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Ein Anlass für Allianzen (nd-aktuell.de)


Der US-Flugzeugträger USS Ronald Reagan schließt sich anderen US-amerikanischen und südkoreanischen Marineschiffen an den gemeinsamen Marineübungen in den Gewässern vor der Ostküste Südkoreas an.

Foto: dpa/Südkoreas Verteidigungsministerium

Die Demokratische Volksrepublik Korea (DVRK) – wie Nordkorea eigentlich heißt – hat in diesem Jahr trotz UN-Verbot und internationalen Protesten bereits über 40 Raketen abgefeuert: ein neuer Rekord. Die jüngsten Raketentests reichten Washington aus, um wieder militärische Präsenz im Japanischen Meer zu zeigen. Das US-Indo-Pazifik-Kommando betonte, die vergangene Woche begonnene Übung zeige, wie entschlossen gegen diejenigen vorgegangen werde, „die die regionale Stabilität in Frage stellen“. Damit ist nicht nur Nordkorea gemeint. Die Militärdemonstration richtet sich auch gegen China, den eigentlichen Gegner. Washington baut neue Allianzen in Asien gegen Peking, das territoriale Ansprüche auf seine Nachbarn erhebt.

Einige Tage lang übten die Besatzungen des Lenkwaffenkreuzers USS Chancellorsville und des Raketenzerstörers USS Benfold – beide Teil des Begleitdienstes des Flugzeugträgers USS Ronald Reagan – gemeinsam mit je einem südkoreanischen und einem japanischen Kriegsschiff. Ende September hatten die drei Verbündeten U-Boot-Abwehr trainiert; jetzt probten sie den Abschuss ballistischer Raketen. So wie die Machtdemonstrationen des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong-un bisher weitgehend vorhersehbar blieben, riskieren seine Gegner keine Eskalation der ohnehin schon explosiven Lage.

Nordkorea erinnert sich noch recht gut an Donald Trumps „Fire and Fury“-Drohung. Wenn Kim nicht nachgibt, werde er mit einer Macht konfrontiert, „wie es die Welt noch nie zuvor gesehen hat“, klagte der US-Präsident im August 2017. Bis zum ersten Treffen zwischen einem US-Präsidenten und einem Nordkoreaner verging weniger als ein Jahr Führer . Trump und Kim Jong-un versprachen, neue Beziehungen zwischen den beiden Ländern aufzubauen. Nordkorea sollte auf eine vollständige Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel hinarbeiten. Die USA versprachen Sicherheitsgarantien und sagten laufende Militärübungen in der Region ab. Wer dieses Treffen mit Skepsis betrachtet hat, sollte Recht behalten. Auch die wenigen frühlingshaften Momente im Verhältnis zwischen Nord- und Südkorea führten zu keiner Entspannung.

Washington ist Seouls wichtigster militärischer Verbündeter. Rund 28.500 US-Soldaten sind direkt in Südkorea stationiert. Dort wird befürchtet, dass der Norden bald wieder U-Boot-gestützte ballistische Raketen und eine Atombombe testen könnte. Der im Mai vereidigte südkoreanische Präsident Yoon Suk Yeol möchte daher die Zahl der gemeinsamen Manöver mit den USA erhöhen. Das wiederum wird im Norden als Bedrohung empfunden. Die sich immer noch abschottende Volksrepublik ist wirtschaftlich auf Hilfe von außen angewiesen. Russland ist derzeit kein Partner mehr, China hat andere außen- und sicherheitspolitische Prämissen. Die DVRK unterliegt nach wie vor erheblichen von den Vereinten Nationen sanktionierten internationalen Sanktionen wegen ihrer Atomwaffen- und Raketenprogramme. Bisher gibt es keinen Hinweis darauf, dass die Beschränkungen den Waffeneifer von Kim Jong-un bremsen.

Auch das mit den Drohungen aus dem Norden begründete Aufrüstungsprogramm im Süden trägt zur Eskalation der Spannungen bei. Nicht nur in Asien. 980 Black-Panther-Panzer, 648 K9-Haubitzen und 48 FA-50-Kampfflugzeuge werden bald nach Polen geliefert, um vom Krieg in der Ukraine zu profitieren. Der Vertrag gilt als Türöffner für Exporte in andere Nato-Staaten. In Norwegen konkurriert der deutsche Panzer Leopard 2 mit Hyundais „Panther“, und auch andere Länder interessieren sich für Militärgerät „Made in Korea“, zumal es wegen der südkoreanisch-amerikanischen Allianz Nato-Standards ähnelt. Der Fokus bleibt jedoch auf der Versorgung der eigenen Streitkräfte. Allein der Bau von drei Zerstörern – ähnlich dem US-Typ „Arleigh Burke“ – wird mehr als drei Milliarden Dollar kosten. Die Schiffe, die ab 2028 in Dienst gestellt werden, sollen Raketen abwehren können.

Das Militär denkt nicht nur an diejenigen, die aus Nordkorea kommen könnten. Als treuer Verbündeter der USA wappnet sich auch Südkorea gegen China. Um seinen Flugzeugträger abzuschrecken, wurde kürzlich ein neuer Überschall-Marschflugkörper getestet, der Experten sehr an den russischen Typ „Onyx“ erinnert. Moskau lieferte diese Waffen nach Vietnam und Indonesien, aber nicht nach Südkorea. Das ging wohl über Umwege. Indiens Regierung einigte sich mit den Philippinen im März 2021 auf einen Vertrag über die Lieferung von BrahMos-Raketen. Sie basieren auf dem »Onyx«. Obwohl gegensätzlich, haben Indien, die Philippinen, Vietnam, Indonesien und Südkorea einen gemeinsamen Feind: China. Die US-Regierung sieht das mit Genugtuung.