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Erst aggressiv, dann liebevoll: Der emotionale Djokovic erledigt Gegner rücksichtslos

Erst aggressiv, dann liebevoll
Der emotionale Djokovic geht gnadenlos mit Gegnern um

Erst diskutiert er mit seinem Trainer, dann beschwert er sich beim Schiedsrichter – und schließlich singt Novak Djokovic ein Geburtstagslied für seine Mutter. Mitten im Viertelfinale beschäftigt sich der Tennisstar viel mit Dingen außerhalb des Sports – doch sein Kontrahent ist noch chancenlos.

Novak Djokovic war plötzlich zum Scherzen zumute und sang seiner Mama sogar ein verspätetes Geburtstagslied vor. „Ich könnte mit meinem Tennis nicht zufriedener sein“, sagte der große Titelfavorit nach dem Erreichen des Halbfinals in Melbourne: „Ich liebe es, an so einem besonderen Ort für mich zu spielen.“

Zuvor hatte Djokovic in der Rod Laver Arena eine ganz andere Seite gezeigt. Er beschwerte sich über einen Fan, schrie wütend in Richtung seiner Box – und nachdem er die nötige Aggressivität aufgebaut hatte, zeigte er dem Russen Andrei Rublev beim 6:1, 6:2, 6:4 gnadenlos die Grenzen auf. Djokovic, der wird erstmals seit 15 Jahren von seinen Eltern nach Australien begleitet, ist nur noch zwei Schritte von seinem 22. Grand-Slam-Titel entfernt und in dieser Form wohl unantastbar.

Der 35-jährige Serbe erreichte zum zehnten Mal das Achtelfinale in Down Under. Wann immer Djokovic dort dieses Niveau erklommen hat, hat er sich auch den Titel gesichert. Sein 26. Sieg in Folge stellte auch Andre Agassis Rekord für die längste Siegesserie beim Yarra River-Turnier ein. Rublev hingegen verlor auch sein siebtes Majors-Viertelfinale.

Klarer Favorit im Halbfinale

Djokovic, der in Australien mit Grand-Slam-Rekordsieger Rafael Nadal aus Spanien gleichziehen kann und seine viel diskutierten Oberschenkelprobleme im Griff hat, trifft nun am Freitag im Endspielduell auf Tommy Paul, der als erster US-Spieler seit 14 Jahren angetreten ist Jahre bis zum Erreichen des Halbfinales in Melbourne erreicht. Der 25-Jährige aus New Jersey gewann gegen Landsmann Ben Shelton 7:6 (8:6), 6:3, 5:7, 6:4. Das zweite Halbfinale bestreiten Stefanos Tsitsipas aus Griechenland und Karen Khachanov aus Russland.

Als klarer Außenseiter wird sich Paul nun gegen Djokovic in die schier unlösbare Aufgabe stürzen. „Ich spiele mein bestes Tennis, also ist es ein guter Zeitpunkt dafür“, sagte er am Mittwoch selbstbewusst. Insgesamt sorgt der Aufschwung im US-Tennis für Aufsehen. „Schließlich investieren sie viel Geld von ihrem Verein“, sagte Boris Becker bei Eurosport. Ein Athlet der „absoluten Weltklasse“ fehlt noch.

Weißrussland-Duell trotz Sanktionen möglich

Andreas Mies kann im Doppel Weltklasseleistungen abliefern, musste aber im Viertelfinale aufgeben. Der Spezialist aus Köln unterlag an der Seite des Australiers John Peers dem spanisch-argentinischen Team Marcel Granollers/Horacio Zeballos mit 4:6, 7:6 (7:2), 2:6. Trotzdem nahm Mies „viel Positives“ mit sein erstes Grand-Slam-Turnier nach dem Abgang von Kevin Krawietz.

Im Dameneinzel könnte es derweil ein rein weißrussisches Finale geben. Nach Viktoria Azarenka ist das Halbfinale am Donnerstag (9.30 Uhr bei Eurosport und im ntv.de-Liveticker) gegen Wimbledon-Siegerin Jelena Rybakina aus Kasachstan eröffnet, setzte sich auch Aryna Sabalenka überzeugend mit einem 6:3, 6:2 gegen die Kroatin Donna Vekic durch. Sie trifft nun auf die Polin Magda Linette, die beim 6:3, 7:5-Sieg gegen die Tschechin Karolina Pliskova mit ihrem Kampfgeist punktete.

„Ich werde alles dafür tun“, sagte Sabalenka über die Hoffnung auf ein Weißrussland-Duell: „Damit würden wir Geschichte schreiben.“ Offiziell treten beide aufgrund der Sanktionen gegen das Land wegen Unterstützung des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine unter neutraler Flagge an.