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Dokumentarfilm: Wie Angela Merkel im Ausland wahrgenommen wird Kultur | DW


In ihrem Dokumentarfilm „Merkel – Macht der Freiheit“ porträtiert Regisseurin Eva Weber die ehemalige deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel als politisch versiertes Multitalent: Populisten und Autokraten die Stirn bieten, chauvinistische Leittiere in der Politik zähmen, Krisen abschütteln – all das ist nichts Problem für Merkel.

Dem Film gelingt es, Merkels Persönlichkeit zu ergründen und der als unnahbar geltenden Politikerin, die 16 Jahre lang an der Spitze der Regierung stand, sogar ein Stück näher zu kommen – obwohl in der gesamten Dokumentation kein einziges aktuelles Interview mit ihr zu sehen ist.

Werte wichtiger als Party

Archivmaterial und Interviews mit nationalen und internationalen Journalisten sowie hochrangigen Politikern aus dem In- und Ausland geben das Publikum ein guter Eindruck von den Werten, die den Altkanzler geleitet haben. Ihr pragmatisches Handeln basierte stets auf ihrem persönlichen Wertekodex. Dafür hat sie sich sogar mit ihrer eigenen Partei angelegt.

1991 wurde Angela Merkel unter Bundeskanzler Helmut Kohl Bundesfamilienministerin

Angela Merkel aus internationaler Perspektive

„Ich habe ihre Karriere immer von außen betrachtet und war fasziniert, wie unterschiedlich sie zu unterschiedlichen Zeiten aufgenommen wurde – positiv in Deutschland, negativ im Ausland oder umgekehrt“, sagte Regisseurin Eva Weber, die seit vielen Jahren in England lebt. bei der Podiumsdiskussion nach der Premiere in Berlin am Mittwochabend. Genau dieser Blick von außen zeichnet den Film aus: Es ist ein distanzierter Blick auf einen Ausnahmepolitiker aus internationaler Perspektive. Merkels Innenpolitik tritt in den Hintergrund.

Die Idee zu dem Film kam der Regisseurin im Sommer 2020 zu einer Zeit, als Boris Johnson in ihrer Wahlheimat allgegenwärtig war und Schlagzeilen machte. Angela Merkels souveränes Auftreten stand im Kontrast zum überschwänglichen britischen Premierminister.

Weg in die Spitzenpolitik

Akribisch erzählt die Dokumentation Merkels Aufstieg zum Ruhm: Sie beginnt mit der ostdeutschen Pfarrerstochter, die sich für ein Physikstudium entschied, um in der DDR möglichst wenig über Politik reden zu müssen. Nach dem Mauerfall wurde sie eine von zwei ostdeutschen Ministerinnen im ersten Kabinett des wiedervereinigten Deutschlands und schließlich Deutschlands erste Bundeskanzlerin. „Angela Merkel hatte zwei Leben: das Leben vor dem Mauerfall und das Leben nach dem Mauerfall“, sagt Eva Weber.

G7-Gipfel in Kanada;  Merkel bäumt sich mit den Händen auf dem Tisch zur Unterstützung vor einem sitzenden Trump auf, der von anderen G7-Führern umgeben ist

Die Zusammenarbeit zwischen Donald Trump und Angela Merkel war nicht immer einfach

Eva Weber sagte, sie sei fasziniert davon, wie sehr die DDR Angela Merkel als Mensch und als Politikerin geprägt habe und wie sich ihr Leben vor dem Mauerfall auf ihre Kanzlerschaft ausgewirkt habe. Merkel hat durch ihre persönliche Erfahrung ein klares Verständnis von Demokratie und Freiheit erworben und weiß, wie zerbrechlich beides sein kann.

„Protestantischer Politikstil“

Politisch habe sie Angela Merkel nie unterstützt, sagte der Regisseur. Aber Merkels „protestantischer Politikstil“ habe sie beeindruckt. Ihre pragmatische Art und ihr Vertrauen auf Fakten unterscheiden Merkel von vielen anderen Regierungschefs. Weber hat großen Respekt vor Merkels politischem Stil und wollte deshalb diesen in den Vordergrund stellen und nicht ihre politischen Entscheidungen.

Politisches Versagen oder die Folgen ihres Handelns, zum Beispiel in der Russlandpolitik, was spätestens seit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine der Fall ist differenzierter bewertet wird, lässt der Dokumentarfilm sie weitgehend außen vor.

Angela Merkel und Wladimir Putin sitzen bei Merkels Besuch in Sotschi zusammen;  Ein schwarzer Hund schnüffelt an Merkels Beinen

Der Film handelt davon, wie sich Angela Merkel in ihrer politischen Karriere gegen mächtige Männer wie Putin behauptete

Biografie statt Analyse

Der Film versteht sich als Biografie, nicht als politische Analyse. Für ein Vermächtnis sei es noch zu früh, sagte der Direktor. Und es ist nicht unbedingt ihre Aufgabe als Filmemacherin, Merkels Erbe aufzuarbeiten.

Diese Ansicht teilt auch der Journalist Ralph Bollmann, der eine Merkel-Biografie geschrieben hat und auch im Film zu Wort kommt. Er findet, der Film vermittle Merkels internationale Strahlkraft als Persönlichkeit. „Ich glaube, manche Leute in Deutschland haben unterschätzt, was für eine Figur Merkel eigentlich ist“, sagt er der DW. Vor allem in ihrer späten Amtszeit gewann sie eine internationale Fangemeinde und inszenierte sich als Gegenfigur zum polternden ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump.

Der Film soll den Deutschen zu denken geben, sagt Bollmann. „Merkel hat bei ihren öffentlichen Auftritten unglaublich viel von sich preisgegeben – obwohl viele immer gesagt haben, sie sei so langweilig.“ Grund genug, jetzt einen solchen Film zu machen, auch wenn man ihr Vermächtnis noch nicht abschließend beurteilen kann.

DW-Dokumentation: Angela Merkel – Kanzlerin in Krisenzeiten

Auch Angela Merkel widmete die DW zum Ende ihrer Amtszeit als Bundeskanzlerin eine Dokumentation. Darin kommen Menschen zu Wort, mit denen sie während ihrer 16-jährigen Regentschaft die politische Bühne geteilt hat.



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