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Entlastung in der Energiekrise: Heizölkunden schauen in die Röhre


Stand: 29.10.2022 10:19 Uhr

Während die Bundesregierung in der Energiekrise Entlastungen für Gaskunden angekündigt hat, droht Millionen Heizölkunden, mit den Kostensteigerungen allein gelassen zu werden. Warum ist das so?

In nur 30 Minuten fließen mehr als 10.000 Liter Heizöl aus dem orangefarbenen Tankwagen in den Heizöltank der Druckerei Winkhardt+Spinder in Stuttgart. Dies bedeutet nicht, dass der Tank voll ist. 20.000 Liter würden reinpassen, so viel will Geschäftsführer Alexander Alber angesichts der aktuellen Preise aber nicht kaufen: „Wir brauchen in der Winterzeit etwa 13.000 Liter und haben jetzt 11.000 Liter aufgefüllt. Und dann sehen wir weiter wie es im nächsten Frühjahr wieder aussieht.“

Die Heizölpreise haben sich fast verdoppelt

Vor einem Jahr lagen die Preise für 100 Liter Heizöl bei rund 62 Euro. Der Krieg in der Ukraine hat Öl teurer gemacht. Das Statistische Bundesamt verzeichnet für den September 2022 nun durchschnittlich 115 Euro. Das entspricht einer Preissteigerung von mehr als 85 Prozent.

Viele Kunden bestellen jetzt nur noch die Menge, die nötig ist, um über den Winter zu kommen, sagt Heizöllieferant Axel Wolff von Scharr Wärme dem SWR. „Wir hatten schon sehr verärgerte Kunden, die uns natürlich geschimpft haben, dass alles so teuer geworden ist. Im zweiten Schritt natürlich auch bei der Regierung“, erinnert sich Wolff.

Entlastung für Ölkunden gefordert

Denn während sich die Bundesregierung auf eine sogenannte Gaspreisbremse geeinigt hat, tappen Heizölkunden buchstäblich ins Leere. Bisher ist keine besondere Entlastung für sie geplant. Das ärgert Hans-Jürgen Funke vom Verband Energiehandel Südwest-Mitte. Immerhin wird allein in Baden-Württemberg noch rund ein Drittel der Häuser mit Öl beheizt.

„Das sind fast eine Million Ölheizungen, die wir in Baden-Württemberg haben. Und das ist natürlich auch ein großer Bereich des Wärmemarktes.“ Eine Steuersenkung könnte helfen, so der Verbandschef. „Da jedoch eine kurzfristige Entlastung der Verbraucher zwingend erforderlich erscheint, sollte schnell über eine pauschale Kostenübernahme von 30 bis 50 Prozent der letzten Heizölrechnung ab März 2022 entschieden werden“, sagt Funke tagesschau.de.

Auch Bayerns Ministerpräsident Söder fordert die Bundesregierung auf, die Entlastung zu verbessern. Eine Heizkostenbremse brauche es für alle, twitterte der CSU-Politiker, „neben Gas auch für Heizöl, Holz und Pellets. Beim Heizen sollte es keine zwei Klassen geben.“

Werden Heizölkunden unfair behandelt?

Die Vorsitzende der von der Bundesregierung einberufenen Gaspreiskommission, Veronika Grimm, lehnt eine Heizölbremse ab. „Man darf nicht den Eindruck erwecken, dass der Staat die gestiegenen Energiekosten für alle Bürger dauerhaft auffangen kann“, sagte Grimm der „Welt“.

Bei Gas spreche man von einer anderen Dimension als bei Heizöl oder Pellets, betont die Wirtschaftlichkeit. „Die Großhandelsgaspreise haben sich mehr als verzehnfacht.“ Bei anderen Energieträgern sehe man hingegen eine Verdopplung bis maximal Verdreifachung für die Verbraucher, so Grimm weiter.

Ist der Bedarf an Heizölkunden also nicht groß genug? Das sieht Verbandschef Funke so und verweist auf die absolute Höhe der Energiekosten im Vergleich zur prozentualen Preisentwicklung. Demnach zahlen Ölheizungsbesitzer derzeit rund 16 Cent pro Kilowattstunde. Der Zwischenbericht der Gaspreiskommission sieht Kostendeckelungen für Gaskunden auf zwölf Cent pro Kilowattstunde und 9,5 Cent pro Kilowattstunde für Fernwärme vor. „Insofern wäre auch eine adäquate Entlastung der Ölheizungsbesitzer anzuraten“, sagt Funke.

Worauf Heizölkunden jetzt achten müssen

Matthias Bauer von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg empfiehlt Kunden, den Tank vor der Bestellung einer neuen Heizöllieferung nie komplett zu leeren. „Die Lieferung von Heizöl dauert derzeit mehrere Wochen, oft Monate“, sagt Bauer. Es bietet sich auch an, das Heizöl gemeinsam mit den Nachbarn zu bestellen, denn größere Abnahmemengen reduzieren den Preis für Sammelbestellungen. Klar sei: „Die alte Faustregel, dass der Ölpreis im Sommer am günstigsten ist, gilt leider nicht mehr.“