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Wirtschaft und Börse

Energiepreise legen die Branche lahm (nd-aktuell.de)


Die Stahlindustrie ist extrem energiehungrig und daher sehr anfällig, wenn die Energiepreise steigen.

Foto: dpa/Robert Michael

Viele Unternehmen machen trotz oder wegen der aktuellen Energiekrise Zusatzgewinne. Energieunternehmen, die billigen Strom aus Wind-, Sonnen-, Kohle- oder Atomkraft produzieren, machen große Gewinne, weil sie ihr Produkt zu einem viel höheren Marktpreis verkaufen können. In der Automobilindustrie führt die Fokussierung auf den Verkauf hochpreisiger Modelle trotz Lieferkettenproblemen zu goldenen Bilanzen. Logistikkonzerne und Reedereien schwimmen aufgrund der extrem hohen Nachfrage nach Kohle und Gütern aus Asien förmlich im Geld.

Andere Unternehmen hingegen schlagen Alarm oder gehen gar in die Insolvenz. Dazu gehört zum Beispiel das Traditionsunternehmen Hakle, das seit 1928 Toilettenpapier produziert. Die energieintensive Papierindustrie ist seit Beginn der Corona-Pandemie starken Umbrüchen auf dem globalen Rohstoff-, Logistik- und Energiemarkt ausgesetzt. sagte das Unternehmen. „Seit drei Jahren kämpfen Unternehmen mit deutlich gestiegenen Herausforderungen – insbesondere im Gas- und Strombereich, seit etwa Herbst 2021.“ an den Lebensmitteleinzelhandel und Drogerien weitergegeben werden. Anfang September wurde Konkurs angemeldet.

SKW Piesteritz stellte die Produktion vorübergehend ein. Das Unternehmen aus dem gleichnamigen Kreis Wittenberg ist eines der größten Unternehmen der DDR. Und sie gehört zur „Kritischen Infrastruktur“, weil sie nach eigenen Angaben der größte Produzent von Ammoniak und Harnstoff in Deutschland ist. Daraus wird die Adblue-Lösung hergestellt. Ohne dieses Mittel, das zur Reinigung der Abgase benötigt wird, können moderne Dieselmotoren die geltenden Abgasnormen nicht mehr einhalten. Grund für das Dilemma sind die steigenden Gaspreise: Für die Herstellung von Adblue werden in einem ersten Schritt Ammoniak und Kohlendioxid aus Luft und Erdgas gewonnen. Am Montag hat SKW damit begonnen, sein Werk wieder hochzufahren.

Auch die Stahlerzeugung ist ein energieintensives Geschäft. Arcelor-Mittal schließt einen Teil seines Werks im Hamburger Hafen und reduziert auch seine Produktion in Bremen, wo einer der beiden Hochöfen stillgelegt wird. Reiner Blaschek, Chef von Arcelor-Mittal Deutschland, wird mit den Worten zitiert, die Preise für Gas und Strom hätten sich innerhalb weniger Monate verzehnfacht. Im kommenden Monat kommt die von der Bundesregierung geplante Gasumlage hinzu. Daher sei die lokale Produktion laut dem CEO nicht mehr konkurrenzfähig. Für die 530 Mitarbeiter an der Elbe bedeutet das Kurzarbeit. Die Produktion von hochwertigem Walzdraht wurde jedoch nicht vollständig eingestellt. Stattdessen will Arcelor-Mittal Material aus anderen Ländern kaufen, das sonst eigentlich in Hamburg hergestellt wird, und es dann hier weiterverarbeiten.

Laut einer Erhebung des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) hat fast jedes zehnte Unternehmen in Deutschland die Produktion gedrosselt oder unterbrochen. Und fast jedes vierte Unternehmen erwägt oder ist bereits dabei, Teile der Produktion und Arbeitsplätze ins Ausland zu verlagern. Auch hier sind es – neben zerrissenen Lieferketten, teuren Rohstoffen und Fachkräftemangel – vor allem die extrem steigenden Energiepreise, die die Branche vor „Grundprobleme“ stellen, wie BDI-Präsident Siegfried Russwurm bedauert.

Dass dies nur der Anfang sein kann, zeigen die Ergebnisse einer aktuellen Blitzumfrage der Handelskammer Hamburg unter rund 2.470 Unternehmen. Demnach sehen 42 Prozent aller Hamburger Unternehmen durch die enormen Strom- und Gaspreissteigerungen ihre Existenz bedroht. In der Fertigungsindustrie trifft dies sogar auf 62 Prozent der befragten Unternehmen zu. Es drohe ein „Szenario der Deindustrialisierung“, befürchtet IHK-Geschäftsführer Malte Heyne. Als Gegenmaßnahme fordern Unternehmen eine Deckelung der Energiepreise (66 Prozent), Steuersenkungen (52) oder staatliche Subventionen für Energiekosten (37).

Die Sorgen in wichtigen Teilen der Industrie – gleiches gilt für das Handwerk und den Mittelstand – erscheinen nur allzu berechtigt. Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) stellt in seinem jüngsten Bericht eine Trendwende bei der Zahl der Insolvenzen fest, die im ersten Halbjahr gesunken waren. Im August war die Zahl der Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften um 26 Prozent höher als im Vorjahr, was allerdings ein sehr niedriger Wert war. Das IWH wertet die gemeldeten Fälle aus und ist damit der offiziellen Statistik zwei Monate voraus. „Die steigenden Insolvenzzahlen zeigen, dass viele Unternehmen mit dauerhaften Kostensteigerungen rechnen, die ihr Geschäftsmodell unrentabel machen.“ Für den Herbst ist mit einem Anstieg zu rechnen, von einer drohenden Insolvenzwelle ist derzeit aber keine Rede.



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