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Politische Nachrichten

Ende der Diskriminierung – Neue Regeln für schwule Blutspenden


Bisher werden Heterosexuelle und Männer, die Sex mit Männern haben, beim Blutspenden unterschiedlich behandelt (Picture Alliance / dpa / Frank Molter)

Im Jakob-Kaiser-Haus im Berliner Regierungsviertel herrscht heute Vormittag reges Treiben. Die Sitzungswoche im Bundestag ist in vollem Gange. Viele Menschen gehen die langen Gänge entlang und finden den Weg zu den Büros und Konferenzräumen. Mittendrin, im zweiten Stock, liegt das Büro von Heike Baehrens. Sie ist gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion und steigt direkt ins Thema ein.

Sie sagt: „Ja, wir wollen vor allem die bisherige Diskriminierung beenden, wo es eine Sonderregelung für Männer gibt, die Geschlechtsverkehr mit Männern haben. Und das halten wir für völlig überholt.“

Aktuelle Richtlinien schließen schwule Männer und Transmenschen von der Blutspende aus, die in den letzten vier Monaten mit „einem neuen oder mehr als einem Sexualpartner“ Geschlechtsverkehr hatten. Heterosexuelle hingegen dürfen nur dann kein Blut spenden, wenn sie in der Zeit mehrere Sexualpartner hatten.

Um diese Diskriminierung homosexueller Männer und Transmenschen zu beenden, hat Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach eine Novelle des Transfusionsgesetzes angekündigt.

Entscheidend sei laut Baehrens, „dass dort die gleichen Regelungen gelten wie für heterosexuelle Blutspender. Denn eigentlich geht es darum, riskantes Sexualverhalten in den vier Monaten vor der Blutspende auszuschließen. Und da es das ist, muss es völlig unabhängig von der sexuellen Orientierung sein. Es geht um das individuelle Sexualverhalten.“

Blutspenden werden dringend benötigt

„Endlich, endlich tut sich was“, sagt Karl Beecken. Er sitzt in einem Café auf dem Campus der Charité in Mitte, unweit des Regierungsviertels. Er ist 18, Schüler an einem Gymnasium in Berlin-Prenzlauer Berg und interessiert sich für das Thema. Denn als schwuler, erwachsener Mann ist er nun auch von den geltenden Blutspenderegeln betroffen. Daher ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass er vom Spenden im nahe gelegenen Blutspendezentrum auf dem Campus ausgeschlossen wird.

Karl Beecken findet: „Es ist einfach absurd, dass in einer Zeit, in der Blutspenden wahnsinnig gefragt sind – das Angebot war damals wegen der Corona-Pandemie sogar noch geringer – und dass Menschengruppen wegen irgendwelchen alten Ressentiments einfach vom Blutspenden ausgeschlossen werden das hat eigentlich keine wissenschaftliche Grundlage mehr.“

Er will, dass die Diskriminierung homosexueller Männer beim Blutspenden aufhört, wie es die Bundesregierung nun plant. Denn die Wahrscheinlichkeit einer sexuell übertragbaren Krankheit hat nichts mit der Sexualität zu tun, sondern ob der sexuelle Kontakt geschützt oder ungeschützt stattfindet.

„Und dieser Faktor – ob ungeschützt oder nicht – wird derzeit bei der Blutspende einfach überhaupt nicht berücksichtigt. Und das finde ich einfach falsch, weil natürlich immer ein gewisses Risiko besteht, aber dann sollte man auch nach objektiven Kriterien handeln und nicht nach irgendwelchen alten Vorurteilen, die Sie verwenden“, so Beecken weiter.

Die Bundesärztekammer erstellt die Blutspenderichtlinien und entscheidet damit, wer spenden darf und wer nicht. Und sie sieht die Gesetzesänderung von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach kritisch. Da sie derzeit die Blutspenderichtlinien regelmäßig überprüfen, findet kein Interview statt. Zur Änderung erklären sie schriftlich, dass „die Frage der Zulassung zur Blutspende eine Risikoabschätzung auf Basis der aktuellen medizinisch-wissenschaftlichen und epidemiologischen Datenlage darstellt.

„Die Bundesärztekammer spielt ein Spiel mit dem Feuer, weil sie immer wieder versuchen, etwas zu entfachen, das längst hätte gelöscht werden sollen. Sie wollen dieses Feuer der Diskriminierung ständig aufrechterhalten“, sagt Alfonso Pantisano. Er ist im Bundesvorstand des Lesben- und Schwulenverbandes in Deutschland.

Diskriminierung muss beseitigt werden

Er geht weiter auf die Kritik der Bundesärztekammer ein, diese Diskriminierung müsse beseitigt werden, denn: „Wir haben weltweites medizinisches Wissen, dass es Männern, die Sex mit Männern haben, in Sachen Blutspende nicht anders geht als Männern, die Sex haben mit dem Wunsch, Frauen zu haben, oder umgekehrt.“

Zudem würden laut Pantisano alle Blutkonserven vor der Weitergabe getestet – egal, ob sie von homosexuellen oder heterosexuellen Menschen stammten.

Laut Heike Baehrens, der gesundheitspolitischen Sprecherin der SPD, soll die Änderung bis zum 1. April gesetzlich verankert werden. Die Bundesärztekammer wird fortan beauftragt, gemeinsam mit dem Paul-Ehrlich-Institut die Blutspenderichtlinie innerhalb von vier Monaten anzupassen.

Und wie sieht es in Zukunft mit Blutspenden bei Karl Beecken aus? Er sagt: „Nun, wenn es mir von der Risikoabschätzung und sonst medizinisch passt, dann will ich auf jeden Fall Blut spenden.“

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