Skip to content
Erst prüfen, dann erklären: So lehnen Sie eine Erbschaft richtig ab

Erst prüfen, dann erklären
Wie man eine Erbschaft richtig ausschlägt

Nur sechs Wochen – für das Ausschlagen einer Erbschaft bleibt nach Bekanntwerden meist keine Zeit mehr. Aber warum sollte man das überhaupt tun? Experten erklären, worauf beim Erben zu achten ist.

Wer erbt, bekommt nicht immer volle Sparkonten, Aktienpakete oder Immobilien. Pechvögel erben Schulden oder baufällige Gebäude. Es besteht aber die Möglichkeit, das Erbe auszuschlagen. Unsere Experten erklären, wann, wie und worauf zu achten ist.

Es gibt viele Gründe, auf ein Erbe zu verzichten

„Es gibt viele gute Gründe, eine Erbschaft abzulehnen“, sagt Britta Beate Schön, Rechtsexpertin beim Ratgeberportal Finanztip.de. „Dazu gehören neben Schulden und Verbindlichkeiten aller Art auch etwaige Kosten, die durch das Erbe entstehen können. Zum Beispiel, weil bei einer Altimmobilie Renovierungen notwendig sind.“ Auch wenn die Erbschaft mit viel Arbeit verbunden ist, beispielsweise wegen der Pflege einer entfernten Immobilie, kann es sinnvoll sein, die Erbschaft auszuschlagen.

Oder wenn die eigene Vermögenslage ungünstig ist: „Auch die Überschuldung des Erben kann ein Grund sein, die Erbschaft auszuschlagen“, sagt Max Ehrl, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Notarvereins, „in der Folge hätten die Gläubiger keinen Zugriff zum Erbe.“

Verschaffen Sie sich einen Überblick über die finanzielle Situation

Bevor Sie eine Erbschaft ausschlagen, müssen Sie natürlich wissen, was Sie erben. Und das haben Sie geerbt. Denn es ist keineswegs selbstverständlich, dass die Erben informiert werden. Dies geschieht nur, wenn der Erblasser ein Testament hinterlassen hat und dieses dem Nachlassgericht vorliegt. In einem solchen Fall nimmt das Nachlassgericht Kontakt mit dem oder den Erben auf. „Wenn kein Testament vorliegt, müssen sich die Erben selbst um ihren Nachlass kümmern“, sagt Britta Beate Schön.

Dies kann schwierig sein, da es notwendig ist, sich einen Überblick über die finanzielle Situation des Verstorbenen zu verschaffen. Dazu müssen Unterlagen durchforstet werden – Korrespondenzen, Kontoauszüge, Grundbuchauszüge, Darlehensverträge, alles was sich finden lässt. Manchmal verweigern die Banken die Auskunft, wenn die Erben ohne Erbschein um Auskunft bitten. Aber das ist nicht legal. „Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass es ausreicht, wenn der Erbe seine Erbenstellung durch ein notarielles Testament oder einen Erbvertrag im Zusammenhang mit dem gerichtlichen Eröffnungsprotokoll nachweist“, erklärt Rechtsexperte Schön.

Nur Teile des Erbes abzulehnen, funktioniert nicht

Hat man sich einen Überblick über den Nachlass verschafft, muss man sich entscheiden: Alles oder nichts? „Man kann keine Teilobjekte aussparen“, sagt Max Ehrl. Wer die heruntergekommene Immobilie nicht will, bekommt den Picasso auch nicht an die Wand.

Ganz wichtig: Wer erbt, erbt automatisch. „Wenn er oder sie das Erbe nicht annehmen will, muss die Ablehnung begründet werden, sonst wird das Erbe angenommen“, sagt Ehrl. Der Verzicht gilt dann rückwirkend, Sie sind sozusagen enterbt.

Wer das Erbe ausschlagen möchte, hat dafür in der Regel sechs Wochen Zeit. Eine längere Frist gilt nur, wenn der Erblasser oder Erbe im Ausland lebt. Dafür hat der Erbe dann sechs Monate Zeit. Es klingt in manchen Fällen kurz, aber: „Die Frist beginnt nicht mit dem Tod des Erblassers, sondern mit Kenntnis der Erbschaft“, sagt Britta Beate Schön. Also entweder, wenn sich das Nachlassgericht meldet oder wenn Sie nach dem Tod des Erblassers wissen, dass Sie als Nächster in der Erbfolge stehen.

So lehnen Sie eine Erbschaft richtig ab

Wer das Erbe ausschlagen will, muss eine Verzichtserklärung abgeben. Dies kann er entweder bei einem Notar oder einem Nachlassgericht tun. Dabei sind bestimmte Formvorschriften zu beachten. „Ein Brief oder eine E-Mail reichen nicht aus“, sagt Max Ehrl vom Deutschen Notarverein. „Die Verzichtserklärung ist entweder persönlich beim Nachlassgericht zu Protokoll zu nehmen oder von einem Notar öffentlich zu beglaubigen und dem Nachlassgericht zuzusenden.“

Der Verzicht darf nicht an Bedingungen geknüpft werden, sonst ist er unwirksam und die Erbschaft gilt als angenommen. Die zuständigen Nachlassgerichte sind entweder das des Erben oder das des Erblassers.

Übrigens: Eine einmal abgelehnte Erbschaft lässt sich nur schwer wieder rückgängig machen. So wie man es einmal angenommen hat. Trotzdem gibt es Möglichkeiten. „Rechtliche Anfechtungsgründe sind beispielsweise arglistige Täuschung, Irrtum oder Drohung“, sagt Max Ehrl. In manchen Fällen kann die Erbschaft noch bis zu 30 Jahre nach der Erbschaft angefochten werden. Aber dann ist es vorbei.

Bei einem Verzicht rückt die Erbschaft in der Erbfolge vor

Wird die Erbschaft abgelehnt, ist der Erbe an der Reihe. Und dann der Erbe des Erben des Erben. Der Nachlass fällt immer an den nächsten in der Erbfolge. Grundsätzlich können Eltern das Erbe für ihre minderjährigen Kinder ausschlagen. In manchen Fällen muss auch das Familiengericht dem Verzicht zustimmen.

Auch wenn der letzte Erbe in der Erbfolge das Erbe nicht will, bekommt der Staat alles. Im Gegensatz zu allen anderen Erben vor ihm muss er die Schulden nicht bezahlen.