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Eltern erziehen Kinder zu „erweichten Elendswesen“


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Erstellt:

Von: Julian Baumann

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Ein renommierter Erziehungswissenschaftler erklärt, welche Fehler Eltern bei der Erziehung ihrer Kinder machen und welche schwerwiegenden Folgen dies haben kann.

Neuss – Machen Kinder, was ihre Eltern ihnen sagen oder machen die Eltern, was ihre Kinder wollen? Letzteres trifft laut einem Pädagogen bei der heutigen Generation eher zu. Eltern verwöhnen ihren Nachwuchs, erlauben ihnen alles und zeigen somit weder Grenzen noch Regeln. Ein Erziehungswissenschaftler aus Neuss (Nordrhein-Westfalen) ist der Meinung, dass dies bei den Kindern kein stabiles Selbstbewusstsein entwickle. Er plädiert deshalb dafür, dass Eltern ihren Kindern nicht mehr alles nehmen und es ihnen so leicht wie möglich machen.

Erziehung: Erzieher ist sich sicher, dass Kinder für die „Herausforderungen des Lebens“ nicht gut gerüstet sind.

Kindheit und Jugend sollten sich eigentlich auf den oft erwähnten „Ernst des Lebens“ vorbereiten. Dazu gehört nicht nur der Aufenthalt in Kitas oder Schulen, sondern auch das Verhalten der Eltern, die ihren Kindern nicht alles durchgehen lassen sollten, sondern klar kommunizieren, wie sich Menschen verhalten sollen. Laut dem Erzieher Albert Wunsch sind die Kinder von heute kaum noch belastbar, haben wenig Durchhaltevermögen und geben schnell auf, wie er im Gespräch mit dem erklärte Spiegel erklärt.

Eltern machen es ihren Kindern zu leicht und scheuen Konflikte, sagt ein Erziehungswissenschaftler. (Symbolfoto) © Imago/Imagebroker

Es ist nachvollziehbar, dass Eltern ihren Kindern gerade in Zeiten der Corona-Pandemie besonderen Schutz gewähren wollen. In der ersten Woche nach den Ferien fuhren beispielsweise Eltern in Baden-Württemberg ihre Kinder direkt vor die Schultür. Verbände forderten daraufhin ein Ende der „Elterntaxis“ für den Schulweg. Laut dem Pädagogen Albert Wunsch werden die Kinder durch ihre Erziehung insgesamt aufgeweicht. Sie „bilden sich ein, unglaublich viel leisten zu können, was nicht stimmt“, sagte er Spiegel. „Und das bedeutet natürlich, dass sie nicht gut gerüstet sind, um sich den Herausforderungen des Lebens zu stellen.“

Dadurch entwickelt sich auch eine Selbstdarstellung, die für die Kinder nicht gesund sein kann. „Heute gibt es viele Prinzen und Prinzessinnen in der First Class, die sich alle für den Nabel der Welt halten“, sagt Wunsch. „Wer uneingeschränkt kommunizieren will, erwartet Lob und kann mit Stopp oder Kritik nicht umgehen.“ Je nach Wunsch ergibt sich das Verhalten der Kinder aus dem Verhalten der Eltern. Die Erzieherin sagt, Eltern erziehen ihre Kinder zu „erweichten Elendsgestalten“, berichtet auch 24hamburg. de*. Und Schauspieler Henning Baum hat schon über Erziehungsmethoden geätzt.

Pädagoge Albert Wunsch: Eltern wollen sich beweisen, aber sie schaden damit dem Kind

Eltern wollen sich gegenüber ihren Kindern als gute Väter und Mütter und oft auch als Freunde erweisen. Dies schadet jedoch ihrem Nachwuchs. „Sie loben ihre Kinder für jede Kleinigkeit und glauben zu viel“, sagt Wunsch. „So entwickelt das Kind kein echtes, stabiles Selbstbewusstsein.“ Diese kann sich nur entwickeln, wenn das Kind durch Übung selbstständig bestimmte Fähigkeiten und Fertigkeiten erlernt. „Kinder sollten früh lernen, mit Herausforderungen umzugehen“, sagt die Expertin. „Aber das ist ihnen kaum möglich, wenn ihre Eltern zu sehr für sie handeln und sie vor Konflikten schützen.“

Anmerkung der Redaktion: Dieser Text ist bereits in der Vergangenheit erschienen. Er war für viele Leser von besonderem Interesse. Deshalb bieten wir es wieder an.

Laut der Erzieherin sind die Gründe für die Kindererziehung heute sehr banal. Den Kindern zuzustimmen und sie alles machen zu lassen, sei einfacher und schneller, sagte er Spiegel. Zudem möchten viele Eltern Konflikte mit ihren Kindern vermeiden. „Das ist verständlich, aber negativ für das Kind. Und die Eltern sind ziemlich egoistisch“, sagt Wunsch. Natürlich lassen sich solche Aussagen nicht pauschal auf alle Kinder übertragen, wie die Erziehungswissenschaftlerin auch einräumt. „Das sage ich nicht gilt für alle Kinder, aber die Zahl wächst.“