert seine beste Saison seit langem

Europa in Aufruhr
Der Fußball feiert seine beste Saison seit langem

Von Florian Papenfuhs

Haben Sie in letzter Zeit das Interesse am Fußball verloren? Verständlicherweise gewinnen immer die gleichen Teams. Doch irgendetwas hat die Fußballwelt letzten Sommer auf den Kopf gestellt. Das Resümee einer bemerkenswerten ersten Saisonhälfte.

Sepp Herberger hat einmal einen legendären Satz formuliert: „Die Leute gehen zum Fußball, weil sie nicht wissen, wie es ausgehen wird.“ Doch das scheint in der heutigen Zeit nicht mehr zu gelten. Geld entscheidet oft. Der gemeine Fußballfan, der Sponsor der gesamten Veranstaltung ist, musste in den letzten Jahren einiges ertragen. Die Bayern jubeln ewig in der Bundesliga. FIFA selbst. VAR-Entscheidungen mit der Transparenz von Beton oder der Handregel wurden bis zur Unkenntlichkeit verschlechtert. Der Konflikt, dass man sich eigentlich freuen möchte, wenn sich seine Lieblingsmannschaft am letzten Spieltag für den Europapokal qualifiziert hat, gleichzeitig aber weiß, dass man nun noch drei weitere TV-Abos abschließen muss. Hinzu kommen die Sportswashing-Offensiven von Katar und Saudi-Arabien, sozusagen als Headliner beim Fanfest der Entfremdung.

Seit über zehn Jahren marschiert der FC Bayern in der Bundesliga zum Titel. Vor rund einem Jahr feuerte der Klub in Sachen Unterhaltung abseits des Platzes auf Hochtouren (Neuers Skiunfall, die Trennung von Nagelsmann, die Trennung von Salihamidžić, die Trennung von Kahn), doch der medial schwankende Riese bleibt bestehen Die Bundesliga war immer so zuversichtlich, dass es zum Titel (und einem 4:0-Sieg gegen den BVB) reichen würde. Auch im letzten Jahr, als der Rekordmeister bereits ausgezählt schien.

In England sieht es nicht viel besser aus. Pep Guardiola, der beste Trainer der Welt, und sein Verein, der ihm völlig ergeben ist, nutzen endlose Ressourcen, um eine Maschine zu schaffen, die Fußball nur scheinbar simuliert. Selbst in der lang erwarteten Königsklasse gibt es kein Spiel gegen Manchester City. Beim 4:0-Halbfinalsieg im Mai geriet Real Madrid, der andere Langzeitsieger des Potts, schwer unter die Räder. Der Weltfußball ist ein mit Geld gehebelter Wettbewerb, bei dem sich außer der Summe für die höchste Ablösesumme nichts ändert.

Was Sie bisher verpasst haben

Doch irgendwann im Sommer 2023 beschließt die Realität, einen Moment innezuhalten. Denn was in der Vergangenheit passiert ist Dass die Stadien Europas innerhalb weniger Monate überrollt werden, kann nur ein Produkt der Fantasie sein. Wenn Sie aus allen oben genannten Gründen dem Fußballzirkus ferngeblieben sind, finden Sie hier eine unvollständige Liste aller unvorhergesehenen Absurditäten:

  • In Spanien ist der FC Girona (!) Zweiter, punktgleich mit Real Madrid.
  • Die Bundesliga genießt einen bestehenden Titelkampf, angeführt von einem wütenden Bayer Leverkusen.
  • Stuttgarts Stürmer Serhou Guirassy entdeckt seinen inneren Gerd Müller und schießt 16 Tore.
  • Kurios: Er ist immer noch nicht Erster in der Torschützenliste (denn Harry Kane hat 18 Tore).
  • Manchester United ist nach fünf Spieltagen Letzter seiner Champions-League-Gruppe – hinter den Bayern, Galatasaray Istanbul und dem FC Kopenhagen.
  • Die Bayern hingegen scheiden im DFB-Pokal in der zweiten Runde gegen Saarbrücken aus.
  • Das gallische Dorf Union Berlin steckt im Abstiegskampf.
  • Der FC Schalke 04 befindet sich im Abstiegskampf – in der zweiten Liga.
  • Auf Sky gibt es einen Fußball-Talk mit Roman Weidenfeller und Riccardo Basile.

Ajax, Lyon, Union, Schalke – Abstiegskampf

Die halbe Saison ist gespielt und es sieht tatsächlich so aus, als ob es in allen vier Top-Ligen Europas einen neuen Meister geben könnte (!). Aber nur wegen sportlicher Höhenflüge ist es keineswegs sehenswert. Auch völlig unerklärliche Leistungseinbrüche liegen im Trend. In den Niederlanden hat der Spitzenklub Ajax Amsterdam den schlechtesten Saisonstart seit 1965 hingelegt. Sportdirektor Sven Mislintat wurde Ende September entlassen, inzwischen hat sich der Klub einigermaßen erholt.

Das kann man von Olympique Lyon sicher nicht behaupten. Der ehemalige französische Serienmeister ist Letzter. Bisher gibt es einen Sieg. Und in Deutschland rätseln Experten, Fans und Verantwortliche gleichermaßen über die mehrfachen Krisen auf Schalke und in Köpenick. Ausgerechnet zwischen den Champions-League-Spielen gegen Real Madrid und SSC Neapel schleicht sich eine Saison heran, in der das passiert, was alle Außenseiter seit dem Aufstieg von Union erwartet haben – ein Abstiegskampf. Der unverwüstliche Urs Fischer, Sinnbild für den märchenhaften Aufstieg der vergangenen Jahre, ist kein Trainer mehr.

Auf Schalke gerät das Gesamtgefüge aufgrund des sportlichen Niedergangs erneut ins Wanken. Trainer Thomas Reis wurde entlassen und Sportdirektor Peter Knäbel für den Sommer zurückgetreten. Im Hintergrund moderiert der ewige Clemens Tönnies seine eigene Rückkehr, bisher erfolglos. Einziger Lichtblick war der aktuell verletzte Rohdiamant Assan Ouédraogo. Für den 17-Jährigen steht ein Abgang unmittelbar bevor scheint eine beschlossene Sache zu sein.

Allen voran Jude Bellingham

Aber auch etabliertere Spieler wissen zu überraschen. Serhou Guirassy, ​​im Sommer von Lothar Matthäus dem FC Bayern empfohlen, punktet und punktet und punktet, als würde er morgen gesperrt werden. Fairerweise muss man sagen, dass Manuel Neuer, wie angekündigt, die Tatsache, dass er seit fast einem Jahr nicht mehr auf dem Feld steht, einfach ignorieren kann.

Und Alejandro Garnacho hat vor dem Elfmeterschießen mehrmals den Rasen getreten, aber in letzter Zeit wahrscheinlich das hier Tor des Jahres erreicht. Die bedrängten United-Fans haben es verdient. Jude Bellingham aus New Madrid schwebt über allem. Der Ex-Dortmunder hat die Royal-Fans im wahrsten Sinne des Wortes im Sturm erobert. Carlo Ancelotti entwirft für ihn nach seiner Ankunft eine neue Rolle; Hinter den beiden nominellen Stürmern soll Bellingham die Freiheit haben, immer wieder in den Strafraum vorzudringen. In 17 Spielen erzielte er 15 Tore. In Dortmund waren es 24. In drei Jahren.

Damit schießt Bellingham Real an die Tabellenspitze, ganz konkurrenzlos sind seine Königlichen aber nicht. Noch vor dem FC Barcelona ist der FC Girona punktgleich erster Verfolger. Erst im vergangenen Jahr aufgestiegen, konnte der Klub, der nur zu Hause vor knapp 15.000 Zuschauern spielt, bisher mit den ganz Großen des spanischen Fußballs mithalten. Und ja, das Fußballmärchen hat möglicherweise auch damit zu tun, dass der City-Konzern Miteigentümer von Girona ist und Spieler mit einer Manchester-City-Vergangenheit stets das rot-weiße Trikot tragen.

Chelsea und United stolpern durch die Liga

Das von Pep Guardiola trainierte Mutterschiff der Insel hat derzeit etliche Konkurrenten um den Meistertitel. Der Citizens-Rang derzeit nur auf dem dritten Platz, zwischen Tabellenführer Arsenal und dem Viertplatzierten Aston Villa nur vier Punkte auseinander. Mit der Tabellenspitze haben die Nachbarn Manchester United (7.) und der zum planlosen Prestigeprojekt verkommene FC Chelsea (10.), der sich trotz illustrer Transferausgaben unter dem neuen Trainer Mauricio Pochettino nicht zurechtfindet, nichts mehr zu tun. Einfach nur Geld zu haben, scheint in der Premier League nicht mehr zu reichen.

Es kann wirklich nicht viel besser werden. Und vielleicht wird es auch nicht so sein. Vielleicht wird am Ende alles wieder kläglich langweilig, Bayern gewinnt mit einem Tor in der 15. Minute der Nachspielzeit am letzten Spieltag die Meisterschaft, Real Madrid gewinnt die Champions League und Frankreich gewinnt die Europameisterschaft. Im Moment ist die einzige Konstante die Überraschung. Deshalb ein Appell an alle, die dem grünen Rasen in den letzten Jahren den Rücken gekehrt haben: Schauen Sie wieder Fußball. Im Moment weiß man nicht, wie es ausgehen wird.