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Deutsche Unternehmen: Überraschend gesteigerte Produktion


Stand: 07.11.2022 09:27 Uhr

Trotz der hohen Energiepreise hat die deutsche Industrie ihre Produktion im September stärker als erwartet ausgeweitet. Dennoch rechnen Volkswirte weiterhin mit einer Rezession.

Deutsche Unternehmen, gebeutelt von Inflation, Energiekrise, Ukrainekrieg und Materialknappheit, steigerten ihre Produktion im September überraschend stark. Industrie, Bau und Energieversorger produzierten zusammen 0,6 Prozent mehr als im Vormonat, wie das Statistische Bundesamt heute mitteilte. Von Reuters befragte Volkswirte hatten lediglich mit einem Plus von 0,2 Prozent gerechnet.

Schlechte Nachrichten häufen sich

Im August war die Produktion revidiert um 1,2 Prozent gedrosselt worden. Jetzt lag er sogar 2,6 Prozent höher als im September 2021. Und doch: Der jüngste Einbruch der Auftragseingänge und das seit Monaten sinkende Ifo-Geschäftsklima deuten weiterhin auf eine Rezession im Winterhalbjahr hin, so Commerzbank-Chef Ökonom Jörg Krämer erklärt. „Allerdings dürfte diese nicht so tief ausfallen wie in der Corona-Krise, solange gut gefüllte Gasspeicher und hohe Gaslieferungen eine Gasrationierung unwahrscheinlich machen.“

Das zeigt auch eine Umfrage des Münchener ifo Instituts. Demnach machen sich Unternehmen derzeit deutlich weniger Sorgen um ihre Existenz als während der Corona-Hochphase. Nach Ende Oktober veröffentlichten Daten sehen 7,5 Prozent der Unternehmen ihre Existenz bedroht. Im Juni 2020 waren es 21,8 Prozent. „Angesichts der starken konjunkturellen Eintrübung erweisen sich die Unternehmen als sehr robust“, resümiert ifo-Experte Klaus Wohlrabe.

Zuletzt häuften sich allerdings die Hiobsbotschaften aus der Wirtschaft, die laut Bundesbank-Chef Joachim Nagel voraussichtlich vor einer technischen Rezession stehen wird – also zwei Viertel schrumpfendes Bruttoinlandsprodukt in Folge. Die Auftragseingänge gingen im September um 4,0 Prozent zurück. Und die hohen Energiepreise und die weltweite Konjunkturabschwächung machen sich auch bei den Exporteuren bemerkbar: Die Exporte schrumpften im September um 0,5 Prozent.

Energieintensive Industrien bleiben unter Druck

Vor allem in den energieintensiven Branchen machen sich weiterhin die hohen Kosten bemerkbar. Dort ging die Produktion nochmals leicht um 0,9 Prozent zurück. Zu diesen Branchen zählt das Amt für Statistik vor allem die Herstellung chemischer Erzeugnisse sowie die Metallerzeugung und -verarbeitung. Auch die Verkokungs- und Mineralölverarbeitung, die Glas- und Keramikherstellung sowie die Papier- und Kartonherstellung benötigen viel Energie.

„Der massive Rückgang der energieintensiven Branchen dürfte die Diskussion um die drohende Deindustrialisierung befeuern“, sagt Jens-Oliver Niklasch, Volkswirt der LBBW. Andererseits sei es ein „gutes Zeichen, dass die Branche insgesamt auch unter solch schwierigen Bedingungen relativ stabil aufgestellt ist“.

Die reine Industrieproduktion – also das verarbeitende Gewerbe ohne Energie und Bau – legte um 0,7 Prozent zu. Im Jahresvergleich lag die Industrieproduktion um 4,2 Prozent höher als vor einem Jahr. Die energieintensiven Industrien produzierten 9,7 Prozent weniger.