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DSV-Athleten rasen an die Weltspitze: „Lächerliche“ Stangen werden zu Biathlon-Raketen

DSV-Athleten rasen an die Weltspitze
Biathlonraketen bestehen aus „lächerlichen“ Lamellen

Das Verbot umweltschädlicher Fluorwachse bringt die Karten im Biathlon durcheinander. Die Deutschen sind bisher der große Gewinner der neuen Regelungen. Das war noch vor wenigen Wochen nicht absehbar. Dominator Johannes Thingnes Bö ist hingegen sehr genervt.

Während die deutschen Biathleten dank ihrer „Raketen“ gar nicht mehr aufhören zu jubeln, ist der fast unschlagbare Dominator Johannes Thingnes Bö plötzlich ganz genervt. „Früher konnte man auf Skiern fliegen, ohne Kraft im Oberkörper zu benötigen. „Das geht nicht mehr“, klagte der Norweger nach drei sieglosen Einzelrennen. Der vierfache Weltcup-Gesamtsieger ist äußerst verärgert über das Verbot umweltschädlicher Fluorwachse.

„Jetzt bin ich einfach zu schwach, ich brauche mehr Muskeln“, sagt Bö. Er komme sich „unglaublich dumm“ vor. Weil der 30-Jährige plötzlich keine Laufrekorde mehr in den Schnee zaubert, sind die Karten neu gemischt. Bisher nutzt das deutsche Team, das überraschend stark gestartet ist, die neuen Wachsbestimmungen zu seinem Vorteil. Und das, nachdem es bereits bei den Testrennen eine Mischung aus Mitleid und Häme abbekommen hatte.

„Es war schrecklich zu sehen“

„Die Norweger hätten sich in Sjusjoen fast entschuldigt, weil unsere Athleten aufgrund des Materials keine Chance hatten“, sagte Sportdirektor Felix Bitterling: „Es war wie ein Autorennen mit 50 PS gegen 200 PS.“ Der achtmalige Olympiasieger Ole Einar Björndalen spottete, er habe gesehen, „wie die Deutschen bergauf schnell rannten, bergab aber überhaupt nicht mithalten konnten.“ „Es sah lächerlich aus und war schrecklich anzusehen.“

Doch beim Weltcup-Auftakt in Östersund wendete sich das Blatt. Der deutsche Stoff sei „alles andere als lächerlich“, betonte Justus Strelow. „Wir hatten wieder Raketen unter den Füßen“, freute sich Philipp Nawrath nach seinem Debütsieg am Samstag. Nach dem Fluor-Verbot gehe es dem Waxing-Team „insgesamt hervorragend“, sagte Bitterling. Bisher seien sie „an vorderster Front“ gewesen, sagt der bekannte Cheftechniker Sebastian Hopf – und hätten die Euphorie sofort gebremst.

„Viel Versuch und Irrtum“

„Wir wissen nicht, wie wir uns bei nasseren Bedingungen schlagen werden“, sagte der 38-Jährige in der „Süddeutschen Zeitung“. Und die Skandinavier seien „finanziell und allgemein vorne. Biathlon ist dort der Nationalsport, es gibt viel mehr Leute, die sich für die Skiwachsthematik interessieren.“ Derzeit gebe es „natürlich viel Trial and Error“, erklärte Bitterling.

„In den letzten Jahren gab es eine riesige Datenbank zum Thema Skipräparierung. Dieses komplette Wissen ist mittlerweile fast nutzlos, weil es die Produkte nicht mehr gibt“, erklärte der Sportdirektor. Jetzt gelte es, „fast alles von Grund auf neu zu erarbeiten“. Daher „wird die Häufigkeit von Extremen zunehmen.“ Es sei „jeden Tag harte Arbeit“, sagt Hopf: „Es ist eine neue Wissenschaft geworden.“

Mit dem Fluor-Verbot habe der Weltverband „in erster Linie EU-Gesetzgebung umgesetzt“, erklärte IBU-Sportdirektor Daniel Böhm in der ARD: „Wir mussten dieser Gesetzgebung folgen.“ Die Skier werden vor und nach den Rennen mit einem Handgerät, das einen Infrarotsensor enthält, auf Fluorfreiheit überprüft. Trotz der neuen Wachssorten gebe es „keine so großen Unterschiede, wenn man die Zeiten beim ersten Weltcup vergleicht“, betonte Böhm. Doch das persönliche Empfinden von Johannes Thingnes Bö sagt etwas anderes.