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Der Tag des Krieges im Überblick: Ukrainische Drohnen greifen die Schwarzmeerflotte an – Russland setzt Getreideabkommen aus

Der Tag des Krieges auf einen Blick
Ukrainische Drohnen greifen Schwarzmeerflotte an – Russland setzt Getreidegeschäft aus

Putsch für Kiew: Mit Hilfe von Drohnen gelingt es dem ukrainischen Militär offenbar, zwei russische Schiffe der Schwarzmeerflotte zu beschädigen. Als Reaktion darauf setzte Russland das Abkommen über den Export von ukrainischem Getreide aus. In Cherson sollen russische Truppen den verbliebenen ukrainischen Zivilisten ein Ultimatum zur Evakuierung gestellt haben. Während Tschetschenienführer Kadyrow mit Vergeltung droht, arbeitet Präsident Putin angeblich an seiner Wiederwahl. Der 248. Kriegstag auf einen Blick.

Drohnenangriffe auf die Schwarzmeerflotte

Bei dem Drohnenangriff auf die russische Schwarzmeerflotte in Sewastopol auf der Krim ist Medienberichten zufolge am Morgen die Fregatte „Admiral Makarov“ getroffen worden. Wie stark das Flaggschiff der Flotte beschädigt wurde, sei nicht bekannt, schreibt der ukrainische Journalist Andrii Tsaplienko in seinem Telegram-Kanal unter Berufung auf bisher unbestätigte Informationen. Laut einem russischen Militärblog wurde nur das Radar des Schiffes getroffen. Später bestätigte das russische Verteidigungsministerium zusätzlich, dass der Minensucher „Ivan Golubets“ leicht beschädigt wurde. Von Schäden an der „Admiral Makarov“ war hingegen keine Rede. An dem Angriff seien neun unbemannte Flugdrohnen und sieben Marinedrohnen beteiligt gewesen, hieß es. Alle fliegenden Drohnen wurden abgeschossen. Zuvor hatte der Gouverneur der Krim-Halbinsel, Michail Razvozhayev, behauptet, dass durch die Angriffe keine Schäden entstanden seien. Die Nachrichtenagentur TASS wiederum meldete gegen 4.20 Uhr morgens eine schwere Explosion.

Soldaten verkleiden sich als Zivilisten

Auch in der südukrainischen Region Cherson gerieten russische Truppen zuletzt immer mehr ins Hintertreffen. Nach ukrainischen Angaben haben russische Soldaten in der ehemaligen 12.000-Einwohner-Stadt Beryslav in der Region Cherson „massenweise Zivilkleidung angezogen und Privatwohnungen bezogen“. Möglicherweise hoffen sie, auf diese Weise von russischen Truppen evakuiert zu werden und das stark umkämpfte Westufer des Flusses Dnipo verlassen zu können. Dazu passt, dass Niklas Masuhr, Forscher am renommierten Center for Security Studies der ETH Zürich, die Moral der russischen Soldaten für desolat hält. Ein Mangel an Waffen und Material stellte die Soldaten vor dem nahenden Winter vor erhebliche Probleme. „Für die Russen geht es immer noch darum, sich über den Winter einzugraben. Die Truppen sind in einem so schlechten Zustand, dass nicht klar ist, ob sie das schaffen“, sagte der Experte.

Ukraine: Russland will Cherson mit Gewalt evakuieren

Obwohl russische Beamte kürzlich die Evakuierung der gleichnamigen Regionalhauptstadt für beendet erklärten, soll es laut der Zeitung „Kyiv Independent“ noch ein Ultimatum für die in Cherson verbliebenen Zivilisten geben. Sie hätten also zwei Tage Zeit, um die Stadt zu verlassen. Sie würden dann zwangsweise an das Ostufer des Dnjepr umgesiedelt. Von russischer Seite gibt es keine Bestätigung. Gleichzeitig wirft die Ukraine vor, dass russische Truppen vor allem medizinische Einrichtungen plündern und im großen Stil Ausrüstung und Medikamente in den von Russland kontrollierten Teil der Region Cherson bringen.

41.000 Rekruten laut Kreml im Kampf

Zur Sicherung der besetzten Gebiete will Russlands Präsident Wladimir Putin verstärkt auf Rekruten zurückgreifen. Von den 300.000 seit September mobilisierten Kämpfern befinden sich bereits 82.000 in der Ukraine, aber nur die Hälfte von ihnen ist mit Kampfeinheiten stationiert. Das hat der Kreml-Chef jetzt angekündigt. 218.000 Soldaten würden noch in Russland ausgebildet. Experten des Institute for the Study of War schätzen, dass 150.000 von ihnen im November in die Ukraine geschickt würden. Da sie kaum ausgebildet und schlecht ausgerüstet sind, dürfte sich ihr Einsatz kaum spürbar auf den Kampfeinsatz auswirken, so die Experten.

Kadyrow kündigt Vergeltungsoperation an

Obwohl die russischen Truppen derzeit hauptsächlich mit Verteidigungsaktivitäten beschäftigt sind, hat der tschetschenische Machthaber Ramsan Kadyrow laut dem russischen Portal Kommersant angekündigt, dass in der Ukraine eine „separate Spezialoperation“ namens „Vergeltung“ durchgeführt wird. Das schrieb er auf seinem Telegram-Kanal. Unter wessen Leitung diese Operation steht, schrieb er nicht. Allerdings gibt es im Rahmen der Aktion bereits Verluste auf ukrainischer Seite in Richtung Mykolaiv und Kryvyi Rih.

Russland und die Ukraine tauschen Kämpfer aus

Trotz anhaltender Kämpfe gibt es immer wieder kleine Hoffnungsschimmer: Nach Gesprächen hat die Ukraine nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums 50 russische Kriegsgefangene übergeben. Zuvor hatte Denis Puschilin, der von Moskau unterstützte Leiter der annektierten Region Donezk, gesagt, es habe einen Gefangenenaustausch mit der Ukraine gegeben. Demnach würden auf beiden Seiten 50 Personen ausgetauscht. Auch die ukrainischen Streitkräfte bestätigen auf Telegram: „52 Ukrainer sind nach Hause zurückgekehrt“ bei einem weiteren Gefangenenaustausch.

Russland beendet Getreideabkommen

An anderer Stelle sind die Gespräche jedoch gescheitert. Russland setzt seine Teilnahme am ukrainischen Getreideexportabkommen aus, teilte das russische Verteidigungsministerium per Telegram mit. Begründet wurde der Schritt mit den ukrainischen Angriffen auf den Hafen von Sewastopol. Angeblich waren auch Schiffe zum Schutz der Getreidekonvois Ziel der Angriffe. Russland hatte wiederholt damit gedroht, das Abkommen im Falle von Terror- oder Sabotageakten zu brechen. Im Zusammenhang mit diesen Angriffen, die die Ukraine unter der Leitung britischer Spezialisten durchgeführt habe, könne die russische Seite die Sicherheit ziviler Getreideschiffe nicht mehr garantieren, sagte das Ministerium. Die Vereinten Nationen, die auf Betreiben der Türkei das Abkommen mit Russland und der Ukraine ausgehandelt haben, hoffen dennoch auf dessen Fortsetzung. „Wir stehen in dieser Angelegenheit mit den russischen Behörden in Kontakt“, sagte ein UN-Sprecher.

Briten sollen hinter der Sabotage von Ostsee-Pipelines stecken

Großbritannien wird auch in einem anderen Zusammenhang mit russischen Vorwürfen konfrontiert. Das steckt nach russischen Angaben hinter den Sabotageakten an den Ostseepipelines Nord Stream 1 und 2. „An der Planung, Vorbereitung und Durchführung eines Terroranschlags in der Ostsee am 26. September dieses Jahres waren nach vorliegenden Informationen Vertreter einer Einheit der britischen Marine beteiligt“, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau mit. Beweise für die Vorwürfe liefert sie nicht. Großbritannien wies die russischen Ansprüche umgehend zurück. Ein Sprecher des britischen Verteidigungsministeriums sagte, dies seien „falsche Behauptungen epischen Ausmaßes“. „Diese neueste erfundene Geschichte sagt mehr über die Machtkämpfe innerhalb der russischen Regierung aus als im Westen“, fügte der Sprecher hinzu.

Der Kreml bereitet sich bereits auf Putins Wiederwahl im Jahr 2024 vor

Das russische Exilmedium „Meduza“ will erfahren haben, dass im Kreml bereits die Vorbereitungen für die Präsidentschaftswahlen 2024 begonnen haben. Kremlnahe Quellen haben dies bestätigt. Demnach will Präsident Putin erneut antreten. Diesmal würde es keine Gegenkandidaten geben. Es würde nicht einmal „für die Show“ existieren, so die Informanten. Putins Wahlkampf soll sich den Angaben zufolge vor allem auf antiwestliche Narrative konzentrieren.

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